Zukünftig Pflichtfortbildung für alle Rechtsanwälte?

Das Anwaltsblatt beschäftigt sich in der aktuellen Ausgabe 4/2016 sehr ausführlich mit der Überlegung, zukünftig für alle Rechtsanwälte eine jährliche Mindeststundenzahl zur Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen vorzusehen. Das Für und Wider sowie die berufs- und verfassungsrechtlichen Vorgaben werden von renommierten Experten von allen Seiten beleuchtet. Die entscheidende Frage bleibt meines Erachtens aber unterbelichtet: Wann ist grundsätzlich ordnungpolitische Einschaltung geboten? – Wenn der Markt versagt. Dann und nur dann. Nur wenn der Bürger nicht mehr beurteilen kann, ob er Qualität einkauft oder Murks. Ist die Berufsbezeichnung „Rechtsanwalt“ nicht mehr ausreichend, um dem rechtssuchenden Bürger zu belegen, dass er hier grundsätzlich an der richtigen Adresse für qualifizierte Rechtsberatung ist? Ich selbst betreibe seit Gründung meiner Kanzlei im Jahr 2005 einen jährlichen Fortbildungsaufwand, der die Vorgaben der Fachanwaltschaften um ein Mehrfaches übersteigt. Außerdem sehe ich zu, dass ich keine Sachen annehme, von denen ich keine Ahnung habe. Weiterhin investiere ich stetig in die Fortbildung meines Personals. Meines Erachtens lohnt sich das auch für mich und meine Mandanten. Daher werde ich diesen Weg konsquent weiter beschreiten. Dennoch sei die Frage erlaubt, ob dem dem rechtssuchenden Bürger damit geholfen ist, wenn der Allgemeinanwalt in der Dorfkanzlei einmal im Jahr einen Vortrag über das Vergaberecht anhört, den er bei seinem Tagesgeschäft nicht wirklich einbringen kann. Wir haben mit den Fachanwaltschaften ein Qualitätssystem geschaffen, das überzeugt und vom Bürger angenommen wird. Wenn der Markt wirklich einmal versagen sollte, wenn sich die bösen Voraussagen vom „Risiko Rechtsanwalt“ auch nur ansatzweise bewahrheiten sollten, dann muss die Ordnungspolitik wirklich Nägel mit Köpfen machen – dann gibt es nur eine Konsequenz– den eingeschränkten Anwalt für ……xy Recht, der nur noch auf ganz bestimmten Gebieten tätig werden darf. Je nach Rechtsgebiet sitzt der dann vielleicht im Supermarkt neben dem Pfandautomaten, aber das ist nicht das Problem derer, die sich im Studium und danach Mühe gegeben haben.