Wer als Vermieter die Miete erhöhen will, muss formale Hürden nehmen. Paragraf 558a BGB schreibt vor, wie das Verlangen auszusehen hat. Fehler machen das Verlangen unwirksam – der Mieter muss nicht zahlen. Wir zeigen, worauf es ankommt.
Mieter erhalten oft Briefe, die Mietsteigerungen ankündigen. Nicht jedes Schreiben hält dem Gesetz stand. Wer seine Rechte kennt, vermeidet unnötige Kosten und Streit. Dieser Beitrag gibt Orientierung für beide Seiten.
Paragraf 558a BGB regelt die formellen Voraussetzungen für ein Mieterhöhungsverlangen nach Paragraf 558 BGB. Der Vermieter darf die Miete bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete anheben, wenn sie 15 Monate unverändert blieb. Doch das Verlangen muss zwei Dinge erfüllen: Textform und Begründung.
Seit der Mietrechtsreform 2001 genügt Textform nach Paragraf 126b BGB. Ein eigenhändiger Unterschrift bedarf es nicht. Die Erklärung muss lesbar, dauerhaft und mit dem Erklärenden versehen sein. E-Mail reicht. Eine im Mietvertrag vereinbarte Schriftformklausel gilt für das einseitige Verlangen nicht (BGH, Urteil vom 10.11.2010 – VIII ZR 300/09). Erst die Zustimmung des Mieters schafft den geänderten Vertrag – hier kann Schriftform gefordert sein.
Der Vermieter muss darlegen, warum er die Erhöhung für berechtigt hält. Der Mieter soll die Berechtigung prüfen können, ohne Anwalt einzuschalten. Der BGH verlangt „konkrete Hinweise“ (BGH, Urteil vom 12.12.2007 – VIII ZR 11/07). Überhöhte Anforderungen sind unzulässig, aber eine bloße Mietbetrags-Nennung ohne Herleitung genügt nicht.
Paragraf 558a Abs. 2 BGB nennt beispielhaft vier Wege:
Die Liste ist nicht abschließend (BVerfG, NJW 1980, 1617; BGH, BeckRS 2024, 37431). Andere geeignete Mittel sind möglich, wenn sie dem Mieter die Prüfung ermöglichen.
Gibt es einen qualifizierten Mietspiegel (Paragraf 558d Abs. 1, 2 BGB), muss der Vermieter dessen Werte für die konkrete Wohnung immer mitteilen – auch wenn er das Verlangen auf ein anderes Mittel stützt (Paragraf 558a Abs. 3 BGB). Das schafft Transparenz und verhindert „Rosinenpickerei“.
Enthält der Mietspiegel Spannen (Mietbereiche), genügt es, wenn die geforderte Miete innerhalb der Spanne liegt (Paragraf 558a Abs. 4 S. 1 BGB). Fehlt ein aktueller qualifizierter Mietspiegel, darf der Vermieter einen veralteten Mietspiegel oder den einer vergleichbaren Gemeinde nutzen (Paragraf 558a Abs. 4 S. 2 BGB). Doch Vorsicht: Ein fast 20 Jahre alter Mietspiegel ist eine „Scheinbegründung“ und unwirksam (BGH, Urteil vom 16.10.2019 – VIII ZR 340/18). Pauschale Zuschläge auf alte Werte sind unzulässig.
Eine Vereinbarung, die den Mieter schlechter stellt als Paragraf 558a BGB, ist unwirksam (Paragraf 558a Abs. 5 BGB). Der Schutz des Mieters vor formlosen oder unbegründeten Verlangen ist zwingend.
Ausgangslage: Vermieterin V sendet Mieter M eine E-Mail: „Ich erhöhe die Miete ab nächstem Monat um 100 € auf 950 €. Die ortsübliche Vergleichsmiete liegt höher.“ Kein Anhang, kein Verweis auf Mietspiegel oder Vergleichswohnungen.
Lösung: Das Verlangen ist formell unwirksam. Es fehlt an der gesetzlich vorgeschriebenen Begründung nach Paragraf 558a Abs. 1 BGB. M muss der Erhöhung nicht zustimmen. V muss ein neues, ordnungsgemäß begründetes Verlangen stellen – die 15-Monats-Frist läuft weiter.
Ausgangslage: Vermieter V begründet sein Erhöhungsverlangen 2017 mit dem Mietspiegel der Stadt Magdeburg aus dem Jahr 1998. Er zieht pauschal 10 % ab. Die Wohnung liegt in einer Nachbargemeinde.
Lösung: Das Verlangen ist unwirksam. Ein fast 20 Jahre alter Mietspiegel vermittelt keine aktuellen Informationen mehr (BGH, Urteil vom 16.10.2019 – VIII ZR 340/18). Der pauschale Abschlag heilt den Mangel nicht. V muss einen aktuellen Mietspiegel, eine Mietdatenbankauskunft oder drei aktuelle Vergleichswohnungen benennen.
Ausgangslage: In der Stadt gibt es einen qualifizierten Mietspiegel. Vermieter V begründet die Erhöhung mit einem Sachverständigengutachten. Er teilt die Werte des qualifizierten Mietspiegels für die Wohnung nicht mit.
Lösung: Das Verlangen ist formell unwirksam wegen Verstoßes gegen Paragraf 558a Abs. 3 BGB. Der Vermieter muss die Werte des qualifizierten Mietspiegels mitteilen, auch wenn er ein anderes Begründungsmittel wählt. Fehlt diese Mitteilung, kann der Mieter die Zustimmung verweigern.
Mieterhöhungsrecht ist formell streng. Ein kleiner Fehler macht das Verlangen unwirksam – für Vermieter bedeutet das Zeitverlust, für Mieter unberechtigte Zahlungen. Die Anwalts- und Notarkanzlei Krau in Hohenahr prüft Ihre Unterlagen, erstellt rechtssichere Erhöhungsverlangen oder wehrt unberechtigte Forderungen ab. Bundesweit tätig, persönlich erreichbar. Vereinbaren Sie jetzt ein Erstgespräch – wir sichern Ihre Position.
Ein formell unwirksames Verlangen entfaltet keine Rechtswirkungen. Der Mieter muss nicht zustimmen, die Miete bleibt unverändert. Der Vermieter muss ein neues, korrektes Verlangen stellen. Die 15-Monats-Sperrfrist (Paragraf 558 BGB) läuft dabei weiter.
Ja. Seit 2001 genügt Textform (Paragraf 126b BGB). Eine E-Mail mit Absenderangabe und lesbarem Text erfüllt die Form. Eine eigenhändige Unterschrift ist nicht nötig. Anders liegt es bei der anschließenden Zustimmungserklärung des Mieters – hier kann der Mietvertrag Schriftform vorsehen.
Nur wenn kein aktueller qualifizierter Mietspiegel am Wohnort existiert (Paragraf 558a Abs. 4 S. 2 BGB). Dann darf ein Mietspiegel einer vergleichbaren Gemeinde herangezogen werden. Die Vergleichbarkeit muss sich aus Größe, Lage und Mietniveau ergeben. Ein pauschaler Abschlag (z. B. „minus 30 %“) reicht nicht ohne nähere Darlegung.
Der Vermieter muss drei konkrete Wohnungen benennen, die in Lage, Größe, Ausstattung und Baujahr vergleichbar sind. Er muss deren Adressen und Mieten nennen. Die Wohnungen müssen am preisfreien Markt vermietet sein – preisgebundener Wohnraum scheidet aus (BGH, Urteil vom 18.12.2019 – VIII ZR 236/18).
Ja. Der Vermieter darf das Verlangen jederzeit ganz oder teilweise zurücknehmen oder ermäßigen – auch im laufenden Prozess (BGH, Urteil vom 06.04.2022 – VIII ZR 219/20). Eine neue Begründung nach Paragraf 558a BGB ist dafür nicht nötig. Die Überlegungsfrist des Mieters beginnt nicht neu.
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