Haftung bei Nachlasspflegschaft – Dürftigkeit

Juli 11, 2026

Haftung bei der Nachlasspflegschaft: Was Sie bei Dürftigkeit wissen müssen

Wenn ein Nachlass überschuldet ist und der Erbe unbekannt bleibt, bestellt das Gericht häufig einen Nachlasspfleger. Diese Fachkraft übernimmt dann die schwierige Aufgabe, den Nachlass zu sichern, zu verwalten und bei Bedarf die Schulden zu regulieren. In der Praxis kommt es dabei oft zur Erhebung der sogenannten Dürftigkeitseinrede nach Paragrafen 1990, 1991 BGB, um die Haftung auf den vorhandenen Nachlass zu beschränken.

Für betroffene Gläubiger und Beteiligte ist es jedoch entscheidend zu verstehen, wann diese Einrede tatsächlich rechtmäßig ist und wo die Grenzen der Haftung des Nachlasspflegers liegen. Nicht selten herrscht Unsicherheit darüber, ob der Pfleger bei einer Fehlentscheidung persönlich haftbar gemacht werden kann oder ob alternative Wege, wie ein Nachlassinsolvenzverfahren, zwingend geboten wären.

Rechtliche Fallstricke bei der Dürftigkeitseinrede

Der Nachlasspfleger muss bei der Erhebung der Einrede akribisch prüfen, ob der Nachlass tatsächlich „dürftig“ ist. Das bedeutet: Reichen die Aktiva aus, um die Kosten eines Insolvenzverfahrens zu decken? Häufig unterlaufen Pflegern Fehler, indem sie ihre eigene Vergütung vorschnell von der Masse abziehen, bevor sie die Insolvenzkosten berechnen. Dies ist unzulässig. Wenn eine ordnungsgemäße Prüfung ergibt, dass der Nachlass eben nicht dürftig ist, darf die Einrede nicht erhoben werden.

In solchen Fällen stehen Gläubiger oft vor der Frage: Habe ich einen direkten Schadensersatzanspruch gegen den Nachlasspfleger? Die Rechtsprechung ist hier restriktiv. Da der Pfleger primär im Interesse des (zukünftigen) Erben handelt, besteht keine direkte gesetzliche Haftung gegenüber den Gläubigern, nur weil diese sich auf die Einschätzung des Pflegers verlassen haben. Die Gläubiger tragen eine Mitverantwortung: Sie haben das Recht, Auskunft über den Nachlass zu verlangen oder selbst einen Insolvenzantrag zu stellen, wenn sie die Dürftigkeit bezweifeln.

Rechtssicherheit für komplexe Erbfälle

Die Abwicklung überschuldeter Nachlässe ist ein juristisches Minenfeld, das sowohl für Gläubiger als auch für die Verwaltung hohe Risiken birgt. Ob Nachlassinsolvenz oder außergerichtliche Schuldenregulierung – die richtige Strategie entscheidet über den Erfolg der Forderungsdurchsetzung oder die Haftungsvermeidung.

Suchen Sie Unterstützung bei einer rechtssicheren Prüfung Ihres individuellen Falles? Die Anwalts- und Notarkanzlei Krau in Hohenahr ist bundesweit tätig und steht Ihnen bei allen Fragen zur Nachlasspflegschaft, Erbschaftsangelegenheiten und der professionellen Abwicklung komplexer Nachlässe kompetent zur Seite. Kontaktieren Sie uns für eine fundierte Beratung.

Strategische Einordnung der Haftungsrisiken

Die zunehmende Professionalisierung der Nachlasspflegschaft führt dazu, dass die Anforderungen an die Haftung steigen. Während der Pfleger früher oft nur als Sicherer fungierte, agiert er heute faktisch als professioneller Schuldenregulierer. Diese Ausweitung der Aufgaben erfordert eine präzise Kenntnis der Haftungsordnung, insbesondere in der Abgrenzung zur persönlichen Haftung des Erben oder des Staates.

Wenn der Nachlasspfleger einen Insolvenzantrag stellt, dieser aber mangels Masse abgewiesen wird, entsteht ebenfalls kein persönliches Kostenrisiko für den Pfleger, da dieser in der Regel als Vertreter des Erben auftritt. Es bleibt festzuhalten: Die fehlerfreie Einschätzung der Dürftigkeit ist die zentrale Aufgabe, die den Pfleger vor Regressansprüchen schützt und für die Gläubiger Transparenz schafft.

RA und Notar Krau

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