
Erhalte ich als Arbeitnehmer wegen einem Kindergeburtstag Entgeltfortzahlung?
Die Antwort auf diese Frage ist für viele Eltern sehr wichtig. Jeder möchte den Ehrentag seines Kindes gemeinsam feiern. Rechtlich gesehen ist die Antwort jedoch meistens ein klares Nein. Ein Kindergeburtstag ist ein freudiges Ereignis. Er ist aber kein unvorhersehbares Ereignis. In Deutschland regelt das Bürgerliche Gesetzbuch viele Details zur Arbeit. Ein wichtiger Paragraph ist der § 616 BGB. Dieser Paragraph trägt den Namen „Vorübergehende Verhinderung“.
Er besagt Folgendes: Ein Arbeitnehmer darf der Arbeit fernbleiben. Er erhält trotzdem seinen Lohn. Das gilt aber nur unter ganz bestimmten Bedingungen. Die Verhinderung muss persönlich sein. Sie muss ohne eigenes Verschulden eintreten. Zudem darf sie nur für eine verhältnismäßig kurze Zeit dauern. Ein klassisches Beispiel ist ein Todesfall in der Familie. Auch die eigene Hochzeit zählt dazu. Ein Kindergeburtstag erfüllt diese strengen Kriterien leider nicht. Er ist planbar und kein Notfall.
Der Begriff Entgeltfortzahlung klingt kompliziert. Das Wort Entgelt ist ein Fachbegriff für Ihren Lohn oder Ihr Gehalt. Fortzahlung bedeutet, dass das Geld weiter fließt. Sie arbeiten in dieser Zeit also nicht. Trotzdem bekommen Sie am Ende des Monats die volle Summe überwiesen. Normalerweise gilt in der Arbeitswelt ein einfacher Grundsatz: Ohne Arbeit gibt es keinen Lohn. Die Entgeltfortzahlung ist eine Ausnahme von dieser Regel.
Meistens kennen wir das vom Krankheitsfall. Wenn Sie ein ärztliches Attest haben, zahlt der Chef weiter. Bei einem Kindergeburtstag greift diese Regelung jedoch nicht automatisch. Es liegt kein wichtiger Grund im Sinne des Gesetzes vor. Der Gesetzgeber sieht den Geburtstag als reines Privatvergnügen an. Es ist Ihre Aufgabe als Eltern, diesen Tag privat zu organisieren.
Es gibt jedoch Situationen, in denen es anders sein kann. Das deutsche Arbeitsrecht ist sehr vielschichtig. Manchmal stehen im Arbeitsvertrag andere Regeln als im Gesetz. Das Gesetz dient oft nur als Grundgerüst. Die individuellen Verträge können dem Arbeitnehmer mehr Rechte einräumen.
Schauen Sie zuerst in Ihren eigenen Arbeitsvertrag. Manchmal sind dort zusätzliche freie Tage vermerkt. Manche großzügigen Arbeitgeber schenken ihren Mitarbeitern einen Tag frei. Das kann bei runden Geburtstagen oder eben bei Kindern der Fall sein. Wenn dies schwarz auf weiß im Vertrag steht, haben Sie Glück. Dann ist der freie Tag bezahlt.
Gibt es keinen schriftlichen Vertrag? Dann schauen Sie in die Betriebsvereinbarungen. Das sind Regeln, die für alle Mitarbeiter in einer Firma gelten. Oft handelt der Betriebsrat solche Vorteile aus. Auch ein Tarifvertrag kann helfen. Tarifverträge werden zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern geschlossen. Dort finden sich oft Listen für Sonderurlaub. Steht der Kindergeburtstag nicht auf dieser Liste, gibt es kein Geld ohne Arbeit.
Ein weiterer Fachbegriff ist die betriebliche Übung. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz im Betrieb. Hat Ihr Chef allen Kollegen seit zehn Jahren am Kindergeburtstag frei gegeben? Hat er dabei immer das volle Gehalt gezahlt? Dann könnte ein Anspruch entstanden sein. Der Chef darf diese Gewohnheit nicht einfach ohne Grund beenden. Die betriebliche Übung schützt das Vertrauen der Mitarbeiter. Dies ist aber rechtlich oft schwer zu beweisen. Es ist immer besser, eine klare schriftliche Regelung zu haben.
Wenn es keine Entgeltfortzahlung gibt, müssen Sie andere Wege finden. Sie haben verschiedene Möglichkeiten, um den Tag dennoch zu genießen.
Hier ändert sich die rechtliche Lage sofort. Ein krankes Kind ist ein unvorhersehbares Ereignis. Wenn Ihr Kind am Geburtstag Fieber bekommt, müssen Sie es betreuen. In diesem Fall greifen andere Gesetze. Sie haben dann Anspruch auf das sogenannte Kinderkrankengeld. Das zahlt in der Regel die gesetzliche Krankenkasse. Der Arbeitgeber ist dann von der Lohnzahlung befreit. Das ist aber natürlich nicht die Art von Geburtstag, die man sich wünscht. Hier steht die Pflege im Vordergrund, nicht die Feier.
Ein gesetzlicher Anspruch auf bezahltes Frei für Kindergeburtstage existiert nicht. Der § 616 BGB hilft hier nicht weiter. Die private Feier gilt nicht als „unverschuldete Verhinderung“. Sie müssen für diesen Tag fast immer einen Urlaubstag opfern. Nur spezielle Klauseln im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag können eine Ausnahme bilden. Auch eine langjährige Tradition im Betrieb kann helfen. Ohne solche Sonderegeln bleibt der Tag unbezahlt, wenn Sie nicht erscheinen. Planen Sie das Fest also frühzeitig ein. Sprechen Sie rechtzeitig mit Ihrem Vorgesetzten über Ihren Urlaubswunsch. So vermeiden Sie Enttäuschungen und Streit am Arbeitsplatz.
Rechtliche Fragen zum Arbeitsverhältnis sind oft kompliziert. Jede Situation ist ein Einzelfall. Eine genaue Prüfung Ihrer Verträge ist sehr wichtig. Nur so kennen Sie Ihre echten Ansprüche.
Wenn Sie weitere Fragen zu Ihrem Arbeitsvertrag oder zu Ihren Rechten als Arbeitnehmer haben, sollten Sie professionelle Hilfe suchen. Bitte nehmen Sie mit der Anwalts- und Notarkanzlei Krau Kontakt auf.
Sie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Turnstile. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen