Löschung einer Grunddienstbarkeit über ein Wegerecht im Grundbuch

Januar 31, 2026

Löschung einer Grunddienstbarkeit über ein Wegerecht im Grundbuch

Gericht: Saarländisches Oberlandesgericht Saarbrücken 5. Zivilsenat
Entscheidungsdatum: 05.11.2024
Aktenzeichen: 5 W 63/24
ECLI: ECLI:DE:OLGSL:2024:1105.5W63.24.00
Dokumenttyp: Beschluss

Zusammenfassung der Entscheidung: Streit um ein Wegerecht im Grundbuch

In diesem Text erfahren Sie alles Wichtige über eine Entscheidung des Saarländischen Oberlandesgerichts. Es geht um die Frage, ob ein altes Wegerecht aus dem Grundbuch gelöscht werden muss, wenn eine wichtige Zeichnung fehlt.


Der Hintergrund des Falls

Worum geht es bei dem Streit?

Stellen Sie sich vor, auf einem Grundstück ist im Grundbuch ein Geh- und Fahrrecht eingetragen. Das bedeutet, dass der Nachbar über dieses Grundstück fahren darf, um zum Beispiel zu seiner Tiefgarage zu gelangen. In diesem Fall stammt die Eintragung aus den 1970er Jahren.

In der alten Urkunde von damals steht, dass der genaue Weg auf einer Skizze eingezeichnet ist. Diese Skizze war rot markiert. Das Problem ist nun: Diese Skizze ist unauffindbar. Sie liegt weder beim Grundbuchamt noch bei den beteiligten Personen oder beim Notar.

Warum wollte die Eigentümerin das Recht löschen?

Die Eigentümerin des belasteten Grundstücks (die Antragstellerin) war der Meinung, dass das Recht ohne diese Skizze nicht gültig ist. Sie argumentierte, dass das Recht „unbestimmt“ sei. Man könne also gar nicht genau sehen, wo der Nachbar langfahren darf. Deshalb forderte sie das Grundbuchamt auf, diesen Eintrag einfach zu löschen.


Die Entscheidung des Grundbuchamts

Das zuständige Grundbuchamt in Saarbrücken wollte das Recht nicht sofort löschen. Es schickte der Eigentümerin eine sogenannte Zwischenverfügung. Das ist eine Art Brief vom Amt, in dem steht: „Wir können Ihren Wunsch erst erfüllen, wenn Sie uns noch ein Dokument nachreichen.“

In diesem Fall verlangte das Amt eine Löschungsbewilligung. Das ist eine offizielle Erklärung des Nachbarn, dass er mit der Löschung einverstanden ist. Da die Eigentümerin diese Erklärung nicht hatte, wehrte sie sich gegen diesen Brief und ging vor das Oberlandesgericht (OLG).


Das Urteil des Oberlandesgerichts (OLG)

Das OLG Saarbrücken hat die Entscheidung des Grundbuchamts aufgehoben. Das ist zunächst ein Erfolg für die Eigentümerin, aber die Gründe dafür sind sehr technisch.

Der Fehler des Grundbuchamts

Das Gericht sagte, dass das Amt diesen Brief (die Zwischenverfügung) gar nicht hätte schicken dürfen. Warum? Weil die Eigentümerin klar gesagt hatte, dass sie keine Zustimmung vom Nachbarn hat. Eine Zwischenverfügung darf man aber nur schicken, wenn ein Mangel leicht behoben werden kann.

Wenn das Amt der Meinung ist, dass die Löschung ohne die Zustimmung des Nachbarn nicht geht, hätte es den Antrag der Eigentümerin sofort ablehnen müssen. Man darf den Antragsteller nicht zwingen, eine Zustimmung einzuholen, die dieser gar nicht bekommen kann.

Löschung einer Grunddienstbarkeit über ein Wegerecht im Grundbuch


Muss das Wegerecht nun gelöscht werden?

Hier wird es für Sie interessant: Das Gericht hat zwar den Brief des Amtes aufgehoben, aber das bedeutet nicht automatisch, dass das Wegerecht jetzt gelöscht wird. Das OLG gab wichtige Hinweise für das weitere Verfahren.

Prüfung der Unzulässigkeit

Ein Eintrag im Grundbuch darf nur dann von Amts wegen gelöscht werden, wenn er „inhaltlich unzulässig“ ist. Das ist rechtlich eine sehr hohe Hürde. Es muss feststehen, dass es dieses Recht so gar nicht geben kann.

Das Problem mit der verschwundenen Skizze

Das Gericht stellte fest, dass die originalen Akten von 1973 im Moment gar nicht vollständig vorliegen. Bevor man etwas löscht, muss das Amt erst einmal versuchen, die alten Unterlagen wiederzufinden. Es gibt sogar ein spezielles Verfahren, um verlorene Grundbuchdokumente wiederzubeschaffen.

Reicht der Text ohne die Skizze aus?

Das ist der entscheidende Punkt für Laien: Das Gericht erklärte, dass ein Wegerecht oft auch ohne Skizze gültig sein kann.

  • Im Grundbuch steht das Schlagwort „Geh- und Fahrrecht“.
  • In der Urkunde steht, dass es um die Zufahrt zu einer Tiefgarage geht.
  • Das Gericht meint: Allein durch die Lage der Tiefgarage weiß man oft schon genau, wo der Weg verlaufen muss.

Wenn man also durch einfaches Nachdenken und Anschauen des Grundstücks erkennt, wo gefahren werden muss, ist das Recht „bestimmt genug“. Dann bleibt es im Grundbuch stehen, auch wenn die rote Skizze fehlt.


Zusammenfassung für Sie

  1. Formfehler: Das Grundbuchamt darf keine Dokumente fordern, von denen es weiß, dass der Bürger sie nicht hat.
  2. Aktenforschung: Das Amt muss erst gründlich nach den alten Originalen suchen, bevor es eine Entscheidung trifft.
  3. Inhalt geht vor Skizze: Eine fehlende Zeichnung führt nicht automatisch dazu, dass ein Wegerecht ungültig wird. Wenn der Zweck (z. B. Zufahrt zur Garage) klar ist, bleibt das Recht meistens bestehen.

Rechtliche Fragen rund um Immobilien und Grundbücher sind oft kompliziert. Kleine Details in alten Urkunden können große Auswirkungen auf den Wert Ihres Grundstücks haben.

Wenn Sie ähnliche Probleme mit Ihrem Grundbuch, einem Wegerecht oder anderen Eintragungen haben, sollten Sie sich professionell beraten lassen. Wir empfehlen Ihnen, für eine fachkundige Unterstützung Kontakt mit der Anwalts- und Notarkanzlei Krau in Hohenahr aufzunehmen.

RA und Notar Krau

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