Ausschlagung eines Erbteils unter einer Rechtsbedingung – Pflichtteil – Brandenburgisches OLG 13 U 25/03

Juli 17, 2020

Ausschlagung eines Erbteils unter einer Rechtsbedingung – Pflichtteil – Brandenburgisches OLG 13 U 25/03

Zusammenfassung RA und Notar Krau

Das Urteil des Brandenburgischen Oberlandesgerichts vom 07. Januar 2004 (Az.: 13 U 25/03) behandelt eine komplexe Erbstreitigkeit, insbesondere hinsichtlich des Pflichtteilsrechts und der Auskunfts- und Wertermittlungsansprüche der Klägerin gegenüber den Erben des Verstorbenen R. G.

Die Klägerin hatte nach der Ausschlagung des Erbteils aus rechtlichen Gründen Anspruch auf ihren Pflichtteil.

Ein Anspruch der Klägerin auf Wertermittlung des Nachlasses gemäß § 2314 Abs. 1 Satz 2 BGB ist gegeben, denn sie hat die Erbeinsetzung gemäß § 2306 Abs. 1 Satz 2 BGB wirksam ausgeschlagen und ist nunmehr Pflichtteilsberechtigte.

Die sechswöchige Ausschlagungsfrist des § 1944 BGB, die erst mit Kenntnis von der Wirksamkeit des Testamentes beginnt, ist hier schon deshalb eingehalten, weil die Klägerin bereits vor Abschluss des Erbscheinverfahrens die Ausschlagung erklärt hat, obwohl sie Zweifel an der Wirksamkeit des Testamentes hatte.

Die Ausschlagung erfolgte auch formgerecht gegenüber dem Nachlassgericht.

Zwar ist die Ausschlagung bedingungsfeindlich (§ 1947 BGB).

Ausschlagung eines Erbteils unter einer Rechtsbedingung – Pflichtteil – Brandenburgisches OLG 13 U 25/03

Die hier erklärte Ausschlagung unter einer Bedingung ist allerdings insoweit unschädlich, weil dies
nur für den Fall der Berufung aus einem bestimmten Grund erfolgte, nämlich nur für den Fall, dass sie als testamentarische Erbin eingesetzt worden ist.

Das Urteil hebt das Teilurteil des Landgerichts Neuruppin vom 19. Dezember 2002 teilweise auf und erweitert die Verpflichtungen der Beklagten.

Tenor des Urteils:

Auskunftspflicht der Beklagten:

Die Beklagten müssen Auskunft darüber geben, ob der Verstorbene Lebensversicherungen abgeschlossen hat und wer die Bezugsberechtigten sind.

Ebenfalls müssen sie über Verträge zugunsten Dritter auf den Todesfall Auskunft geben, einschließlich der Höhe des übertragenen Vermögens.

Wertermittlung des Nachlasses:

Die Beklagten müssen den Wert des Nachlasses zum Todestag des Erblassers durch Gutachten öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger ermitteln lassen.

Dies betrifft insbesondere Immobilien, Antiquitäten, Porzellan, Orientteppiche, Gemälde, Skulpturen, Mobiliar, Kleidung, sonstiges Inventar und den Pkw Mercedes-Benz.

Ausschlagung eines Erbteils unter einer Rechtsbedingung – Pflichtteil – Brandenburgisches OLG 13 U 25/03

Feststellung eines erledigten Betrages:

Es wird festgestellt, dass der Klageantrag hinsichtlich eines Betrages von 16.333,57 € erledigt ist.
Zahlungspflicht der Beklagten:

Die Beklagten werden zur Zahlung weiterer 5.090,56 € nebst Zinsen an die Klägerin verurteilt. Dabei werden unterschiedliche Zinsbeträge für verschiedene Zeiträume spezifiziert.

Begründung:

Auskunftsanspruch:

Die Klägerin hat gemäß § 2314 BGB einen Anspruch auf Auskunft über den Nachlass.

Die Beklagten haben den Auskunftsanspruch bislang nicht vollständig erfüllt.

Eine Auskunft ist eine Wissenserklärung, die schriftlich und persönlich vom Auskunftspflichtigen zu erteilen ist.

Ausschlagung eines Erbteils unter einer Rechtsbedingung – Pflichtteil – Brandenburgisches OLG 13 U 25/03

Wertermittlungsanspruch:

Die Wertermittlung des Nachlasses durch ein Sachverständigengutachten ist erforderlich, um den Pflichtteilsanspruch der Klägerin zu beziffern.

Das Gutachten muss methodisch umfassend sein und mehrere Bewertungsmethoden berücksichtigen, um ein realistisches Bild des Nachlasswertes zu geben. Insbesondere bei vermieteten Immobilien muss sowohl das Sachwert- als auch das Ertragswertverfahren angewendet werden.

Zahlungsanspruch:

Die Klägerin hat einen Anspruch auf Zahlung, da die Beklagten mit der Erfüllung des Pflichtteilsanspruchs in Verzug sind.

Die Zinsberechnung wurde detailliert dargelegt und die Beklagten haben bereits Teilzahlungen geleistet, die auf die Zinsverpflichtungen angerechnet wurden.

Methodenwahl bei Wertermittlung:

Das Gericht betont, dass der Sachverständige verschiedene Bewertungsmethoden anwenden muss, um ein umfassendes Bild des Nachlasswertes zu geben.

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Ein einseitiges Verfahren, das sich nur auf eine Methode stützt, erfüllt die Anforderungen des § 2314 BGB nicht.

Revision:

Die Revision wird hinsichtlich des Auskunftsanspruches zugelassen, da es unterschiedliche obergerichtliche Entscheidungen zur Notwendigkeit der höchstpersönlichen Auskunftserteilung gibt.

Kostenentscheidung:

Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Beklagten.

Die Kostenentscheidung der ersten Instanz bleibt dem Schlussurteil vorbehalten.

Gesamtwürdigung:

Das Urteil verdeutlicht die Rechte eines Pflichtteilsberechtigten in Bezug auf umfassende Auskunfts- und Wertermittlungsansprüche gegenüber den Erben.

Es stellt klar, dass eine ordnungsgemäße Wertermittlung mehrere Bewertungsmethoden umfassen muss und der Auskunftsanspruch persönlich zu erfüllen ist.

Damit wird sichergestellt, dass der Pflichtteilsberechtigte in die Lage versetzt wird, seinen Anspruch präzise zu berechnen und durchzusetzen.

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Warnhinweis:

Die auf dieser Homepage wiedergegebenen Gerichtsentscheidungen bilden einen kleinen Ausschnitt der Rechtsentwicklung über mehrere Jahrzehnte ab. Nicht jedes Urteil muss daher zwangsläufig die aktuelle Rechtslage wiedergeben.

Einige Entscheidungen stellen Mindermeinungen dar oder sind später im Instanzenweg abgeändert oder durch neue obergerichtliche Entscheidungen oder Gesetzesänderungen überholt worden.

Das Recht entwickelt sich ständig weiter. Stetige Aktualität kann daher nicht gewährleistet werden.

Die schlichte Wiedergabe dieser Entscheidungen vermag daher eine fundierte juristische Beratung keinesfalls zu ersetzen.

Für den fehlerhaften juristischen Gebrauch, der hier wiedergegebenen Entscheidungen durch Dritte außerhalb der Kanzlei Krau kann daher keine Haftung übernommen werden.

Verstehen Sie bitte die Texte auf dieser Homepage als gedankliche Anregung zur vertieften Recherche, keinesfalls jedoch als rechtlichen Rat.

Es soll auch nicht der falsche Anschein erweckt werden, als seien die veröffentlichten Urteile von der Kanzlei Krau erzielt worden. Das ist in aller Regel nicht der Fall. Vielmehr handelt es sich um einen allgemeinen Auszug aus dem deutschen Rechtsleben zur Information der Rechtssuchenden.

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