Anfechtung der Ausschlagung des Vermächtnisses
Hier ist eine leicht verständliche Zusammenfassung des juristischen Textes zum Thema Erbrecht. In diesem Text erfahren Sie, wie Sie eine Ausschlagung oder Annahme eines Erbes rückgängig machen können, wenn Sie sich geirrt haben.
Im Erbrecht gibt es oft komplizierte Situationen. Besonders schwierig wird es, wenn Sie ein Vermächtnis erhalten, das an bestimmte Bedingungen oder Lasten geknüpft ist. Ein Vermächtnis ist kein direktes Erbe, sondern ein bestimmter Gegenstand oder ein Geldbetrag, den Ihnen der Verstorbene hinterlassen hat.
Manchmal entscheiden sich Menschen dazu, ein solches Vermächtnis auszuschlagen. Das bedeutet, sie sagen offiziell: „Ich möchte das nicht haben.“ Später stellen sie jedoch fest, dass diese Entscheidung ein Fehler war. In diesem Fall stellt sich die Frage: Kann man diese Entscheidung rückgängig machen? Die Antwort lautet: Ja, durch eine sogenannte Anfechtung.
Wenn Sie ein Vermächtnis ausgeschlagen haben, können Sie diese Erklärung unter bestimmten Umständen anfechten. Das Gesetz sieht hierfür verschiedene Regeln vor.
Damit Sie Ihre Entscheidung rückgängig machen können, brauchen Sie einen gültigen Grund. Meistens liegt ein solcher Grund vor, wenn Sie sich geirrt haben. Das Gesetz verweist hier auf allgemeine Regeln (die Paragrafen 119 und folgende des Bürgerlichen Gesetzbuches).
Besonders wichtig ist das für Personen, die pflichtteilsberechtigt sind. Das sind meist enge Verwandte, die gesetzlich einen Mindestteil am Erbe sicher haben. Wenn diese Personen ein belastetes Vermächtnis ausschlagen, gelten für die Anfechtung ähnliche Regeln wie bei einer normalen Erbschaft.
Wenn Sie Ihre Entscheidung ändern möchten, müssen Sie das dem „Beschwerten“ mitteilen. Das ist in der Regel die Person, die das Vermächtnis eigentlich hätte auszahlen oder übergeben müssen (zum Beispiel der Haupterbe).
Für die Anfechtung müssen Sie keine komplizierte Form einhalten. Eine einfache Erklärung reicht aus. Aber Achtung: Sie müssen Fristen einhalten! Man kann sich nicht ewig Zeit lassen. Sobald Sie bemerken, dass Sie sich geirrt haben, müssen Sie schnell handeln. Die Fristen sind im Gesetz genau festgelegt (Paragraf 1954 BGB). In der Regel haben Sie nach Entdeckung des Irrtums nur wenig Zeit.
Wenn Sie die Ausschlagung erfolgreich anfechten, hat das eine wichtige Wirkung: Es gilt so, als hätten Sie das Vermächtnis von Anfang an angenommen. Sie bekommen also den Gegenstand oder das Geld doch noch.
Gleichzeitig bedeutet das aber auch etwas für Ihren Pflichtteil. Wer ein Vermächtnis annimmt, verliert in diesem Umfang oft seinen Anspruch auf den Pflichtteil in bar. Die Anfechtung wirkt also in beide Richtungen: Sie erhalten das Vermächtnis, verzichten aber gleichzeitig auf den entsprechenden Teil des Pflichtteils. Da dies kein freiwilliger Verzicht im klassischen Sinne ist, brauchen Sie dafür – falls Sie zum Beispiel unter Vormundschaft stehen – meist keine Genehmigung vom Familiengericht.
Es gibt auch den umgekehrten Fall. Vielleicht haben Sie eine Erbschaft oder ein Vermächtnis bereits angenommen. Erst danach stellen Sie fest, dass das Erbe mit Schulden oder anderen Lasten behaftet ist. Auch hier ist eine Korrektur möglich.
Was passiert, wenn Sie gar nicht wussten, dass das Erbe „belastet“ ist? Eine Belastung kann zum Beispiel bedeuten, dass Sie hohe Schulden mit übernehmen oder dass ein anderer Verwandter ein Wohnrecht im geerbten Haus hat.
Die Rechtsprechung ist hier oft auf der Seite der Erben. Wenn Sie wichtige Eigenschaften des Nachlasses nicht kannten, dürfen Sie Ihre Annahme anfechten. Juristen sprechen hier von „verkehrswesentlichen Eigenschaften“.
Hier sind einige Situationen, in denen Gerichte eine Anfechtung erlaubt haben:
Nicht jeder Irrtum zählt. Wenn Sie genau wussten, welche Belastungen auf Sie zukommen, sich aber nur über die Folgen geirrt haben, reicht das nicht aus. Auch wenn Sie darauf gehofft haben, dass sich andere Personen in der Zukunft auf eine bestimmte Weise verhalten, und diese Hoffnung enttäuscht wird, ist das kein Grund für eine Anfechtung.
Wenn die Anfechtung der Annahme jedoch Erfolg hat, dreht sich die Situation um: Es gilt dann so, als hätten Sie das Erbe oder das Vermächtnis von Anfang an ausgeschlagen.
Erbrechtliche Erklärungen wie die Annahme oder Ausschlagung haben weitreichende finanzielle Folgen. Da die Fristen kurz und die rechtlichen Details kompliziert sind, sollten Sie in solchen Fällen nicht zögern.
Wenn Sie unsicher sind, ob Sie eine Entscheidung rückgängig machen können oder ob ein Irrtum vorliegt, sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Die rechtlichen Regelungen im Bürgerlichen Gesetzbuch sind für Laien oft schwer zu durchschauen.
Bitte nehmen Sie bei Fragen zu diesem Thema oder für eine individuelle Beratung Kontakt mit der Anwalts- und Notarkanzlei Krau in Hohenahr auf. Dort erhalten Sie fachkundige Unterstützung für Ihr Anliegen.
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