Identitätswahrender Rechtsformwechsel einer ausländischen Gesellschaft in eine deutsche Personengesellschaft

März 29, 2025

Identitätswahrender Rechtsformwechsel einer ausländischen Gesellschaft in eine deutsche Personengesellschaft

RA und Notar Krau

Das Oberlandesgericht (OLG) Oldenburg hat in einem Beschluss vom 30. Juni 2020 (12 W 23/20) entschieden,

dass ein identitätswahrender Rechtsformwechsel einer ausländischen Gesellschaft in eine deutsche Personengesellschaft zulässig ist.

Im konkreten Fall ging es um eine luxemburgische Investment-Fonds-Gesellschaft (Société en commandite simple), die ihren Sitz nach Deutschland verlegen

und dabei in eine deutsche Kommanditgesellschaft (KG) umgewandelt werden sollte.

Sachverhalt

Die Gesellschaft, an der 18 Kommanditisten beteiligt waren, beschloss auf einer Gesellschafterversammlung

die Sitzverlegung und den Formwechsel unter der Bedingung, dass die luxemburgische Finanzaufsicht (CSSF) die Verlegung genehmigt und die Eintragung ins deutsche Handelsregister erfolgt.

Das Amtsgericht Aurich wies den Eintragungsantrag jedoch zurück, da es keine gesetzliche Regelung für einen solchen grenzüberschreitenden Formwechsel sah.

Entscheidung des OLG Oldenburg

Das OLG Oldenburg gab der Beschwerde der Gesellschaft statt und entschied, dass die beantragte identitätswahrende,

grenzüberschreitende und formwechselnde Sitzverlegung in das Handelsregister eingetragen werden kann.

Identitätswahrender Rechtsformwechsel einer ausländischen Gesellschaft in eine deutsche Personengesellschaft

Begründung

Fehlende Regelung im Umwandlungsgesetz:

Das Gericht stellte fest, dass das deutsche Umwandlungsgesetz den Formwechsel einer Personengesellschaft in eine andere Personengesellschaft,

insbesondere in grenzüberschreitenden Fällen, nicht regelt.

Dies bedeute jedoch nicht, dass ein solcher Formwechsel nach deutschem Recht unzulässig sei.

Anwendung allgemeiner Vorschriften des HGB:

Der Formwechsel zwischen verschiedenen Rechtsformen des Personengesellschaftsrechts vollziehe sich nach den allgemeinen Vorschriften des Handelsgesetzbuchs (HGB).

Beispiele hierfür seien der Wechsel von der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) zur Offenen Handelsgesellschaft (OHG) oder zur KG.

In all diesen Fällen bleibe die Identität der Gesellschaft erhalten, lediglich die Rechtsform ändere sich.

Grenzüberschreitender Formwechsel:

Auch der grenzüberschreitende Formwechsel vollziehe sich kraft allgemeiner gesetzlicher Grundlagen.
Verlege eine ausländische Gesellschaft ihren Verwaltungssitz nach Deutschland,

werde sie nach deutschem Recht in der Regel als OHG oder GbR behandelt (Sitztheorie).

Obwohl der Bundesgerichtshof (BGH) für Gesellschaften aus EU-/EWR-Staaten die Gründungstheorie anwende,

stehe der Weg des Formwechsels, der jeder anderen ausländischen Gesellschaft offenstehe, nicht entgegen.

Identitätswahrung:

Die Frage der Identitätswahrung beurteile sich nach dem Recht des Herkunftslandes (hier: Luxemburg).

Das luxemburgische Recht erlaube einen identitätswahrenden Formwechsel durch grenzüberschreitende Sitzverlegung.

Die vorgelegte Bescheinigung einer luxemburgischen Notarin bestätigte, dass die Gesellschaft nach luxemburgischem Recht zur Sitzverlegung nach Deutschland befugt sei,

ohne ihre Rechtspersönlichkeit zu verlieren.

Eintragung ins Handelsregister:

Die Eintragung ins deutsche Handelsregister sei unter entsprechender Anwendung von § 20 Handelsregisterverordnung (HRV) vorzunehmen,

wobei auf den ursprünglichen Registereintrag in Luxemburg zu verweisen sei.

Auch, wenn § 20 HRV reine Inlandssachverhalte regelt, so ist diese Norm Europarechtskonform erweiternd auf grenzüberschreitende Sachverhalte anzuwenden.

Identitätswahrender Rechtsformwechsel einer ausländischen Gesellschaft in eine deutsche Personengesellschaft

Bedeutung der Entscheidung

Die Entscheidung des OLG Oldenburg stellt klar, dass ein identitätswahrender Rechtsformwechsel einer ausländischen Personengesellschaft in eine deutsche Personengesellschaft

auch ohne ausdrückliche Regelung im Umwandlungsgesetz möglich ist.

Dies stärkt die Rechtssicherheit für Unternehmen, die ihren Sitz nach Deutschland verlegen möchten.

Schlagworte

Warnhinweis:

Die auf dieser Homepage wiedergegebenen Gerichtsentscheidungen bilden einen kleinen Ausschnitt der Rechtsentwicklung über mehrere Jahrzehnte ab. Nicht jedes Urteil muss daher zwangsläufig die aktuelle Rechtslage wiedergeben.

Einige Entscheidungen stellen Mindermeinungen dar oder sind später im Instanzenweg abgeändert oder durch neue obergerichtliche Entscheidungen oder Gesetzesänderungen überholt worden.

Das Recht entwickelt sich ständig weiter. Stetige Aktualität kann daher nicht gewährleistet werden.

Die schlichte Wiedergabe dieser Entscheidungen vermag daher eine fundierte juristische Beratung keinesfalls zu ersetzen.

Für den fehlerhaften juristischen Gebrauch, der hier wiedergegebenen Entscheidungen durch Dritte außerhalb der Kanzlei Krau kann daher keine Haftung übernommen werden.

Verstehen Sie bitte die Texte auf dieser Homepage als gedankliche Anregung zur vertieften Recherche, keinesfalls jedoch als rechtlichen Rat.

Es soll auch nicht der falsche Anschein erweckt werden, als seien die veröffentlichten Urteile von der Kanzlei Krau erzielt worden. Das ist in aller Regel nicht der Fall. Vielmehr handelt es sich um einen allgemeinen Auszug aus dem deutschen Rechtsleben zur Information der Rechtssuchenden.

Benötigen Sie eine Beratung oder haben Sie Fragen?

Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine E-Mail, damit wir die grundsätzlichen Fragen klären können.

Durch die schlichte Anfrage kommt noch kein kostenpflichtiges Mandat zustande.

Warnhinweis:

Die auf dieser Homepage wiedergegebenen Gerichtsentscheidungen bilden einen kleinen Ausschnitt der Rechtsentwicklung über mehrere Jahrzehnte ab. Nicht jedes Urteil muss daher zwangsläufig die aktuelle Rechtslage wiedergeben.

Einige Entscheidungen stellen Mindermeinungen dar oder sind später im Instanzenweg abgeändert oder durch neue obergerichtliche Entscheidungen oder Gesetzesänderungen überholt worden.

Das Recht entwickelt sich ständig weiter. Stetige Aktualität kann daher nicht gewährleistet werden.

Die schlichte Wiedergabe dieser Entscheidungen vermag daher eine fundierte juristische Beratung keinesfalls zu ersetzen.

Für den fehlerhaften juristischen Gebrauch, der hier wiedergegebenen Entscheidungen durch Dritte außerhalb der Kanzlei Krau kann daher keine Haftung übernommen werden.

Verstehen Sie bitte die Texte auf dieser Homepage als gedankliche Anregung zur vertieften Recherche, keinesfalls jedoch als rechtlichen Rat.

Es soll auch nicht der falsche Anschein erweckt werden, als seien die veröffentlichten Urteile von der Kanzlei Krau erzielt worden. Das ist in aller Regel nicht der Fall. Vielmehr handelt es sich um einen allgemeinen Auszug aus dem deutschen Rechtsleben zur Information der Rechtssuchenden.

Benötigen Sie eine Beratung oder haben Sie Fragen?

Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine E-Mail, damit wir die grundsätzlichen Fragen klären können.

Durch die schlichte Anfrage kommt noch kein kostenpflichtiges Mandat zustande.

Letzte Beiträge

Aufklärungspflicht des Immobilienverkäufers – Verweis auf Datenraum

Aufklärungspflicht des Immobilienverkäufers – Verweis auf Datenraum

April 25, 2025
Aufklärungspflicht des Immobilienverkäufers – Verweis auf DatenraumRA und Notar KrauDas Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 15. Septem…
Kein einstweiliger Rechtsschutz gegen Geschäftsführerabberufung trotz Stimmrechtsvereinbarung

Kein einstweiliger Rechtsschutz gegen Geschäftsführerabberufung trotz Stimmrechtsvereinbarung

April 24, 2025
Kein einstweiliger Rechtsschutz gegen Geschäftsführerabberufung trotz StimmrechtsvereinbarungRA und Notar KrauDas Landgericht München I wi…
Firmenbestattung - Auch der faktische Geschäftsführer im Hintergrund ist Täter

Firmenbestattung – Auch der faktische Geschäftsführer im Hintergrund ist Täter

April 24, 2025
Firmenbestattung – Auch der faktische Geschäftsführer im Hintergrund ist TäterBGH 5 StR 287/24, Beschluss vom 27.02.2025RA und Notar Krau …