Mitgliedschaftsrechte des Vereinsmitgliedes
Wenn Sie Mitglied in einem Verein sind oder einen Verein gründen möchten, ist es wichtig zu wissen, welche Rechte Sie eigentlich haben. Das Gesetz und die Rechtsprechung unterscheiden hierbei verschiedene Kategorien. Diese Rechte schützen Sie davor, dass der Vorstand oder eine Mehrheit der Mitglieder einfach über Ihren Kopf hinweg entscheidet.
Im Folgenden erkläre ich Ihnen die verschiedenen Arten von Mitgliedschaftsrechten, wie sie funktionieren und was Sie tun können, wenn diese verletzt werden.
Man kann die Rechte eines Mitglieds grob in drei Gruppen einteilen. Diese Einteilung hilft dabei, zu verstehen, wozu ein bestimmtes Recht eigentlich dient.
Diese Rechte erlauben es Ihnen, aktiv am Vereinsleben und an Entscheidungen teilzunehmen. Sie sind das Herzstück der demokratischen Mitwirkung. Dazu gehören:
Hierbei geht es um den materiellen Nutzen. In einem normalen Verein gibt es zwar meistens keine Gewinnausschüttung wie bei einer Aktie, aber Sie haben oft das Recht, die Einrichtungen des Vereins zu nutzen (zum Beispiel den Tennisplatz oder das Vereinsheim).
Diese Rechte bewahren Sie vor Willkür. Ein wichtiges Schutzrecht ist zum Beispiel das Recht, aus dem Verein auszutreten. Auch das Recht auf Gleichbehandlung gehört dazu. Niemand darf ohne sachlichen Grund schlechter behandelt werden als andere Mitglieder.
Zusätzlich gibt es das Informationsrecht. Es ist ein sogenanntes Hilfsrecht. Ohne Informationen könnten Sie Ihre anderen Rechte gar nicht sinnvoll ausüben. Nur wer weiß, was im Verein passiert, kann in der Versammlung richtig abstimmen.
Ein Verein in Deutschland ist oft ein „Idealverein“. Das bedeutet, sein Hauptzweck ist nicht das Geldverdienen. Deshalb gibt es im Gesetz normalerweise keinen Anspruch auf einen Anteil am Gewinn oder auf eine Abfindung, wenn man den Verein verlässt.
Trotzdem darf die Satzung eines Vereins solche finanziellen Rechte vorsehen. Es gibt jedoch Grenzen:
Ein ganz zentraler Punkt im Vereinsrecht ist der Gleichbehandlungsgrundsatz. Auch wenn dieser nicht ausdrücklich in jedem Paragrafen steht, gilt er für jeden Verein.
Der Vorstand darf Sie nicht ohne sachlichen Grund schlechter stellen als andere. Das gilt zum Beispiel bei:
Es findet hier eine sogenannte Willkürkontrolle statt. Wenn es einen vernünftigen Grund für eine Unterscheidung gibt, ist sie erlaubt. Ein Beispiel: Ein Männerchor darf entscheiden, dass Frauen zwar Mitglied werden, aber nicht mitsingen dürfen, da dies dem speziellen Vereinszweck (Männergesang) widerspricht.
Sogar die Mehrheit der Mitglieder darf in einer Versammlung keine Beschlüsse fassen, die eine einzelne Gruppe ohne Grund benachteiligen. Das gilt selbst dann, wenn die Satzung geändert wird. Die Mehrheit hat also keine absolute Macht.
Als Mitglied haben Sie einen Anspruch darauf, wichtige Informationen vom Vorstand zu erhalten. Das Vereinsrecht orientiert sich hierbei an den strengen Regeln des Aktienrechts.
Normalerweise sollten Sie Ihre Fragen in der Mitgliederversammlung stellen. Dort muss der Vorstand antworten, damit alle Mitglieder sich ein Bild machen können. In Ausnahmefällen können Sie aber auch außerhalb der Versammlung Auskunft verlangen, wenn Sie ein berechtigtes Interesse haben.
Ja, aber nur in engen Grenzen. Er darf schweigen, wenn:
Sie haben grundsätzlich ein Recht darauf, die Mitgliederliste einzusehen, wenn Sie diese zum Beispiel benötigen, um andere Mitglieder über eine wichtige geplante Satzungsänderung zu informieren. Dabei müssen jedoch die Datenschutzbelange der anderen Mitglieder berücksichtigt werden.
Wenn der Verein oder seine Organe (wie der Vorstand) Ihre Rechte verletzen, haben Sie verschiedene Möglichkeiten:
In seltenen Fällen kann ein Mitglied sogar Ansprüche für den Verein gegen einen Vorstand gerichtlich durchsetzen, wenn der Verein selbst untätig bleibt. Dies ist rechtlich kompliziert und wird nur als letzter Ausweg angesehen.
Die Mitgliedschaft in einem Verein gibt Ihnen weitreichende Teilhabe- und Schutzrechte. Sie sind kein bloßer „Zahler“, sondern ein Teil des obersten Organs des Vereins. Sollten Sie das Gefühl haben, dass Ihre Rechte missachtet werden oder der Vorstand intransparent agiert, ist rechtlicher Rat oft unumgänglich.
Bei Fragen zu Ihren Rechten im Verein oder bei Streitigkeiten innerhalb der Vereinsführung wenden Sie sich bitte an die Fachleute. Bitte nehmen Sie mit der Anwalts- und Notarkanzlei Krau in Hohenahr Kontakt auf, um Ihre Situation individuell prüfen zu lassen.