Schadensersatz wegen der Reinigung eines Kanalschachts auf dem Nachbargrundstück
Gericht: LG Saarbrücken 13. Zivilkammer
Entscheidungsdatum: 21.08.2025
Aktenzeichen: 13 S 31/25
Dokumenttyp: Urteil
Das Landgericht Saarbrücken hat am 21.08.2025 ein wichtiges Urteil zum Thema Nachbarschaftsrecht und Kanalschächte gefällt. In diesem Fall ging es darum, wer für die Reinigungskosten aufkommt, wenn ein Abwasserkanal auf dem Nachbargrundstück absichtlich verstopft wird.
Hier finden Sie eine leicht verständliche Zusammenfassung der Entscheidung.
Die Klägerin besitzt ein Grundstück. Um ihr Abwasser zu entsorgen, darf sie einen Kanal nutzen, der über das Grundstück ihrer Nachbarin verläuft. Dieses Recht ist offiziell im Grundbuch eingetragen (eine sogenannte Grunddienstbarkeit).
Auf dem Nachbargrundstück wohnt der geschiedene Mann der Eigentümerin (der Beklagte zu 2). Im Frühjahr 2022 führte dieser Mann Erdarbeiten mit einem Bagger durch. Kurz darauf behauptete er per WhatsApp gegenüber der Klägerin, ihr Kanal sei kaputt.
Die Klägerin ließ den Schacht prüfen. Dabei kam Erstaunliches ans Licht:
Die Kosten dafür betrugen insgesamt 1.271,51 EUR. Diesen Betrag wollte sie von der Eigentümerin und deren Ex-Mann zurückhaben.
Das Gericht musste entscheiden, wer für diesen Schaden verantwortlich ist. Dabei unterscheidet das Gesetz zwischen verschiedenen Arten von „Störern“.
Das Gericht war davon überzeugt, dass der Mann den Schacht absichtlich oder zumindest durch seine Bauarbeiten verstopft hat. Seine Ausreden vor Gericht hielt die Kammer für unglaubwürdig.
Das Gericht verurteilte ihn zur Zahlung der vollen Summe. Da er die Verstopfung verursacht hat, ist er ein sogenannter Handlungsstörer. Er hat die Pflicht, die Störung zu beseitigen. Da die Klägerin dies bereits selbst erledigt hat, muss er ihr die Kosten erstatten.
Die Eigentümerin des Grundstücks (die Ex-Frau) wohnt mittlerweile in Dortmund. Sie wusste nichts von den Vorfällen und den Bauarbeiten ihres Ex-Mannes.
Normalerweise müssen Sie als Kläger beweisen, dass der Nachbar den Schaden verursacht hat. Das Gericht stellte hier aber klar: Wenn nur der Nachbar Zugriff auf das Grundstück hat und dort baut, darf man die Anforderungen an den Beweis nicht übertreiben. Wenn alle Indizien gegen den Nachbarn sprechen und er keine logische andere Erklärung hat, haftet er.
Interessant für Fachleute: Das Gericht sagte, dass man hier nicht einfach „Schadensersatz statt der Leistung“ (§ 281 BGB) verlangen kann. Stattdessen bekommt man das Geld über die Regeln der „Geschäftsführung ohne Auftrag“ oder das Bereicherungsrecht zurück. Das Ergebnis ist für Sie als Laie gleich: Sie erhalten Ihr Geld.
Ein eingetragenes Kanalrecht (Grunddienstbarkeit) ist ein starkes Recht. Wenn der Nachbar dieses Recht behindert – zum Beispiel durch Verfüllen des Schachts –, muss er für die Wiederherstellung sorgen.
In der folgenden Tabelle sehen Sie, welche Ansprüche das Gericht bestätigt hat:
| Anspruch gegen… | Entscheidung | Grund |
| Ex-Mann (Bewohner) | Muss zahlen | Er hat den Schacht schuldhaft verstopft (Handlungsstörer). |
| Eigentümerin | Muss nicht zahlen | Sie wusste nichts davon und hatte keinen Einfluss (keine Störerin). |
| Betretungsrecht | Bestätigt | Die Klägerin darf das Grundstück für Wartungsarbeiten betreten. |
Wenn Ihr Kanalrecht durch einen Nachbarn gestört wird, haben Sie gute Chancen, die Reinigungskosten einzufordern. Wichtig ist eine gute Dokumentation (Fotos vom Zustand davor und danach) sowie eine zeitnahe Aufforderung zur Klärung.
Haben Sie ähnliche Probleme mit Ihrem Nachbarn oder einem Wegerecht? Bei Streitigkeiten rund um Immobilien und Nachbarschaftsrecht ist eine fachkundige Beratung unerlässlich.
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