Ansprüche eines Miterben gegen den Testamentsvollstrecker – OLG Düsseldorf Urteil vom 04. Dezember 2015 – I-7 U 99/14

Juli 13, 2020

Ansprüche eines Miterben gegen den Testamentsvollstrecker – OLG Düsseldorf Urteil vom 04. Dezember 2015 – I-7 U 99/14

Zusammenfassung RA und Notar Krau

Die Klägerin ist eine von zehn Miterben einer Erbengemeinschaft nach dem Tod von J. M. S., die am 28. Juni 2008 verstarb.

Der Beklagte, der als Steuerberater langjährig für das Ehepaar S. tätig war, wurde nach dem Tod des Ehemanns von J. M. S. im Herbst 2000 mit der Besorgung ihrer Angelegenheiten betraut und erhielt eine Generalvollmacht sowie ein Vermächtnis über ein Zehntel des Nachlasses.

Ein Schenkungsvertrag vom 22. August 2003 beinhaltete Zuwendungen an den Beklagten und andere Personen aus dem Vermögen der Erblasserin.

Der Beklagte nutzte die Generalvollmacht, um Immobilien aus dem Nachlass zu verkaufen, wobei er einen Gewinn erzielte.

Streitgegenstand

Die Klägerin verlangte vom Beklagten die Herausgabe einer geordneten Zusammenstellung aller Einnahmen und Ausgaben des von ihm verwalteten Vermögens der Erblasserin und darüber hinaus Zahlungen an die Erbengemeinschaft.

Das Landgericht Kleve verurteilte den Beklagten zur Zahlung von 72.225,27 Euro und zur Herausgabe einer Abschrift des Schenkungsvertrages vom 22. August 2003.

Der Beklagte legte Berufung ein.

Berufungsgericht

Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf wies die Berufung des Beklagten zurück und bestätigte das Urteil des Landgerichts.

Ansprüche eines Miterben gegen den Testamentsvollstrecker – OLG Düsseldorf Urteil vom 04. Dezember 2015 – I-7 U 99/14

Begründung des OLG

Prozessführungsbefugnis der Klägerin:

Die Klägerin war als Miterbin prozessführungsbefugt, und die Testamentsvollstreckung durch den Beklagten hinderte dies nicht.

Gebührenrechnungen und Entreicherung:

Der Beklagte hatte sich selbst vom Konto der Erblasserin 8.389,50 Euro und 4.105,50 Euro zur Begleichung seiner Gebührenrechnungen überwiesen.

Das OLG bestätigte, dass dem Beklagten weder ein Anspruch auf Maklercourtage noch ein anderer Rechtsgrund für diese Zahlungen zustand.

Der Einwand des Beklagten, er sei um die abgeführte Umsatzsteuer und versteuerte Beträge entreichert, wurde abgewiesen.

Steuerbelastungen könnten nur dann vom Bereicherungsanspruch abgezogen werden, wenn sie definitiv beim Bereicherungsschuldner verbleiben, was hier nicht der Fall war.

Gärtnerrechnung:

Der Beklagte hatte 1.057,57 Euro zur Begleichung einer Gärtnerrechnung vom Konto der Erblasserin überwiesen.

Das OLG urteilte, dass diese Zahlung nicht zulässig war, da sie eine Verbindlichkeit der Ehefrau des Beklagten betraf, die nicht im Namen der Erblasserin handelte.

Ansprüche eines Miterben gegen den Testamentsvollstrecker – OLG Düsseldorf Urteil vom 04. Dezember 2015 – I-7 U 99/14

Der Beklagte haftete aufgrund seines Auftragsverhältnisses zur Erblasserin.

Freiwillige Zuwendungen:

Der Beklagte hatte sich in den Jahren 2004, 2005 und 2008 insgesamt 58.672,57 Euro aus dem Vermögen der Erblasserin überwiesen.

Das OLG entschied, dass der Beklagte diese Beträge herausgeben müsse, da die Zuwendungen ohne ausreichenden Rechtsgrund erfolgt seien.

Die Generalvollmacht reichte nicht aus, um zu beweisen, dass die Überweisungen mit Wissen und Wollen der Erblasserin erfolgten.

Generalvollmacht:

Obwohl die Generalvollmacht auch bei Geschäftsunfähigkeit der Erblasserin weiter gegolten hätte, konnte der Beklagte nicht nachweisen, dass die Überweisungen als Vollzug einer Schenkung zu betrachten waren.

Die Vollmacht enthielt implizit den Vorbehalt, zum Wohl der Erblasserin zu handeln.

Die umfangreichen Zuwendungen an den Beklagten selbst widersprachen diesem Willen.

Ergebnis

Das OLG Düsseldorf wies die Berufung des Beklagten zurück.

Der Beklagte wurde verurteilt, die geforderten Zahlungen zu leisten und die Kosten des Berufungsverfahrens zu tragen.

Die Revision wurde nicht zugelassen, da keine gesetzlichen Gründe vorlagen.

Rechtsfolgen

Dieses Urteil verdeutlicht die strengen Anforderungen an die Rechtmäßigkeit von Zuwendungen und Handlungen durch Bevollmächtigte im Rahmen von Generalvollmachten.

Es betont die Notwendigkeit einer klaren und nachweisbaren Willensbekundung des Vollmachtgebers, insbesondere bei umfangreichen Vermögensübertragungen.

Schlagworte

Warnhinweis:

Die auf dieser Homepage wiedergegebenen Gerichtsentscheidungen bilden einen kleinen Ausschnitt der Rechtsentwicklung über mehrere Jahrzehnte ab. Nicht jedes Urteil muss daher zwangsläufig die aktuelle Rechtslage wiedergeben.

Einige Entscheidungen stellen Mindermeinungen dar oder sind später im Instanzenweg abgeändert oder durch neue obergerichtliche Entscheidungen oder Gesetzesänderungen überholt worden.

Das Recht entwickelt sich ständig weiter. Stetige Aktualität kann daher nicht gewährleistet werden.

Die schlichte Wiedergabe dieser Entscheidungen vermag daher eine fundierte juristische Beratung keinesfalls zu ersetzen.

Für den fehlerhaften juristischen Gebrauch, der hier wiedergegebenen Entscheidungen durch Dritte außerhalb der Kanzlei Krau kann daher keine Haftung übernommen werden.

Verstehen Sie bitte die Texte auf dieser Homepage als gedankliche Anregung zur vertieften Recherche, keinesfalls jedoch als rechtlichen Rat.

Es soll auch nicht der falsche Anschein erweckt werden, als seien die veröffentlichten Urteile von der Kanzlei Krau erzielt worden. Das ist in aller Regel nicht der Fall. Vielmehr handelt es sich um einen allgemeinen Auszug aus dem deutschen Rechtsleben zur Information der Rechtssuchenden.

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