
BGB § 82b Stiftungsregister und Anmeldung der Stiftung
Zum 1. Januar 2026 tritt eine bedeutende Änderung für alle rechtsfähigen Stiftungen des bürgerlichen Rechts in Kraft. Mit dem Paragrafen § 82b des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) wird ein bundeseinheitliches Stiftungsregister eingeführt. Dies ist Teil einer großen Reform, die das Stiftungsrecht in ganz Deutschland vereinheitlichen soll.
Bisher gab es kein zentrales Register für Stiftungen, das eine ähnliche Funktion wie das Handelsregister für Firmen oder das Vereinsregister für Vereine erfüllte. Das ändert sich nun grundlegend. Sie als Leser, ob als Stifter, Vorstandsmitglied oder interessierter Bürger, sollten die neuen Regeln kennen, da sie die tägliche Arbeit und die rechtliche Sicherheit von Stiftungen massiv beeinflussen.
In der Vergangenheit war es für Stiftungen oft kompliziert, ihre Vertretungsmacht nachzuweisen. Wenn ein Vorstand zum Beispiel ein Grundstück kaufen oder ein Bankkonto eröffnen wollte, musste er eine sogenannte Vertretungsbescheinigung der staatlichen Stiftungsbehörde vorlegen. Diese Dokumente waren oft nur mühsam zu bekommen und boten nicht die gleiche rechtliche Sicherheit wie ein Registereintrag.
Das neue Register soll für mehr Transparenz sorgen. Jeder soll künftig online nachsehen können, wer eine Stiftung nach außen hin vertreten darf. Das schafft Vertrauen im Geschäftsverkehr. Wenn Sie mit einer Stiftung Verträge schließen, können Sie sich in Zukunft auf den Inhalt des Registers verlassen. Man nennt dies „Publizitätswirkung“.
Bisher führten die einzelnen Bundesländer eigene Stiftungsverzeichnisse. Diese waren jedoch sehr unterschiedlich aufgebaut. In manchen Ländern wurden bestimmte Stiftungen, wie zum Beispiel Familienstiftungen, gar nicht erst erfasst. Das neue zentrale Register beendet diesen „Flickenteppich“ und sorgt für einheitliche Standards in ganz Deutschland.
Anders als das Handelsregister, das bei den örtlichen Amtsgerichten geführt wird, ist das Stiftungsregister eine zentrale Angelegenheit. Es wird beim Bundesamt für Justiz geführt. Das bedeutet, es gibt eine einzige Stelle für alle Stiftungen in Deutschland.
Diese Zentralisierung wird jedoch auch kritisch gesehen. Experten streiten darüber, ob der Bund überhaupt die Erlaubnis hat, ein solches Register zentral zu führen, oder ob dies nicht eigentlich Aufgabe der Bundesländer wäre. Dennoch ist die Entscheidung gefallen: Ab 2026 ist das Bundesamt für Justiz in Bonn die entscheidende Adresse für die Registerführung.
Es ist wichtig zu verstehen, dass das Register nicht die Entstehung der Stiftung regelt. Eine Stiftung entsteht weiterhin dadurch, dass sie von der zuständigen Landesbehörde (der Stiftungsaufsicht) anerkannt wird. Erst wenn diese Anerkennung vorliegt, folgt der Schritt zum Register.
Sobald die Stiftung anerkannt ist, muss der Vorstand sie zur Eintragung in das Stiftungsregister anmelden. Dies ist keine freiwillige Option, sondern eine gesetzliche Pflicht gemäß § 82b Abs. 2 BGB.
Für die Anmeldung müssen Sie bestimmte Dokumente einreichen. Dazu gehören:
Das Register soll ein klares Bild über die Verantwortlichkeiten innerhalb der Stiftung vermitteln. Daher werden folgende Tatsachen gespeichert und veröffentlicht:
Diese Informationen sind für Geschäftspartner entscheidend. Wenn eine Person im Register als vertretungsberechtigt steht, darf ein Partner darauf vertrauen, dass dies auch stimmt.
Obwohl die Reform viele Vorteile bringt, gibt es auch Kritik von Fachleuten. Ein Kritikpunkt ist, dass im Register zwar die Namen der Vorstände stehen, aber oft keine Verwaltungsanschrift der Stiftung. Auch die Frage, ob jeder ohne besonderen Grund Einsicht in alle Daten nehmen darf, wird diskutiert.
Ein weiterer Punkt ist der Stiftungszweck. In den alten Verzeichnissen der Länder war oft genau beschrieben, was die Stiftung tut (zum Beispiel Umweltschutz oder Förderung der Kunst). Im neuen Register sind diese Angaben nach aktuellem Stand weniger detailliert vorgesehen, was manche Experten für einen Rückschritt halten.
Auch die Kennzeichnung von kirchlichen Stiftungen ist ein Thema. Da Kirchen in Deutschland einen besonderen Status genießen, ist die Integration ihrer Stiftungen in ein staatliches Register rechtlich sensibel.
Für Stiftungen, die bereits vor 2026 existieren, wird es Übergangsregeln geben. Sie müssen ihre Daten ebenfalls in das neue System übertragen. Die alten Vertretungsbescheinigungen werden nach und nach ihren Wert verlieren. Es ist daher ratsam, sich frühzeitig auf die Umstellung vorzubereiten.
Die Einführung des Stiftungsregisters zum 1. Januar 2026 ist ein historischer Schritt für das deutsche Stiftungswesen. Es bringt die Stiftung als Rechtsform auf Augenhöhe mit der GmbH oder dem e.V., was die Transparenz im Rechtsverkehr angeht. Dennoch bringt die Umstellung bürokratischen Aufwand und rechtliche Detailfragen mit sich, die sorgfältig geprüft werden müssen.
Wenn Sie Fragen zur Anmeldung Ihrer Stiftung, zur Gestaltung der Satzung im Hinblick auf das neue Register oder zu Ihren Pflichten als Vorstandsmitglied haben, stehen wir Ihnen gerne zur Seite.
Bitte nehmen Sie mit der Anwalts- und Notarkanzlei Krau in Hohenahr Kontakt auf, um eine individuelle Beratung zu erhalten und Ihre Stiftung sicher in das neue Zeitalter des Stiftungsregisters zu führen.
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