Rückforderung der Corona Soforthilfe – die Lage in den Bundesländern
Stellen Sie sich vor, Sie haben ein kleines Café. Durch den Lockdown brechen die Einnahmen weg, aber Miete, Strom und Versicherungen laufen weiter. Sie haben plötzlich weniger Geld (Liquidität) in der Kasse, als Sie für Ihre laufenden Kosten benötigen. Das ist vereinfacht gesagt die Liquiditätslücke.
Als der Bund und die Bundesländer im Frühjahr 2020 die Soforthilfen auflegten, um eine Pleitewelle zu verhindern, war der Gedanke klar: Geld muss schnell raus, um die Lücke zu schließen.
Allerdings gab es ein großes Problem: Die Regelungen wurden überstürzt und von Land zu Land unterschiedlich gehandhabt.
Der große Knall kam, als die Länder (teilweise erst viel später) die Rückmelde- und Prüfverfahren starteten. Plötzlich sollten die Empfänger nachweisen, dass eine tatsächliche Liquiditätslücke in der beantragten Höhe bestand. Wer zwar Soforthilfe bekommen, aber trotzdem noch genug auf dem Konto hatte, um seine Betriebskosten zu zahlen (vielleicht durch private Rücklagen, die man aber für die Rente vorgesehen hatte), lief Gefahr, die Hilfen zurückzahlen zu müssen. Und hier begann der große Streit um die Argumentation.
Es gab keinen einheitlichen, bundesweiten Erfolg der „Liquiditätslücke“-Argumentation, sondern vielmehr Erfolg im Kampf gegen die Rückforderung der Soforthilfen – oft genau wegen der anfänglichen Unklarheit oder der fehlenden Definition der Lücke in den ursprünglichen Antragsverfahren und Bescheiden.
Die juristisch erfolgreichsten Fälle (aus Sicht der betroffenen Unternehmen!) und die größten politischen Verwerfungen gab es in:
Das Erfolgsgeheimnis: NRW agierte in der ersten Welle besonders schnell und stellte die Bescheide ohne die explizite Bedingung einer später nachzuweisenden Liquiditätslücke aus.
Das Erfolgsgeheimnis: Ähnlich wie NRW setzten die Berliner Behörden in der Anfangsphase auf maximale Schnelligkeit und waren in ihren Bescheiden sehr ungenau bezüglich der späteren Rückzahlungsmodalitäten und der genauen Berechnung der Liquiditätslücke.
Das Erfolgsgeheimnis: Einige Länder wie Schleswig-Holstein waren in der politischen Aufarbeitung der Rückforderungen besonders pragmatisch.
Der Erfolg in diesen Bundesländern lag also weniger in der positiven Argumentation der Liquiditätslücke selbst, sondern in der Angreifbarkeit der Rückforderung. Die Unternehmen argumentierten erfolgreich:
Kurz gesagt: Die Länder, die in ihrer anfänglichen Eile die Bedingungen am ungenauesten formuliert hatten, waren am Ende am anfälligsten für Klagen, die zugunsten der Empfänger entschieden wurden. Die Unschärfe der Verwaltung wurde zum Schutzschild für die Betroffenen.
Die Liquiditätslücke war ein politisches und administratives Minenfeld. Der „Erfolg“ der Argumentation lag nicht darin, die Liquiditätslücke nachzuweisen, sondern darin, die Rückforderung der Hilfen durch die Bundesländer erfolgreich abzuwehren.
Besonders in Nordrhein-Westfalen und Berlin hatten die Empfänger von Corona-Soforthilfen, die früh gehandelt hatten, aufgrund der anfänglich fehlerhaften oder ungenauen Bescheide die besten Karten, um die erhaltenen Hilfen auch ohne den vollen Liquiditätslückennachweis behalten zu dürfen. Es war ein Paradebeispiel dafür, wie gut gemeinte, aber überstürzte Gesetze in der Praxis zu einem juristischen Chaos führen können.