Beschwerde eines Kindesvaters gegen die Übertragung des Aufenthaltsbestimmungsrechts und des Rechts zur Gesundheitssorge für sein Kind auf die Kindesmutter

Dezember 28, 2025

Beschwerde eines Kindesvaters gegen die Übertragung des Aufenthaltsbestimmungsrechts und des Rechts zur Gesundheitssorge für sein Kind auf die Kindesmutter

Gericht OLG Brandenburg

4. Senat für Familiensachen

Entscheidungsdatum 27.11.2024
Aktenzeichen 13 UF
Dokumententyp Beschluss

In der folgenden Zusammenfassung wird die Entscheidung des Oberlandesgerichts (OLG) Brandenburg zum Aktenzeichen 13 UF 100/24 erläutert. Es geht dabei um die Frage, welcher Elternteil in einem schwierigen Familienkonflikt welche Rechte für das gemeinsame Kind erhält.


Worum geht es in dem Gerichtsverfahren?

In diesem Fall stritten sich eine Mutter und ein Vater vor Gericht um das Sorgerecht für ihr im Jahr 2018 geborenes Kind. Ursprünglich war die Situation so schwierig, dass das Gericht beiden Eltern das Sorgerecht für bestimmte Bereiche entzogen hatte. Das Jugendamt war als sogenannter Amtspfleger eingesetzt worden.

Das bedeutet, dass weder die Mutter noch der Vater allein über wichtige Dinge entscheiden durften. Es ging dabei vor allem um zwei Punkte:

  1. Das Aufenthaltsbestimmungsrecht: Wer darf entscheiden, wo das Kind wohnt?
  2. Die Gesundheitsfürsorge: Wer darf über Arztbesuche und Therapien entscheiden?

Die aktuelle Entwicklung der Situation

Nach einiger Zeit hatte sich die Lage verändert. Das Jugendamt und eine Helferin berichteten, dass die Mutter das Kind sehr gut allein versorgt. Sie arbeitet gut mit den Behörden zusammen. Deshalb wollte die Mutter nun das Recht zurückbekommen, allein für das Kind zu entscheiden. Das Amtsgericht gab ihr zunächst recht. Der Vater war damit jedoch nicht einverstanden und legte Beschwerde beim Oberlandesgericht ein.


Die Entscheidung des Oberlandesgerichts

Das Oberlandesgericht Brandenburg hat den Fall neu bewertet. Das Gericht kam zu einem gemischten Ergebnis. In einem Punkt bekam der Vater recht, in dem anderen Punkt blieb es bei der Entscheidung für die Mutter.

Das Aufenthaltsbestimmungsrecht bleibt gemeinsam

Hier hat das Gericht eine wichtige Änderung vorgenommen. Da der Vater ausdrücklich damit einverstanden ist, dass das Kind bei der Mutter lebt, gibt es hier eigentlich keinen Streit mehr. Das Gericht sagt: Wenn beide Eltern sich einig sind, wo das Kind wohnt, muss man der Mutter dieses Recht nicht „allein“ übertragen. Das Gesetz sieht vor, dass das gemeinsame Sorgerecht der Normalfall bleiben soll, solange es dem Kind nicht schadet.

Warum die Gesundheitssorge nur an die Mutter geht

Beim Thema Gesundheit sieht die Sache anders aus. Hier hat das Gericht entschieden, dass die Mutter allein entscheiden darf. Das hat mehrere wichtige Gründe:

  • Fehlende Kommunikation: Die Eltern können fast gar nicht mehr vernünftig miteinander reden. Gespräche eskalieren oft oder werden abgebrochen.
  • Große Uneinigkeit bei Therapien: Das Kind hat die Diagnose ADHS. Die Mutter möchte eine vom Arzt empfohlene Behandlung mit Medikamenten durchführen. Der Vater ist strikt dagegen und hält die Diagnose für falsch.
  • Blockadegefahr: Weil die Eltern sich so stark streiten, besteht die Gefahr, dass wichtige medizinische Entscheidungen für das Kind blockiert werden. Das würde dem Wohl des Kindes schaden.

Beschwerde eines Kindesvaters gegen die Übertragung des Aufenthaltsbestimmungsrechts und des Rechts zur Gesundheitssorge für sein Kind auf die Kindesmutter


Die Rolle der Erziehungsfähigkeit

Ein wichtiger Punkt in diesem Urteil ist die Bewertung der Mutter. Das Gericht stellte fest, dass die Mutter in ihre Aufgabe hineingewachsen ist. Sie organisiert Termine, stellt Anträge und kümmert sich um alle Therapien. Experten wie das Jugendamt und der Verfahrensbeistand bestätigen, dass es dem Kind bei ihr gut geht.

Das Verhalten des Vaters

Das Gericht kritisiert beim Vater, dass er die Bedürfnisse des Kindes teilweise nicht richtig erkennt. Er schiebt Probleme des Kindes auf die Mutter, anstatt die ärztlichen Diagnosen zu akzeptieren. Zudem zeigte er sich in Gesprächen oft impulsiv und aggressiv, was eine gemeinsame Lösung unmöglich machte.


Was bedeutet das für die Zukunft der Familie?

Durch das Urteil ist nun klar geregelt, wer was entscheiden darf. Die Mutter kann nun ohne die Zustimmung des Vaters medizinische Entscheidungen treffen. Das sorgt für Ruhe im Alltag des Kindes, da langwierige Diskussionen über Arztbesuche wegfallen.

Informationsrecht des Vaters

Auch wenn die Mutter nun allein über die Gesundheit entscheidet, bedeutet das nicht, dass der Vater nichts mehr erfährt. Sie haben als Vater weiterhin einen gesetzlichen Informationsanspruch. Die Mutter muss Sie also über wichtige gesundheitliche Entwicklungen auf dem Laufenden halten.

Keine neue Anhörung nötig

Das Gericht hat entschieden, dass es für dieses Urteil nicht nötig war, alle Beteiligten noch einmal persönlich einzuladen. Die Berichte des Jugendamtes und die Protokolle der ersten Instanz waren so ausführlich, dass das Gericht sich auch so ein sicheres Bild machen konnte.


Zusammenfassung der rechtlichen Folgen

BereichEntscheidung des Gerichts
Wohnort (Aufenthalt)Bleibt bei beiden Eltern gemeinsam (da Einigkeit über Wohnort besteht).
GesundheitGeht allein an die Mutter (wegen schwerer Konflikte bei der Therapie).
KostenDie Kosten des Verfahrens werden zwischen den Eltern aufgeteilt.

Das Gericht hat hier versucht, einen Mittelweg zu finden: Das Elternrecht des Vaters wird geschützt, wo es möglich ist (beim Wohnort). Aber dort, wo der Streit dem Kind schadet (bei der Gesundheit), bekommt die Mutter die alleinige Macht, um das Kind zu schützen.

RA und Notar Krau

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