Der Ersteigerer eines Grundstückes zahlt nicht – was passiert nun?
Sie haben ein Grundstück bei einer Zwangsversteigerung ersteigert. Das Gericht hat Ihnen den Zuschlag erteilt. Damit sind Sie nun der neue Eigentümer. Doch nun gibt es ein großes Problem. Das Geld für den Kaufpreis wird nicht gezahlt. In Deutschland ist dieser Fall genau geregelt. Es gibt klare Gesetze für diesen Ablauf. Dieser Text erklärt Ihnen einfach und direkt die Folgen.
Zuerst müssen Sie eine Besonderheit verstehen. Bei einem normalen Kauf beim Notar werden Sie erst Eigentümer, wenn das Geld fließt. Bei einer Versteigerung ist das anders. Das Gericht verkündet den Zuschlag. In diesem Moment gehört das Grundstück sofort Ihnen. Sie stehen zwar noch nicht im Grundbuch. Aber rechtlich sind Sie bereits der Chef. Das Grundbuch ist eine Art Liste beim Amt. Dort stehen alle Besitzer von Grundstücken drin.
Das Problem ist nun: Sie haben das Grundstück, aber das Gericht hat kein Geld. Der Rechtspfleger am Gericht setzt einen Termin fest. Das ist der sogenannte Verteilungstermin. Bis zu diesem Tag müssen Sie den Betrag bezahlen. Tun Sie das nicht, entstehen sofort hohe Kosten.
Wenn Sie nicht pünktlich zahlen, wird es teuer. Ab dem Tag des Zuschlags fallen Zinsen an. Das sind meistens 4 Prozent. Dieser Zinssatz klingt erst einmal niedrig. Aber bei hohen Kaufpreisen für Häuser kommt schnell viel Geld zusammen. Jeden Tag wächst Ihre Schuld weiter an. Das Gericht wartet nicht gerne auf sein Geld. Es schützt die Gläubiger. Gläubiger sind die Personen oder Banken, die noch Geld vom alten Besitzer bekommen.
Was macht das Gericht, wenn das Geld fehlt? Es nutzt ein Werkzeug zur Absicherung. Dieses Werkzeug heißt Sicherungshypothek. Das Gericht lässt dieses Recht in das Grundbuch eintragen. Eine Hypothek ist wie ein Pfandrecht. Das bedeutet: Das Grundstück haftet für die Schulden.
Stellen Sie sich das wie bei einem Pfandleihhaus vor. Wenn Sie die Schulden nicht bezahlen, kann das Pfand verwertet werden. In diesem Fall ist das Pfand das ganze Grundstück. Die Eintragung im Grundbuch sorgt dafür, dass Sie das Grundstück nicht einfach heimlich verkaufen können. Jeder Käufer würde sofort sehen, dass darauf noch Schulden lasten.
Das Gericht verteilt das Geld normalerweise an die Gläubiger. Wenn kein Geld da ist, verteilt das Gericht stattdessen die Forderung. Die Bank des alten Besitzers bekommt dann ein Dokument vom Gericht. In diesem Dokument steht: „Der neue Käufer schuldet euch noch Betrag X.“ Die Bank kann nun direkt gegen Sie vorgehen. Sie müssen nicht mehr an das Gericht zahlen. Sie müssen nun direkt an die Bank oder die anderen Gläubiger zahlen.
Zahlen Sie trotz aller Mahnungen nicht? Dann droht der radikale Schritt. Man nennt dies die Wiederversteigerung. Die Gläubiger können beantragen, dass das Grundstück erneut versteigert wird. Das ist für Sie als säumigen Käufer fatal.
Das Grundstück kommt wieder unter den Hammer. Ein neuer Käufer wird gesucht. Das Verfahren beginnt von vorn. Aber Sie bleiben auf den Kosten sitzen. Alle Gebühren für das Gericht müssen bezahlt werden. Auch die Kosten für den Anwalt der Gegenseite kommen oft dazu.
Viele Menschen glauben, sie verlieren nur das Grundstück. Das ist leider ein Irrtum. Sie haften mit Ihrem gesamten Privatvermögen. Das Gericht stellt einen sogenannten vollstreckbaren Titel aus. Das ist ein offizielles Papier. Mit diesem Papier kann ein Gerichtsvollzieher zu Ihnen nach Hause kommen. Er kann Ihr Auto pfänden. Er kann Ihr Gehalt pfänden. Er kann Ihr Bankkonto sperren.
Sie kommen aus dieser Nummer nicht einfach wieder heraus. Ein Rücktritt vom Kauf ist bei einer Versteigerung fast unmöglich. Es gibt kein Widerrufsrecht wie bei einer Bestellung im Internet. Gekauft ist gekauft.
Hier sind noch einmal die wichtigsten Begriffe kurz erklärt:
Wenn Sie in dieser Situation sind, müssen Sie schnell handeln. Reden Sie sofort mit der Bank, die das Verfahren eingeleitet hat. Versuchen Sie, einen Kredit zu bekommen. Vielleicht finden Sie auch privat jemanden, der Ihnen das Geld leiht. Schweigen ist in dieser Lage der größte Fehler. Die Zinsen laufen jeden Tag weiter. Die Kosten für das Gericht und die Anwälte steigen stetig.
Eine Zwangsversteigerung ist ein sehr förmliches Verfahren. Das Gesetz ist hier sehr streng. Es nimmt keine Rücksicht auf private Probleme. Sorgen Sie also unbedingt vor der Versteigerung dafür, dass Ihre Finanzierung sicher steht. Ein Gebot ohne sicheres Geld ist ein gefährliches Risiko für Ihr gesamtes finanzielles Leben.