Verwaltungsgericht Düsseldorf, 24 L 851/21

Verwaltungsgericht Düsseldorf, 24 L 851/21

Die Pflicht zum Tragen einer Alltagsmaske von 5:00 Uhr bis 21:00 Uhr für den Bereich einer öffentlichen Grünfläche ist verhältnismäßig. Pflicht zum Tragen einer Alltagsmaske auf einer öffentlichen Grünfläche (Maskenpflicht); COVID-19 7-Tage-Inzidenz; Coronavirus; Infektionsrisiko durch Jogger

Tenor:

1. Der Antrag wird abgelehnt.

Die Antragsteller tragen die Kosten des Verfahrens.

2. Der Streitwert wird auf 5.000,00 Euro festgesetzt.

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G r ü n d e :
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Der sinngemäße Antrag,
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die aufschiebende Wirkung der Klage gegen Ziffer 1 i.V.m. Anlage 6 der am 17. April 2021 im Amtsblatt 15a bekannt gegebenen Allgemeinverfügung der Antragsgegnerin – Maskenpflicht von 5.00 Uhr bis 21:00 Uhr für die Grünfläche „T. “ – anzuordnen,
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hat keinen Erfolg.
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Der zulässige Antrag ist unbegründet.
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Im Rahmen des vorläufigen Rechtsschutzes nach § 80 Abs. 5 Verwaltungsgerichtsordnung (VwGO) entscheidet das Gericht aufgrund einer eigenen Interessenabwägung. Dabei sind das private Aufschubinteresse und das öffentliche Interesse an der Vollziehung des Verwaltungsaktes gegeneinander abzuwägen. Im Rahmen dieser Interessenabwägung können auch Erkenntnisse über die Rechtmäßigkeit und die Rechtswidrigkeit des Verwaltungsaktes, der vollzogen werden soll, Bedeutung erlangen, wenn aufgrund der gebotenen summarischen Prüfung Erfolg oder Misserfolg des Rechtsbehelfs offensichtlich erscheinen. Ist bei der allein gebotenen summarischen Überprüfung der angegriffene Verwaltungsakt offensichtlich rechtswidrig, so ist die aufschiebende Wirkung des Rechtsbehelfs anzuordnen, weil an einer sofortigen Vollziehung eines offensichtlich rechtswidrigen Verwaltungsaktes kein öffentliches Interesse bestehen kann. Erweist sich hingegen der angefochtene Verwaltungsakt als offensichtlich rechtmäßig, so führt dies in Fällen des gesetzlich angeordneten Entfallens der aufschiebenden Wirkung regelmäßig dazu, dass das öffentliche Interesse an der Vollziehung des Verwaltungsaktes überwiegt. Lässt sich nach der im Verfahren nach § 80 Abs. 5 VwGO gebotenen summarischen Überprüfung weder die offensichtliche Rechtmäßigkeit noch die offensichtliche Rechtswidrigkeit des angefochtenen Verwaltungsaktes mit der erforderlichen Sicherheit feststellen, so ergeht die Entscheidung aufgrund einer weiteren Interessenabwägung, in der zum einen die Auswirkungen in Bezug auf das öffentliche Interesse in dem Fall, dass dem Antrag stattgegeben wird, der Rechtsbehelf im Hauptsacheverfahren indes erfolglos bleibt, und zum anderen die Auswirkungen auf den Betroffenen für den Fall der Ablehnung eines Antrags und des erfolgreichen Rechtsbehelfs in der Hauptsache gegenüberzustellen sind.
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Von diesen Grundsätzen ausgehend überwiegt das öffentliche Interesse an der Vollziehung von Ziffer 1 i.V.m. Anlage 6 der Allgemeinverfügung vom 17. April 2021
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(Krefelder Amtsblatt Nr. 15a/21, abrufbar unter https://www.krefeld.de/c1257cbd001f275f/files/amtsblatt_15a-2021.pdf/$file/amtsblatt_15a-2021.pdf?openelement)
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das private Aufschubinteresse der Antragsteller.
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Es spricht nach Aktenlage Überwiegendes dafür, dass die Allgemeinverfügung im angegriffenen Umfang – also hinsichtlich der angeordneten Pflicht zum Tragen einer Alltagsmaske von 5:00 Uhr bis 21:00 Uhr für die in der Anlage 6 aufgeführte öffentliche Grünfläche „T. “ – rechtmäßig ist.
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Rechtsgrundlage für die angegriffene Allgemeinverfügung ist §§ 28 Abs. 1 S. 1, 28a Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz – IfSG) i.V.m. § 16a Abs. 2 der Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 (Coronaschutzverordnung – CoronaSchVO).
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Nach § 28 Abs. 1 S. 1 IfSG in der Fassung vom 18. November 2020 trifft die zuständige Behörde die notwendigen Schutzmaßnahmen, insbesondere die in § 28a Abs. 1 und in den §§ 29 bis 31 genannten, soweit und solange es zur Verhinderung der Verbreitung übertragbarer Krankheiten erforderlich ist, wenn Kranke, Krankheitsverdächtige, Ansteckungsverdächtige oder Ausscheider festgestellt werden oder sich ergibt, dass ein Verstorbener krank, krankheitsverdächtig oder Ausscheider war; sie kann insbesondere Personen verpflichten, den Ort, an dem sie sich befinden, nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen zu verlassen oder von ihr bestimmte Orte oder öffentliche Orte nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen zu betreten. Notwendige Schutzmaßnahmen im Sinne des § 28 Absatz 1 Satz 1 und 2 zur Verhinderung der Verbreitung der Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19) können gemäß § 28 Abs. 1 Nr. 2 IfSG für die Dauer der Feststellung einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite nach § 5 Absatz 1 Satz 1 durch den Deutschen Bundestag insbesondere auch die Verpflichtung zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung (Maskenpflicht) sein.
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Die Tatbestandsvoraussetzungen des § 28 Abs. 1 S. 1 IfSG liegen vor. Dass es sich bei der Corona-Viruskrankheit COVID-19 um eine übertragbare Krankheit im Sinne des § 2 Nr. 3 IfSG handelt und Kranke, Krankheitsverdächtige und Ansteckungsverdächtige festgestellt sind, unterliegt keinem Zweifel.
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Sind Schutzmaßnahmen zur Verhinderung der Verbreitung übertragbarer Erkrankungen erforderlich, so können diese grundsätzlich nicht nur gegenüber den in § 28 Abs. 1 S. 1 HS 1 IfSG genannten Personen, also gegenüber Kranken, Krankheitsverdächtigen, Ansteckungsverdächtigen oder Ausscheidern getroffen werden, sondern – soweit erforderlich – auch gegenüber Dritten (vgl. § 28 Abs. 1 Satz 1 Halbsatz 2 IfSG).
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Vgl. Bundesverwaltungsgericht (BVerwG), Urteil vom 22. März 2012 – 3 C 16.11 – juris, Rn. 26 unter Hinweis auf BT-Drs. 8/2468, S. 27; OVG NRW, Beschluss vom 6. April 2020 – 13 B 398/20.NE -, juris Rn. 70; sowie zum Nichtstörereinwand Bayerischer Verwaltungsgerichtshof, Beschluss vom 11. September 2020 – 10 CS 20.2064 –, juris, Rn. 27.
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Hinsichtlich von Art und Umfang der Gefahrenabwehrmaßnahmen ist der Behörde Ermessen eingeräumt. Dem liegt die Erwägung zugrunde, dass sich die Bandbreite der Schutzmaßnahmen, die bei Auftreten einer übertragbaren Krankheit in Frage kommen können, nicht im Vorfeld bestimmen lässt. Das behördliche Ermessen wird dadurch beschränkt, dass es sich um „notwendige Schutzmaßnahmen“ handeln muss, nämlich Maßnahmen, die zur Verhinderung der (Weiter-)Verbreitung der Krankheit geboten sind. Darüber hinaus sind dem Ermessen durch den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz Grenzen gesetzt.
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Vgl. BVerwG, Urteil vom 22.03.2012 – 3 C 16.11 -, juris Rn. 24; VG Schleswig, Beschluss vom 22.03.2020 – 1 B 17/20 -, juris Rn. 5; VG Bayreuth, Beschluss vom 11.03.2020 – B 7 S 20.223 -, juris Rn. 44; VG Bremen, Beschluss vom 26.03.2020 – 5 V 553/20 –, juris Rn. 30.
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Im Rahmen der durch § 114 Satz 1 VwGO eröffneten gerichtlichen Kontrolle dürfte die Antragsgegnerin von dem ihr eingeräumten Ermessen rechtsfehlerfrei Gebrauch gemacht haben.
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Nach § 16a Abs. 2 CoronaSchVO vom 5. März 2021 in der ab dem 19. April 2021 gültigen Fassung prüfen Kreise und kreisfreie Städte, in denen die 7-Tages-Inzidenz nach den täglichen Veröffentlichungen des Landeszentrums Gesundheit nachhaltig und signifikant über dem Wert von 100 liegt oder in denen sonst besondere kritische infektiologische Umstände vorliegen, die Erforderlichkeit über diese Verordnung hinausgehender zusätzlicher Schutzmaßnahmen und können diese im Einvernehmen mit dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales anordnen.
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Von dieser Möglichkeit hat die Antragsgegnerin zutreffend Gebrauch gemacht.
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Die COVID-19 7-Tage-Inzidenz liegt für L. seit dem 16. April 2021 oberhalb des Schwellenwertes von 200. Im Zeitpunkt der gerichtlichen Entscheidung liegt die 7-Tage-Inzidenz bei 232,2.
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Vgl. https://www.corona-in-zahlen.de/landkreise/sk%20krefeld/.
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Die angeordnete Maßnahme dürfte bei summarischer Prüfung auch verhältnismäßig sein.
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1. Die Antragsgegnerin verfolgt einen legitimen Zweck. Ziel ist die Verhinderung der weiteren Verbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 und vor allem die Eindämmung seiner Verbreitungsgeschwindigkeit zum Schutz der Bevölkerung vor von einem massenhaften Infektionsgeschehen ausgehenden Gefahren, insbesondere zur Verhinderung einer Überlastung des Gesundheitswesens.
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Es ist nicht zu beanstanden, wenn die Antragsgegnerin davon ausgeht, dass die Corona- Pandemie eine ernstzunehmende Gefahrensituation begründet, die staatliches Einschreiten nicht nur rechtfertigt, sondern im Hinblick auf die Schutzpflicht des Staates für Leib und Gesundheit der Bevölkerung grundsätzlich auch gebietet. Im Gebiet der Antragsgegnerin besteht aufgrund des erheblichen Überschreitens der 7-Tagefallzahl von 100 pro 100.000 Einwohner Anlass für zusätzliche Maßnahmen zur Verzögerung der Ausbreitungsdynamik und zur Unterbrechung von Infektionsketten, um letztlich wesentliche Funktion des Gesundheitssystems aufrechtzuerhalten.
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2. Zur Erreichung dieses Ziels ist das von der Antragsgegnerin mit Ziffer 1 der Allgemeinverfügung gewählte Mittel der Anordnung einer Pflicht zum Tragen einer Alltagsmaske für die in Anlage 6 aufgeführte öffentliche Grünfläche „T. “ in der Zeit von 5:00 Uhr bis 21:00 Uhr auch geeignet. Dabei ist das Mittel bereits dann geeignet, wenn mit seiner Hilfe der gewünschte Erfolg gefördert werden kann. Es ist nicht erforderlich, dass der Erfolg in jedem Einzelfall auch tatsächlich erreicht wird oder jedenfalls erreichbar ist; die Möglichkeit der Zweckerreichung genügt.
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Vgl. VG Düsseldorf, Beschluss vom 19. November 2020 – 24 L 2232/20 –, S. 4.
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Danach dürfte die angeordnete Verpflichtung zumindest einen Beitrag zu dem Ziel der Allgemeinverfügung leisten, eine weitere Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus abzuwenden. Sie verringert die Häufigkeit der Situationen, in denen zwei oder mehrere Personen einen Abstand von 1,5 Metern ohne Mund-Nasen-Bedeckungen unterschreiten und daher ein erhöhtes Risiko einer Übertragung des SARS-CoV-2-Virus besteht.
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Nach § 2 Abs. 1b der CoronaSchVO ist im öffentlichen Raum zu allen anderen Personen grundsätzlich ein Mindestabstand von 1,5 m einzuhalten.
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Vgl. zur voraussichtlichen Rechtmäßigkeit des für den öffentlichen Raum angeordneten Abstandsgebots, Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen (OVG NRW), Beschluss vom 31. Juli 2020 – 13 B 739/20 NE –, juris.
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Diese Regelung beruht auf der Grundannahme, dass sich das Coronavirus nach derzeitigen Erkenntnissen bei direkten persönlichen Kontakten im Wege einer Tröpfcheninfektion oder über Aerosole, bestehend aus kleinsten Tröpfchenkernen, die längere Zeit in der Umgebungsluft schweben und sich z.B. in Innenräumen anreichern und größere Distanzen überwinden können, besonders leicht von Mensch zu Mensch verbreitet. Grundsätzlich ist die Wahrscheinlichkeit einer Exposition gegenüber Tröpfchen und Aerosolen im Umkreis von 1 bis 2 Metern um eine infizierte Person herum erhöht.
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Vgl. VG Düsseldorf, Beschluss vom 19. November 2020 – 24 L 2232/20 –, S. 4.
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In Bereichen des öffentlichen Raumes, in denen die Abstandsanforderungen nicht umfassend eingehalten werden können, kann das Tragen einer Altersmaske zumindest einen Beitrag zur Reduktion der unbemerkten Übertragung des SARS-CoV-2 Virus leisten und zu einer weiteren Verlangsamung der Ausbreitung beitragen.
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Vgl. Robert Koch Institut, Was ist beim Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in der Öffentlichkeit zu beachten, Stand: 20.10.2020.
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Bereits nach der Lebenserfahrung kann es in innerstädtischen Parkanlagen und sonstigen öffentlichen Grünflächen verstärkt zu Begegnungen gekommen, bei denen der zum Infektionsschutz erforderliche Mindestabstand nicht mehr eingehalten werden kann. Die von der Antragsgegnerin in der Anlage 6 benannte öffentliche Grünfläche „T. “ gehört nach der im Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes allein möglichen summarischen Prüfung zu einer solchen Örtlichkeit. Dabei treten typischerweise Situationen auf, in denen beim Spaziergehen oder Laufen der erforderliche Mindestabstand unterschritten wird, etwa bei Begegnungen oder Überholmanövern. Dies wird seitens der Antragsteller auch nicht hinreichend substantiiert in Zweifel gezogen.
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Anlass zu einer abweichenden Beurteilung folgt auch nicht aus dem Umstand, dass nach § 3 Abs. 1 S. 1 CoronaSchVO Alltagsmasken textile Mund-Nasen-Bedeckungen (einschließlich Schals, Tüchern und so weiter) oder gleich wirksame Abdeckungen von Mund und Nase aus anderen Stoffen sind. Zwar dürfte der wissenschaftliche Diskurs über die Eignung sog. Behelfsmasken als Mittel zur Verringerung der Infektionszahlen bisher nicht abgeschlossen sein. Nach den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts, denen der Verordnungsgeber gefolgt ist, ist bei dem derzeitigem Erkenntnisstand aber davon auszugehen, dass auch privat hergestellte textile Mund-Nase-Bedeckungen eine (wenn auch im Vergleich zu einem chirurgischen Mund-Nasen-Schutz geringere) Filterwirkung auf feine Tröpfchen und Partikel entfalten können, die als Fremdschutz zu einer Reduzierung der Ausscheidung von Atemwegsviren über die Ausatemluft führen kann. Hierdurch erscheint es wiederum möglich, dass ihr Tragen einen Beitrag zur weiteren Verlangsamung der Ausbreitung des von Mensch zu Mensch übertragbaren Coronavirus leistet.
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Vgl. hierzu und allgemein zur Rechtmäßigkeit der Pflicht, in bestimmten sozialen Situationen eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen OVG NRW, Beschluss vom 29. Juli 2020 – 13 B 792/20.NE –, juris, Rn. 64 m.w.N.
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Ungeachtet dessen dürfte die Maskenpflicht auch zu einer Abnahme der Frequentierung der betroffenen öffentlichen Grünflächen – hier des Schönwasserparks – beitragen, indem sie die Attraktivität dieser Bereiche und damit auch das Besucheraufkommen zu mindern geeignet sind. Insbesondere Jogger, wie die Antragsteller, werden, um das Tragen einer Maske beim Laufen zu vermeiden, die genannten Bereiche zu den fraglichen Zeiten weniger stark aufsuchen als ohne die in Streit stehende Regelung.
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Vgl. hierzu OVG Hamburg, Beschluss vom 1. April 2021 – 5 Bs 54/21 – , S. 8 des Beschlussabdrucks, abrufbar unter https://justiz.hamburg.de/contentblob/14996640/d9be668564be4f63f2a13f9961ad9a59/data/5bs54-21.pdf.
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Wenngleich bislang noch nicht wissenschaftlich geklärt ist, wie hoch das Infektionsrisiko durch Jogger einzuschätzen ist, erscheint es zumindest nicht ausgeschlossen, dass auch von der Unterschreitung des Mindestabstands von Joggern im Freien ein Infektionsrisiko ausgeht. Für ein sehr geringes Risiko spricht, dass sich Jogger schneller etwa als Spaziergänger fortbewegen, die Luftzirkulation in ihrem Umfeld deshalb erhöht sein dürfte und die möglichen Unterschreitungen des Mindestabstands zu anderen Personen nur von kurzer Dauer sein dürften. Für ein höheres Risiko spricht, dass Jogger aufgrund der körperlichen Anstrengung heftiger ein- und ausatmen und damit eine stärkere Zirkulation von Tröpfchen und Aerosolen verbunden sein dürfte.
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Vgl. OVG Hamburg, Beschluss vom 1. April 2021 – 5 Bs 54/21 – , S. 9 des Beschlussabdrucks.
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3. Es spricht ferner Überwiegendes dafür, dass die für die in der Anlage 6 aufgeführte öffentliche Grünfläche „T. “ angeordnete Pflicht zum Tragen einer Alltagsmaske erforderlich ist, weil kein milderes Mittel erkennbar ist.
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Die Antragsgegnerin darf zunächst annehmen, dass das Abstandsgebot des § 2 Abs. 1b CoronaSchVO allein nicht ausreichend ist, um die Infektionsgefahren zu vermindern. Wie bereits oben ausgeführt, geht das Robert Koch-Institut davon aus, dass eine Ansteckung mit dem Coronavirus auch im Freien möglich ist, wenn der Mindestabstand von 1,5m nicht eingehalten wird.
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Eine bloße Empfehlung zum Tragen einer Alltagsmaske würde nach der Lebenserfahrung nicht in dem erforderlichen Umfang beachtet.
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Die von den Antragstellern vorgeschlagene Pflicht zum Tragen einer Alltagsmaske im Bereich der Parkbänke ist ebenfalls nicht gleichermaßen geeignet, den verfolgten Zweck zu erreichen. Denn sie stellt nicht sicher, dass sich Personen auch außerhalb der zur Verfügung stehenden Parkbänke ansammeln und/oder sich zum Beispiel beim Vorbeigehen begegnen.
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Auch die Anordnung einer Maskenpflicht nur für gute Wetterlagen stellt kein milderes Mittel dar. Abgesehen davon, dass eine solche Maßnahme kaum rechtssicher in einer Allgemeinverfügung geregelt werden könnte, ist davon auszugehen, dass angesichts der eingeschränkten Freizeitmöglichkeiten öffentliche Grünflächen wie der T. auch bei schlechterem Wetter so stark genutzt werden, dass der Mindestabstand von 1,5m nicht durchgehend eingehalten wird.
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Vgl. OVG Hamburg, Beschluss vom 1. April 2021 – 5 Bs 54/21 – , S. 11 des Beschlussabdrucks.
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Ausnahmen von der Pflicht zum Tragen einer Alltagsmaske für Personen, die sich – wie die Antragsteller – sportlich betätigen, wären schließlich ebenfalls nicht gleich geeignet. Denn wie bereits ausgeführt, ist zumindest nicht ausgeschlossen, dass auch von der Unterschreitung des Mindestabstands von Joggern im Freien ein Infektionsrisiko ausgeht.
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4. Die Maßnahme dürfte schließlich auch angemessen sein. Der beabsichtigte Zweck der Allgemeinverfügung steht nicht außer Verhältnis zu der Schwere des Eingriffs. Die Maßnahme führt zwar zu Beschränkungen des Grundrechts auf allgemeine Handlungsfreiheit (Art. 2 Abs. 1 GG) und gegebenenfalls des allgemeinen Persönlichkeitsrechts (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG). Diese Rechte gelten jedoch nicht unbeschränkt, sondern unterliegen einem Gesetzesvorbehalt und treten hier im Ergebnis angesichts der drohenden Überforderung des Gesundheitswesens gegenüber dem mit der Verfügung bezweckten Schutz von Leben und Gesundheit (Art. 2 Abs. 2 S. 1 GG) zurück.
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Wenngleich die Kammer nicht verkennt, dass das Tragen einer Alltagsmaske gerade beim Joggen mit nicht unerheblichen Erschwernissen beim Ein- und Ausatmen einhergeht, sind die Auswirkungen der angeordneten Maskenpflicht für die Antragsteller dennoch als gering einzustufen, während ein erneuter unkontrollierter Anstieg – bzw. die Nichtverringerung – der Zahl von Neuansteckungen mit gravierenden und teils irreversiblen Folgen für Leben und Gesundheit einer Vielzahl von Menschen einhergeht. Insoweit ist zu berücksichtigen, dass durch die Allgemeinverfügung keine generelle Maskentragungspflicht im öffentlichen Raum angeordnet, sondern die Verpflichtung räumlich und – insbesondere auch zeitlich – beschränkt worden ist.
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So auch OVG Hamburg, Beschluss vom 1. April 2021 – 5 Bs 54/21 – , S. 13 des Beschlussabdrucks; zur Angemessenheit der Pflicht zum Tragen einer Altersmaske, OVG NRW, Beschluss vom 29.07.2020 –13 B 792/20.NE –, juris, Rn 86.
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Die Regelung gilt nur vom 19. bis zum 26. April 2021 und damit gerade einmal eine Woche lang. Auch wenn es zu einer Verlängerung kommen sollte, ist doch davon auszugehen, dass die Regelung die (sportlichen) Aktivitäten der Antragsteller insgesamt nur über einen kurzen Zeitraum lang einschränken wird, wobei es den Antragstellern grundsätzlich weiterhin freisteht, im T. – mit einer Alltagsmaske – Spazieren oder Laufen zu gehen.
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Selbst wenn man den Ausgang des Rechtsstreits in der Hauptsache als offen ansehen wollte, gebietet eine ergänzend vorzunehmende allgemeine Folgenabwägung nicht die Aussetzung von Ziffer 1 i.V.m. Anlage 6 der angegriffenen Allgemeinverfügung.
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Mit der Aussetzung der Vollziehung würde sich die Gefahr der Ansteckung mit dem Virus, der Erkrankung weiterer Personen, der Überlastung der gesundheitlichen Einrichtung bei der Behandlung schwerwiegender Fälle und schlimmstenfalls des Todes von Menschen zusätzlich erhöhen. Denn es würden sich in dem in Anlage 6 der Allgemeinverfügung vom 17. April 2021 bezeichneten „T. “ eine Vielzahl von Personen ohne Alltagsmaske bewegen, wodurch bislang unentdeckt infizierte Personen unwissentlich andere Personen infizieren könnten.
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Gegenüber diesen Gefahren für Leib und Leben, vor denen zu schützen der Staat nach dem Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit gemäß Art. 2 Abs. 2 GG auch verpflichtet ist, muss das grundrechtlich geschützte Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und das allgemeine Persönlichkeitsrecht einstweilen zurücktreten. Dabei ist insbesondere in den Blick zu nehmen, dass die Maßnahme zeitlich befristet ist und die Antragsgegnerin die angeordneten Maßnahmen gemäß § 16a Abs. 2 S. 2 CoronaSchVO im Hinblick auf die Erforderlichkeit fortlaufend zu überprüfen hat, um entscheiden zu können, ob Lockerungen im Hinblick auf die betroffenen (Grund-)Rechtspositionen bereits zugelassen werden können.
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Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 1 VwGO; die Streitwertfestsetzung beruht auf §§ 53 Abs. 2 Nr. 2, 52 Abs. 2 GKG. Da die angegriffene Regelung mit Ablauf des 26. April 2021 außer Kraft tritt, zielt der Antrag inhaltlich auf eine Vorwegnahme der Hauptsache, sodass eine Reduzierung des Auffangstreitwerts für das Eilverfahren nicht veranlasst ist.
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Rechtsmittelbelehrung:
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(1) Gegen die Entscheidung über den Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz kann innerhalb von zwei Wochen nach Bekanntgabe bei dem Verwaltungsgericht Düsseldorf (Bastionstraße 39, 40213 Düsseldorf oder Postfach 20 08 60, 40105 Düsseldorf) schriftlich Beschwerde eingelegt werden, über die das Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster entscheidet.
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Die Beschwerde kann auch als elektronisches Dokument nach Maßgabe des § 55a VwGO und der Verordnung über die technischen Rahmenbedingungen des elektronischen Rechtsverkehrs und über das besondere elektronische Behördenpostfach (Elektronischer Rechtsverkehr-Verordnung – ERVV) eingelegt werden.
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Die Beschwerdefrist ist auch gewahrt, wenn die Beschwerde innerhalb der Frist schriftlich oder als elektronisches Dokument nach Maßgabe des § 55a VwGO und der ERVV bei dem Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen (Aegidiikirchplatz 5, 48143 Münster oder Postfach 6309, 48033 Münster) eingeht.
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Die Beschwerde ist innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe der Entscheidung zu begründen. Die Begründung ist, sofern sie nicht bereits mit der Beschwerde vorgelegt worden ist, bei dem Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen (Aegidiikirchplatz 5, 48143 Münster oder Postfach 6309, 48033 Münster) schriftlich oder als elektronisches Dokument nach Maßgabe des § 55a VwGO und der ERVV einzureichen. Sie muss einen bestimmten Antrag enthalten, die Gründe darlegen, aus denen die Entscheidung abzuändern oder aufzuheben ist, und sich mit der angefochtenen Entscheidung auseinandersetzen. Das Oberverwaltungsgericht prüft nur die dargelegten Gründe.
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Die Beschwerdeschrift und die Beschwerdebegründungsschrift sind durch einen Prozessbevollmächtigten einzureichen. Im Beschwerdeverfahren müssen sich die Beteiligten durch Prozessbevollmächtigte vertreten lassen. Dies gilt auch für Prozesshandlungen, durch die das Verfahren eingeleitet wird. Die Beteiligten können sich durch einen Rechtsanwalt oder einen Rechtslehrer an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule eines Mitgliedstaates der Europäischen Union, eines anderen Vertragsstaates des Abkommens über den europäischen Wirtschaftsraum oder der Schweiz, der die Befähigung zum Richteramt besitzt, als Bevollmächtigten vertreten lassen. Auf die zusätzlichen Vertretungsmöglichkeiten für Behörden und juristische Personen des öffentlichen Rechts einschließlich der von ihnen zur Erfüllung ihrer öffentlichen Aufgaben gebildeten Zusammenschlüsse wird hingewiesen (vgl. § 67 Abs. 4 Satz 4 VwGO und § 5 Nr. 6 des Einführungsgesetzes zum Rechtsdienstleistungsgesetz – RDGEG –). Darüber hinaus sind die in § 67 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 bis 7 VwGO bezeichneten Personen und Organisationen unter den dort genannten Voraussetzungen als Bevollmächtigte zugelassen.
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Die Beschwerdeschrift und die Beschwerdebegründungsschrift sollen möglichst dreifach eingereicht werden. Im Fall der Einreichung als elektronisches Dokument bedarf es keiner Abschriften.
64

(2) Gegen den Streitwertbeschluss kann schriftlich oder zur Niederschrift des Urkundsbeamten der Geschäftsstelle bei dem Verwaltungsgericht Düsseldorf (Bastionstraße 39, 40213 Düsseldorf oder Postfach 20 08 60, 40105 Düsseldorf) Beschwerde eingelegt werden, über die das Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster entscheidet, falls ihr nicht abgeholfen wird.
65

Die Beschwerde kann auch als elektronisches Dokument nach Maßgabe des § 55a VwGO und der Verordnung über die technischen Rahmenbedingungen des elektronischen Rechtsverkehrs und über das besondere elektronische Behördenpostfach (Elektronischer Rechtsverkehr-Verordnung – ERVV) oder zu Protokoll der Geschäftsstelle eingelegt werden; § 129a der Zivilprozessordnung gilt entsprechend.
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Die Beschwerde ist nur zulässig, wenn sie innerhalb von sechs Monaten eingelegt wird, nachdem die Entscheidung in der Hauptsache Rechtskraft erlangt oder das Verfahren sich anderweitig erledigt hat; ist der Streitwert später als einen Monat vor Ablauf dieser Frist festgesetzt worden, so kann sie noch innerhalb eines Monats nach Zustellung oder formloser Mitteilung des Festsetzungsbeschlusses eingelegt werden.
67

Die Beschwerde ist nicht gegeben, wenn der Wert des Beschwerdegegenstandes 200,– Euro nicht übersteigt.
68

Die Beschwerdeschrift soll möglichst dreifach eingereicht werden. Im Fall der Einreichung als elektronisches Dokument bedarf es keiner Abschriften.
69

War der Beschwerdeführer ohne sein Verschulden verhindert, die Frist einzuhalten, ist ihm auf Antrag von dem Gericht, das über die Beschwerde zu entscheiden hat, Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gewähren, wenn er die Beschwerde binnen zwei Wochen nach der Beseitigung des Hindernisses einlegt und die Tatsachen, welche die Wiedereinsetzung begründen, glaubhaft macht. Nach Ablauf eines Jahres, von dem Ende der versäumten Frist angerechnet, kann die Wiedereinsetzung nicht mehr beantragt werden.

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