Ausgleichsforderung des Miterben gegen den Nachlass für Pflegeleistungen – OLG Frankfurt Urteil vom 07/2/20 – 13 U 31/18

August 14, 2020

Ausgleichsforderung des Miterben gegen den Nachlass für Pflegeleistungen – OLG Frankfurt Urteil vom 07/2/20 – 13 U 31/18

Zusammenfassung von RA und Notar Krau

Das Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Frankfurt vom 7. Februar 2020 (Az. 13 U 31/18) behandelt die Ausgleichsforderung eines Miterben gegen den Nachlass für Pflegeleistungen.

Im Wesentlichen ging es darum, ob der Beklagte zu 1) (der Sohn der Verstorbenen) eine Forderung in Höhe von 40.000 Euro für Pflegekosten und 324 Euro für Friedhofsunterhaltungsgebühren gegen den Nachlass seiner Mutter geltend machen kann.

Die Erblasserin, die am XX.XX.2016 verstarb, wurde von vier Erben beerbt, darunter die Kläger und die beiden Beklagten.

Hintergrund und Verfahrensverlauf

Die Erblasserin wurde vom Beklagten zu 1) vom 1. Januar 2006 bis zu ihrem Tod gepflegt, zunächst in ihrer eigenen Wohnung und ab Oktober 2009 in der Wohnung des Beklagten zu 1).

Die Pflege wurde durch die Familie des Beklagten zu 1) und einen ambulanten Pflegedienst unterstützt. Ab dem Zeitpunkt ihres Umzugs litt die Erblasserin an schwerer Demenz.

Die Pflegeversicherung stufte sie von Pflegestufe I (1.1.2006 – 31.12.2009), über Pflegestufe II (1.1.2010 – 31.12.2012) bis hin zu Pflegestufe III (1.1.2013 bis zum Tod) ein.

Das Pflegegeld wurde an den Beklagten zu 1) ausgezahlt, und die Erblasserin erhielt eine monatliche Rente von etwa 400 Euro.

Ausgleichsforderung des Miterben gegen den Nachlass für Pflegeleistungen – OLG Frankfurt Urteil vom 07/2/20 – 13 U 31/18

Der Nachlasswert der Erblasserin betrug rund 166.000 Euro.

Entscheidung des Landgerichts

Das Landgericht Darmstadt wies die Klage der Kläger am 12. Dezember 2017 ab.

Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass die Klage entweder unzulässig oder unbegründet sei.

Die Feststellungsanträge gegenüber der Beklagten zu 2) seien mangels Rechtsschutzbedürfnisses unzulässig.

Hinsichtlich der Forderungen des Beklagten zu 1) aus Pflegeleistungen stellte das Gericht fest, dass ihm ein Ausgleichsanspruch gemäß § 2057a BGB zustehe, da er die Erblasserin über einen langen Zeitraum gepflegt habe.

Die Pflegeleistungen seien nicht durch ein angemessenes Entgelt ausgeglichen worden, und es entspreche der Billigkeit, dem Beklagten zu 1) den geltend gemachten Ausgleichsanspruch zuzusprechen.

Berufung der Kläger

Die Kläger legten Berufung gegen das Urteil des Landgerichts ein.

Sie argumentierten, dass die Feststellungsanträge zulässig seien und dass der Beklagte zu 1) keinen Ausgleichsanspruch haben könne, weil er sich durch die Vermietung einer Wohnung unrechtmäßig bereichert habe.

Zudem sei der Beklagte zu 1) nicht ausreichend konkret auf die Zahlungsflüsse und die Erbringung der Pflegeleistungen eingegangen.

Entscheidung des Oberlandesgerichts

Das OLG Frankfurt wies die Berufung der Kläger zurück und bestätigte das Urteil des Landgerichts.

Ausgleichsforderung des Miterben gegen den Nachlass für Pflegeleistungen – OLG Frankfurt Urteil vom 07/2/20 – 13 U 31/18

Die wichtigsten Punkte der Entscheidung sind:

Unzulässigkeit der Feststellungsklage gegenüber der Beklagten zu 2):

Die Feststellungsklage gegenüber der Beklagten zu 2) wurde als unzulässig erachtet, da diese sich nicht der Auseinandersetzung des Nachlasses widersetzt hatte.

Ein Rechtsschutzbedürfnis besteht nur gegenüber einem der Auseinandersetzung widersprechenden Miterben.

Anspruch auf Ausgleichsforderung:

Dem Beklagten zu 1) steht eine Ausgleichsforderung gemäß § 2057a BGB in Höhe von 40.000 Euro zu.

Die Pflegeleistungen, die er über einen Zeitraum von zehn Jahren erbracht hat, gehen deutlich über das hinaus, was in einer normalen Eltern-Kind-Beziehung zu erwarten ist und haben in erheblichem Maße zur Erhaltung des Vermögens der Erblasserin beigetragen.

Pflegeleistungen und Umfang:

Der Beklagte zu 1) hat umfassende Pflegeleistungen erbracht, die durch die Beweisaufnahme bestätigt wurden.

Dazu gehörten Hilfe bei der Körperpflege, Ernährung, Mobilität und hauswirtschaftlichen Versorgung sowie die permanente Überwachung der Erblasserin aufgrund ihrer Demenz.

Erhaltung des Erblasservemögens:

Die Pflegeleistungen des Beklagten zu 1) haben erhebliche Kosten für eine professionelle Pflege oder Heimunterbringung erspart.

Die Eigenmittel der Erblasserin hätten nicht ausgereicht, diese Kosten zu decken, und das Erblasservemögen wäre erheblich geschmälert worden.

Keine Anrechnung von Mieteinnahmen:

Mögliche Mieteinnahmen des Beklagten zu 1) für eine Wohnung sind nicht auf die Ausgleichsforderung anzurechnen, da sie in keinem Zusammenhang mit den Pflegeleistungen stehen.

Kosten und weitere Entscheidungen

Die Kläger tragen die Kosten des Berufungsverfahrens. Die Entscheidung ist vorläufig vollstreckbar.

Eine Revision wurde nicht zugelassen, da die Rechtssache keine grundsätzliche Bedeutung hat und eine Entscheidung des Revisionsgerichts nicht zur Fortbildung des Rechts oder zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung erforderlich ist.

Der Gebührenstreitwert wurde für das Berufungsverfahren festgesetzt.

Schlussfolgerung

Das Urteil des OLG Frankfurt stellt klar, dass umfangreiche Pflegeleistungen eines Miterben, die über das übliche Maß hinausgehen, gemäß § 2057a BGB ausgeglichen werden müssen.

Der Beklagte zu 1) hat durch seine Pflegeleistungen maßgeblich dazu beigetragen, das Vermögen der Erblasserin zu erhalten, was ihm einen Ausgleichsanspruch in der geforderten Höhe von 40.000 Euro einbrachte.

Die Entscheidung zeigt auch, dass Feststellungsklagen im Rahmen von Erbauseinandersetzungen nur zulässig sind, wenn ein tatsächlicher Widerstand eines Miterben gegen die Auseinandersetzung des Nachlasses besteht.

Schlagworte

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Die auf dieser Homepage wiedergegebenen Gerichtsentscheidungen bilden einen kleinen Ausschnitt der Rechtsentwicklung über mehrere Jahrzehnte ab. Nicht jedes Urteil muss daher zwangsläufig die aktuelle Rechtslage wiedergeben.

Einige Entscheidungen stellen Mindermeinungen dar oder sind später im Instanzenweg abgeändert oder durch neue obergerichtliche Entscheidungen oder Gesetzesänderungen überholt worden.

Das Recht entwickelt sich ständig weiter. Stetige Aktualität kann daher nicht gewährleistet werden.

Die schlichte Wiedergabe dieser Entscheidungen vermag daher eine fundierte juristische Beratung keinesfalls zu ersetzen.

Für den fehlerhaften juristischen Gebrauch, der hier wiedergegebenen Entscheidungen durch Dritte außerhalb der Kanzlei Krau kann daher keine Haftung übernommen werden.

Verstehen Sie bitte die Texte auf dieser Homepage als gedankliche Anregung zur vertieften Recherche, keinesfalls jedoch als rechtlichen Rat.

Es soll auch nicht der falsche Anschein erweckt werden, als seien die veröffentlichten Urteile von der Kanzlei Krau erzielt worden. Das ist in aller Regel nicht der Fall. Vielmehr handelt es sich um einen allgemeinen Auszug aus dem deutschen Rechtsleben zur Information der Rechtssuchenden.

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