Haftungsverteilung bei Kollision mit einer bereits länger geöffneten Fahrzeugtür eines Leasing-Fahrzeugs

Januar 31, 2026

Haftungsverteilung bei Kollision mit einer bereits länger geöffneten Fahrzeugtür eines Leasing-Fahrzeugs

Gericht: Saarländisches Oberlandesgericht Saarbrücken 3. Zivilsenat
Entscheidungsdatum: 24.03.2023
Aktenzeichen: 3 U 9/23
ECLI: ECLI:DE:OLGSL:2023:0324.3U9.23.00
Dokumenttyp: Urteil

Dieses Urteil des Saarländischen Oberlandesgerichts (Az. 3 U 9/23) befasst sich mit einer alltäglichen, aber rechtlich verzwickten Situation: Was passiert, wenn ein Auto gegen die offene Tür eines parkenden Wagens stößt?

Hier erfahren Sie in einfacher Sprache, wer in einem solchen Fall haftet und warum das Gericht so entschieden hat.


Der Autounfall: Was war passiert?

Ein Mann parkte einen geleasten Audi Q5 am rechten Fahrbahnrand in einer Parkbucht. Er öffnete die hintere linke Tür, um etwas von der Rückbank zu nehmen. Während die Tür offenstand, fuhr ein Mercedes-Fahrer an dem Audi vorbei. Dabei kam es zum Zusammenstoß zwischen dem Mercedes und der offenen Fahrstuhltür des Audi.

Die verschiedenen Ansichten der Beteiligten

  • Die Audi-Seite: Sie behauptete, die Tür sei nur einen Spalt weit offen gewesen und habe nicht in die Fahrbahn geragt. Der Mercedes-Fahrer hätte einfach besser aufpassen müssen.
  • Die Mercedes-Seite: Sie behauptete, der Audi-Fahrer habe die Tür plötzlich weiter aufgemacht, als das Auto gerade vorbeifuhr. Ein Ausweichen sei nicht möglich gewesen.

Wer trägt die Schuld? Das Urteil zur Haftung

Das Gericht entschied, dass sich beide Seiten den Schaden teilen müssen. Die Haftung wurde auf 50 % zu 50 % festgelegt. Das hat wichtige Gründe, die jeden Autofahrer betreffen.

Die Pflichten beim Ein- und Aussteigen

Wer ein- oder aussteigt, muss extrem vorsichtig sein. Das Gesetz (die Straßenverkehrsordnung) sagt, dass man eine Gefährdung anderer komplett ausschließen muss.

  • Zügiges Handeln: Man darf die Tür nur so kurz wie unbedingt nötig offenlassen.
  • Ständige Beobachtung: Man darf nicht nur einmal kurz schauen, ob frei ist. Man muss den Verkehr die ganze Zeit im Auge behalten, solange die Tür offen ist.
  • Anscheinsbeweis: Wenn es kracht, während die Tür offensteht, spricht der erste Eindruck (der Beweis des ersten Anscheins) erst einmal gegen denjenigen, der die Tür offen hatte.

Die Pflichten des vorbeifahrenden Verkehrs

Auch der vorbeifahrende Fahrer hat Pflichten. Wenn er sieht, dass an einem stehenden Auto eine Tür offen ist, darf er nicht einfach „blind“ daran vorbeifahren.

  • Sicherheitsabstand: Wer an einem Hindernis vorbeifährt, muss genug Platz lassen.
  • Vorsichtsprinzip: Da der Mercedes-Fahrer die offene Tür schon von weitem hätte sehen können, hätte er noch vorsichtiger fahren oder mehr Abstand halten müssen.

Da beide Seiten ihre Sorgfaltspflichten verletzt haben, hielt das Gericht eine hälftige Teilung der Kosten für gerecht.

Haftungsverteilung bei Kollision mit einer bereits länger geöffneten Fahrzeugtür eines Leasing-Fahrzeugs


Besonderheit: Das Leasing-Fahrzeug

Ein wichtiger Punkt in diesem Fall war, dass der Audi ein Leasing-Wagen war. Das führt zu einer juristischen Besonderheit bei der Wertminderung.

Voller Ersatz der Wertminderung

Obwohl der Fahrer des Audi eine Mitschuld am Unfall trug, musste die gegnerische Versicherung die Wertminderung des Autos zu 100 % bezahlen (insgesamt 1.700 €).

Warum ist das so?

Der Audi gehört rechtlich der Leasing-Gesellschaft, nicht dem Fahrer. Die Leasing-Gesellschaft selbst hat keine Schuld am Unfall. Da das Gesetz in diesem speziellen Punkt (deliktische Haftung) die Mitschuld des Fahrers nicht automatisch der Eigentümerin (der Leasing-Firma) zurechnet, bekommt die Firma den vollen Wertverlust ersetzt.

Reparatur- und Mietwagenkosten

Bei den Kosten für die Reparatur und den Mietwagen sieht es anders aus. Diese Kosten hatte der Leasingnehmer (die Firma, die das Auto nutzt) selbst getragen. Da der Fahrer dieses Nutzers eine Mitschuld hatte, wurden diese Kosten wie geplant um 50 % gekürzt.


Mietwagenkosten: Wie lange darf man mieten?

Im Prozess wurde auch darüber gestritten, für wie viele Tage ein Mietwagen bezahlt werden muss.

  • Das erste Gericht wollte nur 6 Tage anerkennen.
  • Das Oberlandesgericht entschied: Es sind 12 Tage.

Der Grund: Zur Reparaturzeit gehört nicht nur das reine Schrauben in der Werkstatt. Auch die Zeit, die der Gutachter braucht, um den Schaden festzustellen, und die Zeit für die Ersatzteil-Lieferung zählen dazu. Da es im Jahr 2020 (während der Pandemie) Lieferengpässe gab, waren 12 Tage hier angemessen.


Zusammenfassung der Ergebnisse

Hier sehen Sie die wichtigsten Zahlen des Urteils auf einen Blick:

KostenpunktAnspruch insgesamtErstattung (nach Quote/Recht)
Reparaturkostenca. 10.239 €50 %
Wertminderung1.700 €100 % (wegen Leasing-Besonderheit)
Mietwagen12 Tage50 % (abzüglich Eigenersparnis)
Anwaltskostennach Streitwertanteilig (ohne MwSt bei Firmen)

Was Sie aus diesem Urteil lernen können

  1. Vorsicht an der Fahrbahn: Wenn Sie Türen zur Straße hin öffnen, tun Sie das nur kurz. Schauen Sie permanent nach hinten.
  2. Abstand halten: Wenn Sie an einem Auto mit offener Tür vorbeifahren, halten Sie so viel Sicherheitsabstand wie möglich.
  3. Leasing-Vorteil: Bei Unfällen mit Leasing-Fahrzeugen gibt es oft Möglichkeiten, zumindest einen Teil des Schadens (die Wertminderung) voll erstattet zu bekommen, auch wenn man eine Mitschuld trägt.

Rechtliche Unterstützung ist wichtig

Verkehrsrechtliche Fragen und die Abrechnung mit Versicherungen sind oft kompliziert. Besonders die Unterscheidung zwischen Ansprüchen des Fahrers und des Eigentümers (Leasinggeber) erfordert Fachwissen.

Wenn Sie einen ähnlichen Unfall hatten oder Fragen zu Ihren Rechten als Leasingnehmer haben, sollten Sie mit der Anwalts- und Notarkanzlei Krau in Hohenahr Kontakt aufnehmen. Dort erhalten Sie kompetente Beratung für Ihre Situation.

RA und Notar Krau

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