Baustelle am Strand als Reisemangel?

Gericht/Institution: AG München
Erscheinungsdatum: 22.07.2016
Entscheidungsdatum: 10.11.2015
Aktenzeichen: 159 C 9571/15

Baustelle am Strand als Reisemangel?

Das AG München hat entschieden, dass eine Baustelle am Strand nicht als Reisemangel geltend gemacht werden kann, wenn der Reiseveranstalter vor Reiseantritt darauf hingewiesen hat und der Kunde die Möglichkeit zur Umbuchung hatte.

Der Kläger buchte für sich, seine Ehefrau und seine Tochter bei dem beklagten Reiseveranstalter eine Pauschalreise über ein Internetportal vom 30.10.2014 bis zum 06.11.2014 nach Abu Dhabi für 3.217 Euro. Auf der Buchungsbestätigung wurde ihm mitgeteilt: “Bitte beachten Sie, dass bis zum 20.11.2014 ein Teil des Strandes saniert wird. Es kann zu Lärm- und Sichtbelästigungen kommen.” Der Kläger trat mit der Familie die Reise an. Vor Ort angekommen stellte die Familie fest, dass – nach ihrem Vortrag – die Hälfte des hoteleigenen Strandes gesperrt gewesen sei. Von 9.00 Uhr morgens bis mindestens 22.00 Uhr habe in der Außenanlage und insbesondere am Stand und im Poolbereich ein unerträglicher Lärmpegel geherrscht. Auch im gebuchten Hotelzimmer sei der Lärm nicht zu überhören gewesen. Durch die Bauarbeiten sei zudem die Aussicht beeinträchtigt gewesen. Der Kläger ist der Meinung, dass der Hinweis in der Reisebestätigung nichtssagend und stark verniedlichend gewesen und daher nicht wirksam sei. Er erhob Klage vor dem AG München gegen den Reiseveranstalter auf Zahlung von 1.599,64 Euro Schadensersatz (40% Reisepreisminderung und 300 Euro für vertane Urlaubsfreude).

Das AG München hat die Klage abgewiesen.

Nach Auffassung des Amtsgerichts ist gemäß dem Vertrag ein hoteleigener Sandstrand in 350 Metern Entfernung vereinbart gewesen. Eine besondere Länge sei nicht vereinbart worden. Diese Leistung habe der Veranstalter erbracht, da jedenfalls ein Teil des Strandes nutzbar war. Das Amtsgericht teile die Auffassung des Klägers, dass der Hinweis nichtssagend und stark verniedlichend sei, nicht. Es werde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine Strandsanierung stattfinde. Es sei nicht nur die Rede von der Möglichkeit einer Strandsanierung. Die Information, dass es zu Lärm- und Sichtbelästigungen kommen kann, könne von einem objektiven Durchschnittsreisenden nicht anders verstanden werden, als dass auch mit dem Einsatz schweren Geräts gerechnet werden müsse. Damit war auch das Ausmaß hinreichend konkret dargestellt. Sofern der Kläger lediglich mit kleineren Unannehmlichkeiten rechnete, hafte die Beklagte für derartige Fehlvorstellungen nicht.

Der Reiseveranstalter habe seine Mitteilungspflicht auch in zeitlicher Hinsicht erfüllt. Er müsse spätestens vor Reisebeginn die Beeinträchtigungen dem Kunden mitteilen und Gelegenheit für eine Umbuchung geben. Es gebe keine Vorschrift, die gebiete, den Reisenden bereits vor Vertragsschluss auf etwaige Reisehindernisse hinzuweisen. Vorliegend sei die Beklagte ihrer Hinweispflicht mit der Buchungsbestätigung vom 26.09.2014 nachgekommen, nachdem der Kläger die Reise am selben Tag gebucht hatte. Somit erfolgte der Hinweis auf das Reisehindernis so frühzeitig, dass dem Kläger noch eine Umbuchung möglich gewesen wäre.

Das Urteil ist rechtskräftig.

Quelle: Pressemitteilung des AG München v. 22.07.2016