Wer eine GmbH gründet, tut dies meist aus einem bestimmten Grund: Er möchte seine Haftung begrenzen. Der Name sagt es ja schon: „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“. Man zahlt sein Stammkapital ein (zum Beispiel 25.000 Euro), und wenn die Firma pleitegeht, ist dieses Geld weg. Aber das private Haus, das Auto und das Sparbuch sind sicher.
Das ist die Grundregel. Doch wie bei jeder Regel gibt es Ausnahmen. Eine dieser Ausnahmen ist die Nachschusspflicht. Sie kann dazu führen, dass Sie plötzlich doch frisches Geld in die Firma stecken müssen, obwohl Sie das gar nicht wollten.
In diesem Text schauen wir uns genau an, wann das passiert, wie Sie sich schützen können und was der Unterschied zwischen „beschränkter“ und „unbeschränkter“ Nachschusspflicht ist.
Stellen Sie sich vor, die GmbH ist wie ein gemeinsamer Geldtopf. Bei der Gründung werfen alle Gesellschafter (die Eigentümer) Geld in diesen Topf. Das ist das Stammkapital.
Wenn die Firma nun Verluste macht, wird der Topf leerer. Irgendwann ist vielleicht kein Geld mehr da, um Rechnungen zu bezahlen.
Normalerweise müsste die Firma nun Insolvenz anmelden. Oder die Gesellschafter geben freiwillig neues Geld. Die Nachschusspflicht ist aber etwas anderes: Sie ist ein Zwang. Wenn eine Nachschusspflicht besteht, müssen die Gesellschafter neues Geld in den Topf werfen. Tun sie das nicht, drohen harte Konsequenzen.
Zuerst die gute Nachricht: Im Gesetz steht, dass es automatisch keine Nachschusspflicht gibt.
Wenn Sie eine ganz normale Standard-GmbH gründen und einen Standard-Vertrag benutzen, sind Sie sicher. Sie zahlen Ihre Stammeinlage (Ihren Anteil am Startkapital). Ist diese Einlage vollständig bezahlt, kann niemand von Ihnen verlangen, noch mehr Geld nachzuschießen. Nicht der Geschäftsführer, nicht die anderen Gesellschafter und auch nicht der Insolvenzverwalter.
Das steht im GmbH-Gesetz (§ 3 GmbHG). Dort heißt es sinngemäß: Wenn die Einlagen voll erbracht sind, gibt es keine weitere Haftung.
Merke:
Jetzt kommt das „Aber“. Die Gesellschafter können im Gesellschaftsvertrag (der Satzung) vereinbaren, dass es eine Nachschusspflicht geben soll.
Warum sollte man das tun? Ganz einfach: Es erhöht die Kreditwürdigkeit der Firma. Wenn eine Bank sieht, dass die Gesellschafter im Notfall Geld nachschießen müssen, gibt sie der Firma leichter einen Kredit. Auch Lieferanten vertrauen der Firma mehr.
Es gibt zwei Arten dieser Pflicht, die Sie unbedingt unterscheiden müssen.
Dies ist die mildere Form. Im Vertrag steht eine genaue Obergrenze. Zum Beispiel: „Jeder Gesellschafter muss im Notfall maximal weitere 10.000 Euro nachschießen.“
Das Risiko ist hier kalkulierbar. Sie wissen genau: Schlimmer als diese 10.000 Euro wird es nicht. Sie können nachts ruhig schlafen, weil Sie Ihr maximales Risiko kennen.
Dies ist die gefährliche Form. Im Vertrag steht sinngemäß: „Die Gesellschafter müssen so viel Geld nachschießen, wie die Firma braucht.“
Es gibt keine Obergrenze nach oben. Wenn die Firma Millionen Schulden macht, müssen die Gesellschafter theoretisch Millionen nachzahlen. Diese Form ist sehr selten, weil sie extrem riskant ist. Sie hebelt den eigentlichen Vorteil der GmbH (die beschränkte Haftung) fast vollständig aus.
Nur weil eine Nachschusspflicht im Vertrag steht, müssen Sie nicht sofort zahlen. Es muss erst ein Beschluss gefasst werden.
Der Ablauf sieht meistens so aus:
Wichtig: Jeder muss im Verhältnis zu seinen Anteilen zahlen. Wer 10 % der Firma besitzt, muss 10 % der geforderten Summe zahlen.
Das ist der kritische Punkt. Nehmen wir an, die Versammlung hat beschlossen: „Jeder muss 5.000 Euro nachzahlen.“ Sie haben das Geld aber nicht oder wollen es nicht in eine sterbende Firma stecken.
Was passiert nun? Das hängt davon ab, welche Art der Pflicht im Vertrag steht.
Hier haben Sie ein besonderes Recht. Sie können sagen: „Ich zahle nicht, aber ihr könnt meinen Anteil an der Firma haben.“
Das nennt man im Fachjargon Preisgabe oder Abandon. Sie stellen Ihren Geschäftsanteil der Gesellschaft zur Verfügung. Damit sind Sie raus. Sie verlieren zwar Ihre Firma (und das Geld, das Sie früher investiert haben), aber Sie müssen kein neues Geld nachzahlen. Ihr privates Vermögen ist gerettet.
Achtung: Dies muss innerhalb einer strengen Frist passieren (meistens einen Monat nach der Aufforderung). Wenn Sie die Frist verpassen, müssen Sie zahlen!
Hier ist es komplizierter. Früher war strittig, ob man auch hier den Anteil einfach „abgeben“ kann. Heute sagt man meist: Wenn die Nachschusspflicht auf eine bestimmte Summe begrenzt ist, müssen Sie diese Summe in der Regel auch zahlen.
Wenn Sie nicht zahlen, greift ein hartes Verfahren. Es nennt sich Kaduzierung. Das klingt altmodisch, ist aber brutal:
Es wird noch etwas unangenehmer. Stellen Sie sich vor, es gibt drei Gesellschafter: A, B und C. Jeder soll 10.000 Euro nachschießen. Gesellschafter C ist aber pleite. Er kann nicht zahlen.
Wer zahlt dann den Anteil von C? In vielen Fällen müssen dann A und B für C einspringen. Das nennt man Ausfallhaftung. Wenn Sie also Pech haben, müssen Sie nicht nur Ihren eigenen Nachschuss zahlen, sondern auch noch den der anderen, die nicht zahlen können. Das sollten Sie immer im Hinterkopf behalten, wenn Sie Ihre Mitgründer aussuchen.
Ja, das geht. Aber die Hürden dafür sind extrem hoch. Stellen Sie sich vor, Sie haben eine GmbH gegründet ohne Nachschusspflicht. Jahre später läuft es schlecht. Die Mehrheit der Gesellschafter will nun eine Pflicht einführen, um Geld zu erzwingen. Sie wollen das aber nicht.
Können die anderen Sie überstimmen? Nein. Eine nachträgliche Einführung der Nachschusspflicht im Vertrag erfordert die Zustimmung aller Gesellschafter. Wirklich aller. Wenn auch nur einer (Sie!) Nein sagt, kommt die Pflicht nicht in den Vertrag. Das Gesetz schützt Sie davor, dass die Mehrheit Ihnen gegen Ihren Willen in die Tasche greift.
Oft wollen Gesellschafter der Firma helfen, aber keine starre Pflicht im Vertrag haben. Es gibt bessere Wege, Geld in die Firma zu bringen:
Der Vorteil dieser Wege: Sie basieren auf Freiwilligkeit. Man entscheidet von Fall zu Fall und wird nicht durch einen alten Vertrag gezwungen.
Lassen Sie uns das Ganze kurz und bündig zusammenfassen. Eine Nachschusspflicht ist keine Standard-Funktion einer GmbH, aber sie ist ein mächtiges Werkzeug – oder eine gefährliche Falle.
Hier ist Ihre Checkliste zur Sicherheit:
Die GmbH bietet großen Schutz, aber dieser Schutz ist nicht grenzenlos, wenn man den Vertrag nicht genau liest. Die Nachschusspflicht ist das „Hintertürchen“, durch das die Haftung wieder zum Vorschein kommen kann.
Für die meisten kleinen und mittleren Unternehmen ist es ratsam, keine Nachschusspflicht in den Vertrag zu schreiben. Wenn die Firma Geld braucht, sollten sich die Partner zusammensetzen und gemeinsam eine freiwillige Lösung finden (wie ein Darlehen). Zwang führt in Krisenzeiten oft nur zu Streit und teuren Anwaltskosten.
Seien Sie also wachsam beim Unterschreiben. Ein guter Vertrag sorgt für ruhige Nächte, auch wenn es in der Firma mal stürmt.