Nachehelicher Unterhalt: Verlängerung des Betreuungsunterhalts aus Kind bezogenen Gründen
Beurteilung einer überobligationsmäßigen Belastung im Rahmen der Verlängerung des Betreuungsunterhalts;
BGH, 18.04.2012 – XII ZR 65/10
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in diesem Urteil wichtige Fragen zum Unterhalt nach einer Scheidung geklärt. Es geht um einen Streit zwischen einem geschiedenen Ehepaar. Die beiden haben drei gemeinsame Kinder. Die Kinder waren zum Zeitpunkt des Streits zwischen 12 und 17 Jahre alt. Sie lebten bei der Mutter.
Der Vater war beruflich erfolgreich, verlor aber seinen gut bezahlten Job. Er bekam dafür eine hohe Abfindung von seinem Arbeitgeber. Später fand er eine neue Arbeit, verdiente dort aber deutlich weniger Geld als früher. Die Mutter arbeitete als Musiklehrerin in Teilzeit.
Der Streit drehte sich um zwei Hauptfragen:
Ein wichtiger Punkt im deutschen Recht ist das Alter der Kinder. Normalerweise gilt: Wenn ein Kind drei Jahre alt wird, muss der betreuende Elternteil wieder arbeiten gehen. Man erwartet dann grundsätzlich eine Vollzeitstelle. In diesem Fall waren die Kinder schon deutlich älter als drei Jahre. Trotzdem entschied das Gericht, dass die Mutter nicht Vollzeit arbeiten muss.
Die Gründe des Gerichts:
Das Gericht stellte klar: Eltern müssen nicht jedes Detail beweisen. Es reicht, wenn sie glaubhaft machen, dass die Kinder Betreuung brauchen. Zum Beispiel für Hausaufgaben oder Fahrten zu Hobbys.
Der zweite große Streitpunkt war das Geld des Vaters. Er hatte seinen Job verloren und dafür eine Abfindung von 70.000 Euro brutto erhalten. Sein neuer Job brachte ihm aber weniger Gehalt ein als der alte.
Der Vater wollte die Abfindung für sich behalten. Die Mutter wollte, dass die Abfindung für den Unterhalt genutzt wird.
Die Entscheidung des Gerichts: Das Gericht entschied zugunsten der Mutter. Der Vater muss die Abfindung nutzen, um den Unterhalt „aufzustocken“.
Das bedeutet:
Der Grund dafür ist der Schutz des Lebensstandards. Die Eheleute haben sich an ein gewisses Einkommen gewöhnt. Wenn der Vater unverschuldet den Job verliert, soll die Abfindung den Verlust ausgleichen. Das Geld aus der Abfindung ersetzt quasi den fehlenden Lohn. Das gilt für eine Übergangszeit. In diesem Fall hielt das Gericht einen Zeitraum von eineinhalb bis zwei Jahren für angemessen.
Das Gericht betonte auch hier die Fairness. Wären die Eltern noch verheiratet, würde das Geld der ganzen Familie zugutekommen. Durch die Scheidung soll der Vater das Geld nicht allein für sich behalten dürfen, während die Familie ihren Lebensstandard senken muss.
Die Revision des Vaters hatte keinen Erfolg. Das bedeutet, er hat vor dem Bundesgerichtshof verloren. Das Urteil der vorherigen Instanz (Oberlandesgericht) bleibt bestehen.
Zusammenfassend gelten folgende Regeln:
Das Urteil stärkt damit die Rechte von betreuenden Elternteilen, besonders wenn sie in ländlichen Regionen leben und mehrere Kinder versorgen müssen. Gleichzeitig schützt es den Lebensstandard der Familie nach einer Kündigung des Hauptverdieners.
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