VG Gelsenkirchen, Urteil vom 27.11.2012 – 19 K 2007/11

1.Rechtswidrigkeit einer auf entgeltliche private Óbernachtungen bezogenen Beherbergungsabgabesatzung.

2. Die rechtsstaatlich gebotene Vorhersehbarkeit der Abgabenlast für den Steuerpflichtigen setzt in aller Regel voraus, dass dieser Kenntnis von den unter den Steuertatbestand zu subsumierenden Tatsachen hat. Soweit ein Dritter über derartige Kenntnis verfügt, muss sie dem Pflichtigen zurechenbar oder sicher zugänglich sein. Die bloße Möglichkeit oder auch Wahrscheinlichkeit, dass der Dritte die erforderlichen Informationen an den Pflichtigen weitergibt, reicht nicht.

3.Der Grundsatz der Tatbestandsmäßigkeit der Besteuerung verbietet es, dem steuerpflichtigen Beherbergungsbetreiber generell die Feststellungslast dafür aufzuerlegen, dass eine steuerbare private Óbernachtung nicht vorliegt.

4.Bei indirekten Steuern ist auch im Verhältnis der Steuerträger untereinander ein Mindestmaß an verfahrensrechtlicher Gewährleistung von Gleichheit im Belastungserfolg zu fordern.

Tenor
Der Abgabenbescheid der Beklagten vom 8. April 2011 wird aufgehoben.

Die Kosten des Verfahrens trägt die Beklagte.

Das Urteil ist wegen der Kosten vorläufig vollstreckbar. Die Beklagte darf die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung oder Hinterlegung des aufgrund des Urteils vollstreckbaren Betrags abwenden, falls nicht die Klägerin vor der Vollstreckung Sicherheit in Höhe des jeweils zu vollstreckenden Betrags leistet.

Die Berufung wird zugelassen.

Tatbestand
Die Klägerin wendet sich gegen ihre Heranziehung zur sog. “Bettensteuer”. Sie betreibt einen Beherbergungsbetrieb im Stadtgebiet der Beklagten.

In seiner Sitzung am 8. Juli 2010 beschloss der Rat der Beklagten die am 1. November 2010 in Kraft getretene Satzung über die Erhebung einer Abgabe auf entgeltliche Beherbergungen im Gebiet der Stadt Dortmund (Beherbergungsabgabesatzung).

Die Satzung trifft u.a. folgende Regelungen:

Ҥ 1

Abgabengläubiger

Die Stadt Dortmund erhebt nach dieser Satzung eine Beherbergungsabgabe als örtliche Aufwandsteuer.

§ 2

Gegenstand der Abgabe

Gegenstand der Beherbergungsabgabe ist der Aufwand des Beherbergungsgastes für die Möglichkeit einer entgeltlichen privaten Óbernachtung in einem Beherbergungsbetrieb (Hotel, Gasthof, Pension, Privatzimmer, Jugendherberge, Ferienwohnung, Motel, Campingplatz, Schiff und ähnliche Einrichtung), der gegen Entgelt eine Beherbergungsmöglichkeit zur Verfügung stellt; dies gilt unabhängig davon, ob die Beherbergungsleistung tatsächlich in Anspruch genommen wird.

Der Óbernachtung steht die Nutzung der Beherbergungsmöglichkeit, ohne dass eine Óbernachtung erfolgt (z. B. Tageszimmer), gleich, sofern hierfür ein gesonderter Aufwand betrieben wird.

Eine private Óbernachtung liegt nicht vor, wenn der Beherbergungsgast dies eindeutig durch eine Bescheinigung des Arbeitgebers nachweist. Die Bescheinigung ist der Stadt Dortmund mit der Abgabenerklärung (§ 7 der Satzung) einzureichen. Der Nachweis kann auch innerhalb von drei Monaten nach Ablauf der Frist zur Einreichung der Abgabenerklärung nachgereicht werden. Eine durch den Beherbergungsbetrieb entrichtete Abgabe wird nach Prüfung des Nachweises an den Arbeitgeber des Beherbergungsgastes, bei einem selbständigen Beherbergungsgast an diesen, erstattet.

§ 3

Bemessungsgrundlage

Bemessungsgrundlage ist der vom Gast für die Beherbergung aufgewendete Betrag (einschließlich Mehrwertsteuer).

§ 4

Abgabensatz

Die Óbernachtungsabgabe beträgt 5 vom Hundert der Bemessungsgrundlage.(…)

§ 5

Abgabenschuldner

Abgabenschuldner ist der Betreiber des Beherbergungsbetriebes.

§ 6

Entstehung des Abgabenanspruches

Der Abgabenanspruch entsteht mit Beginn der entgeltpflichtigen Beherbergungsleistung.

§ 7

Anzeigepflicht, Festsetzung und Fälligkeit

Für die Beherbergungsleistungen ist der Stadt Dortmund bis zum 15. Tag nach Ablauf eines Kalendervierteljahres eine Abgabenerklärung nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck einzureichen. Die Abgabenerklärung muss vom Abgabenschuldner oder seinem Vertreter unterschrieben sein.

Veranlagungszeitraum ist das Kalendervierteljahr. Die Óbernachtungsabgabe wird mit Bescheid festgesetzt und ist innerhalb von 7 Kalendertagen nach dessen Bekanntgabe zu entrichten.”

Die Beklagte stellte nach dem Inkrafttreten der Beherbergungsabgabesatzung einen “Handlungsrahmen Beherbergungsabgabe” auf, der hinsichtlich des Nachweises einer nicht privaten Beherbergung u.a. folgendes vorgab:

“1. Regelungsinhalt der Beherbergungsabgabesatzung

(…)

Es muss für das Steueramt prüfbar sein, ob die einzelne Óbernachtung privater oder gewerblich / geschäftlicher Art war.

Als Nachweis für Beherbergungen gewerblicher / geschäftlicher Art wird folgendes akzeptiert:

– Bestätigung der Stadt Dortmund über die Befreiung von der Nachweispflicht im Einzelfall (Dauerbescheinigung)

– Bescheinigung des Arbeitgebers im Einzelfall (Auch nach Vordruck im Internet unter www.dortmund.de/steueramt im Downloadbereich

– Buchungen über Buchungsportale (Corporate Bereich) mit Hinweis (z. B. HRS: Diese Reservierung, sowie ein Frühstück- sofern vom Hotel angeboten und buchbar- erfolgt im Namen und auf Veranlassung des Arbeitgebers)

– Rechnungsübernahme vom Arbeitgeber

– Rechnungsadresse “Arbeitgeber” ist ausreichend

– Für Selbstständige wird eine Eigenbestätigung (Vordruck im Internet unter www.dortmund.de/steueramt im Downloadbereich) unter dem Vorbehalt der Nachprüfung akzeptiert.

2. Inhalt, Form und Sprache von Bescheinigungen

Die Bescheinigung des Arbeitgebers muss bestimmte Mindestkriterien erfüllen:

– Name des Arbeitgebers

– Name des Mitarbeiters/der Mitarbeiterin

– Zeitraum: vom

bis

__

– Bestätigung der dienstlichen/beruflichen/geschäftlichen Notwendigkeit

Beispiel: “Der Aufenthalt in Dortmund von Herrn/Frau

__ im o.g. Zeitraum ist dienstlich/beruflich/geschäftlich bedingt.”

– Bei Gruppenreisen ist eine Liste mit den Namen der Teilnehmer der Gruppe ausreichend.

Bescheinigungen werden in Schriftform oder in elektronischer Form akzeptiert. Der Absender muss zweifelsfrei erkennbar sein (z.B. Geschäftsbriefkopf, elektronische Visitenkarte bei emails) und es darf keine Anzeichen auf Missbrauch geben.”

Der in das Internet eingestellte Vordruck der Eigenbestätigung für Selbständige lautet dabei wie folgt:

“Eigenbestätigung der beruflichen Notwendigkeit der Óbernachtung für Selbstständige

Zeitraum von:

_ bis:

__

Name:

_

Straße:

_

PLZ, Ort:

__

Ich bin als

__ selbstständig und bestätige hiermit, dass die Óbernachtung/en beruflich bedingt ist/sind.

Hinweis:

Die Abgabe dieser Eigenbestätigung über den Beherbergungsbetrieb ist freiwillig und dient ausschließlich zur Feststellung der Abgabepflicht. Die erhobenen Daten werden an die Stadt Dortmund, Stadtkasse und Steueramt, weitergeleitet.

Ich stimme dieser Regelung zu: ja

nein

Bei Nichtzustimmung wird die Beherbergungsabgabe grundsätzlich erhoben. Ein Antrag auf Erstattung der Beherbergungsabgabe ist bei der Stadt Dortmund, Stadtkasse und Steueramt, 44122 Dortmund, schriftlich einzureichen.

Ich habe Kenntnis davon genommen, dass sich das Steueramt der Stadt Dortmund das Recht vorbehält, die gemachten Angaben zu überprüfen. Mir ist bekannt, dass unwahre Angaben strafrechtlich verfolgt werden können.

Ort, Datum Unterschrift”

Die Klägerin meldete unter dem 23. März 2011 für die Monate November und Dezember 2010 Beherbergungsentgelte einschließlich Mehrwertsteuer von114.088,00 Euro an.

Mit Bescheid vom 8. April 2011, der Klägerin zugegangen am 13. April 2011, setzte die Beklagte unter Vorbehalt der Nachprüfung die Beherbergungsabgabe für die Monate November und Dezember 2010 auf 5.704,40 Euro fest.

Die Klägerin hat am 10. Mai 2011 Klage erhoben.

Sie trägt vor, die Beherbergungsabgabesatzung der Beklagten sei rechtswidrig. Die in § 2 der Satzung vorgenommene Differenzierung zwischen privaten und beruflich bedingten Óbernachtungen und damit der mit den Óbernachtungen verfolgten Absichten und Zwecke sei mit dem Wesen der Aufwandsteuer nicht vereinbar. Die Beherbergungsabgabe sei entgegen Art. 105 Abs. 2a GG gleichartig mit der Umsatzsteuer. Des Weiteren führe die Beherbergungsabgabe dazu, dass die Umsatzsteuer faktisch auf sich selbst erhoben werde. Zur Bemessungsgrundlage der Umsatzsteuer gehöre nicht nur das Entgelt für die Óberlassung der Beherbergungsmöglichkeit, sondern auch die Beherbergungsabgabe. Diese beinhalte ihrerseits jedoch schon die Umsatzsteuer als Bemessungsgrundlage. Die aus § 2 Abs. 3 Beherbergungsabgabesatzung folgende Verpflichtung des Arbeitgebers, eine berufliche Óbernachtung durch eine Bescheinigung nachzuweisen, verstoße gegen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Schließlich verstoße die Einführung der Beherbergungsabgabe gegen höherrangige Belange, namentlich widerspreche sie der Absenkung des Umsatzsteuersatzes für Óbernachtungen durch den Bundesgesetzgeber im Jahre 2010.

Die Klägerin beantragt,

den Abgabenbescheid der Beklagten vom 8. April 2011 aufzuheben.

Die Beklagte beantragt,

die Klage abzuweisen.

Sie trägt vor, bei der Beherbergungsabgabe handele es sich um eine Aufwandsteuer im Sinne des Art. 105 Abs. 2a GG. Die Tatsache, dass Abgabenschuldner der Betreiber des Beherbergungsbetriebes sei, ändere daran nichts, da der Betreiber die Steuer jedenfalls kalkulatorisch auf den Óbernachtungsgast abwälzen könne. Mit dem Einsatz finanzieller Mittel zur Zahlung des Óbernachtungspreises liege ein steuerbarer Aufwand vor. Eine Óbernachtung in einem Beherbergungsbetrieb stelle typischerweise einen Aufwand dar, der über die Befriedigung des Grundbedürfnisses nach Wohnraum hinausgehe. Die Beherbergungsabgabe sei auch nicht der bundesgesetzlich geregelten Umsatzsteuer gleichartig.

Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf den Inhalt der Gerichtsakte sowie der beigezogenen Verwaltungsvorgänge verwiesen.

Gründe
Die Klage ist zulässig und begründet. Der angegriffene Abgabenbescheid der Beklagten ist rechtswidrig und verletzt die Klägerin in ihren Rechten, § 113 Abs. 1 Satz 1 der Verwaltungsgerichtsordnung – VwGO -.

Die strittige Steuererhebung ermangelt der erforderlichen Ermächtigungsgrundlage, da die Beherbergungsabgabesatzung der Beklagten – BAS – nichtig ist. Sie verstößt gegen höherrangiges Recht.

§ 2 Abs. 1 BAS verletzt in Verbindung mit der Bestimmung des Betreibers des Beherbergungsbetriebes zum Steuerschuldner in § 5 BAS die aus dem Rechtsstaatsprinzip folgende Forderung nach Vorhersehbarkeit der Abgabenlast für den Steuerpflichtigen.

Dieser Grundsatz besagt, dass der eine Abgabepflicht begründende Tatbestand so bestimmt sein muss, dass der Abgabepflichtige die auf ihn entfallende Belastung vorausberechnen kann.

Vgl. BVerfG, Urteil vom 14. Dezember 1965 – 1 BvR 571/60 -, BVerfGE 19, 253,sowie Beschlüsse vom

28. Februar 1973 – 2 BvL 19/70 -, BVerfGE 34, 348,

und vom 23. Oktober 1986 – 2 BvL 7/84 und 2 BvL 8/84 -, BVerfGE 73, 388.

Vorhersehbarkeit in diesem Sinne bedeutet nicht, dass der Steuerpflichtige seine Steuerlast schon vor der Realisierung des jeweiligen Tatbestandes exakt berechnen können muss. Für ihn muss aber jedenfalls bei Abgabe seiner Steuererklärung bestimm- und berechenbar sein, ob und in welcher Höhe eine Steuer im konkreten Einzelfall angefallen ist oder nicht. Er muss mithin prinzipiell in der Lage sein, festzustellen, ob und in welchem Umfang der gesetzliche Steuertatbestand verwirklicht ist. Dies setzt in aller Regel voraus, dass der Pflichtige selbst Kenntnis von den unter den Steuertatbestand zu subsumierenden Tatsachen hat. Soweit ein Dritter über derartige Kenntnis verfügt, muss diese dem Pflichtigen zurechenbar oder sicher zugänglich sein. Die bloße Möglichkeit oder auch Wahrscheinlichkeit, dass der Dritte die erforderlichen Informationen an den Pflichtigen weitergibt, reicht nicht.

Diese Voraussetzungen sind für den gemäß § 5 BAS steuerpflichtigen Betreiber in Bezug auf den Tatbestand des § 2 Abs. 1 BAS nicht erfüllt.

Merkmal des strittigen Steuertatbestands ist der private Charakter der in Rede stehenden Óbernachtungen. Dieses Tatbestandsmerkmal ist im Lichte der Kompetenzzuweisung in Art. 105 Abs. 2a GG dahin auszulegen, dass nur aus privatem Interesse veranlasste Óbernachtungen erfasst sind, nicht hingegen solche, die zwangsläufige Folge einer auf Einkommenserzielung gerichteten Tätigkeit sind.

Vgl. BVerwG, Urteil vom 11. Juli 2012 – 9 CN 1.11 -,

ZKF 2012, 235.

Denn Aufwandsteuern zielen auf die in der Vermögens- und Einkommensverwendung für den persönlichen Lebensbedarf zum Ausdruck kommende besondere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Konsumenten und können nicht auf Gegenstände oder Dienstleistungen erhoben werden, die allein der Einkommenserzielung dienen.

Vgl. BVerfG, Beschluss vom 6. Dezember 1983 – 2 BvL 1/82 -, BVerfGE 65, 325; BVerwG, Urteil vom 11. Juli 2012 – 9 CN 1.11 -, a.a.O.

Maßgebliches Unterscheidungskriterium ist damit der Óbernachtungsanlass. Der Steuerschuldner gemäß § 5 BAS hat von diesem Anlass keine eigene Kenntnis. Óber die insoweit maßgeblichen Informationen verfügt vielmehr der jeweilige Beherbergungsgast. Diese Kenntnis ist dem Betreiber des Beherbergungsbetriebs mangels entsprechender Zurechnungsnorm nicht zuzurechnen. Der Gast ist zwar als derjenige, dessen Aufwand letztlich – indirekt – besteuert werden soll, Steuerträger, jedoch an dem allein zwischen dem Beherbergungsbetreiber und der Beklagten bestehenden Steuerschuldverhältnis nicht beteiligt. Die Kenntnis des jeweiligen Gastes vom Anlass seiner Óbernachtung ist dem Betreiber auch nicht sicher zugänglich. Der Betreiber kann den Gast lediglich nach dem Anlass seiner Óbernachtung fragen. Er hat jedoch mangels eines entsprechenden Auskunftsrechts und sonstiger Eingriffsbefugnisse gegenüber dem Gast keine rechtliche Handhabe, vom Gast überhaupt eine Antwort, geschweige denn eine korrekte, zu erhalten.

Selbst wenn der Gast gegenüber dem Beherbergungsbetrieb Angaben darüber macht, ob seine Óbernachtung privat oder beruflich bedingt ist, kann der Betreiber nicht wissen, ob die Angaben im Sinne des Steuertatbestands zutreffend sind. Sie können vorsätzlich oder auch unbewusst unzutreffend sein. Namentlich besteht mit Blick auf den Wortlaut der von der Beklagten als Nachweise eines nicht privaten Beherbergungsanlasses akzeptierten vorformulierten Arbeitgeber- und Eigenbescheinigungen die naheliegende Möglichkeit, dass als “dienstlich/geschäftlich/beruflich bedingt” jede Óbernachtung angesehen wird, die in irgendeinem Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit steht. Aus privatem Interesse veranlasst ist jedoch auch eine Óbernachtung, die zwar im Zusammenhang mit der Berufsausübung erfolgt, jedoch nicht zwangsläufige Folge der beruflichen Betätigung ist.

Vgl. BVerwG, Urteil vom 11. Juli 2012 – 9 CN 1.11 -, a.a.O.

Die Kammer verkennt nicht, dass der Beherbergungsbetreiber zumeist die Beherbergungsabgabe über das Beherbergungsentgelt auf den Gast abwälzen wird und es deshalb gegebenenfalls in dessen eigenem finanziellen Interesse liegt, einen beruflichen Óbernachtungsanlass gegenüber dem Betreiber anzugeben. Dies bewirkt indes nicht mehr als eine bloße ungesicherte Möglichkeit, dass der Gast die zur Unterscheidung von privaten und sonstigen Óbernachtungen erforderlichen Informationen dem Betreiber zugänglich macht. Sollte der Gast – aus welchen Gründen auch immer – gegen dieses finanzielle Interesse eine berufliche Veranlassung der Beherbergung nicht offenlegen, kann dies nicht dem Steuerschuldner angelastet werden. Darüber hinaus kann der Betreiber auf diese Möglichkeit auch deswegen nicht verwiesen werden, weil es in seiner unternehmerischen Freiheit liegt, zu entscheiden, ob und gegebenenfalls in welcher Form er die Steuer auf den Gast abwälzen will.

Die Nichtigkeit der Regelung in § 2 Abs. 1 i.V.m. § 5 BAS führt zur Gesamtnichtigkeit der Satzung, da diese gemäß § 2 Abs. 1 Satz 2 KAG NRW den Kreis der Abgabeschuldner und den die Abgabe begründenden Tatbestand angeben muss.

Darüber hinaus verletzt § 2 Abs. 3 BAS den rechtsstaatlichen Grundsatz der Tatbestandsmäßigkeit der Besteuerung. Dieser Verstoß führt unabhängig von den vorstehenden Erwägungen zur Gesamtnichtigkeit der Beherbergungsabgabesatzung.

Nach dem besagten Grundsatz setzt die Festsetzung einer Steuer voraus, dass ein gesetzlicher Tatbestand erfüllt ist, an den das Gesetz als Rechtsfolge die Steuer knüpft. Daraus folgt für das Steuerverfahren, dass der Steuergläubiger die objektive Beweislast (Feststellungslast) für diejenigen Tatsachen trägt, die den Steueranspruch begründen, und der Steuerpflichtige mit der objektiven Beweislast für diejenigen Tatsachen belastet ist, die eine Steuerbefreiung oder Steuerermäßigung begründen oder den Steueranspruch aufheben oder einschränken.

Vgl. BFH, Urteil vom 24. Juni 1976 – IV R 101/75 –

juris, Rdnr. 14 ff.

Die von § 2 Abs. 1 BAS vorausgesetzte Privatheit der Óbernachtungen ist ein steuerbegründendes Tatbestandsmerkmal

Wie bereits die Formulierung “Eine private Óbernachtung liegt nicht vor, wenn (…)” verdeutlicht, erlegt jedoch § 2 Abs. 3 BAS dem steuerpflichtigen Beherbergungsbetrieb entgegen der zitierten Regel die Feststellungslast dafür auf, dass die Óbernachtung nicht privat ist. Die Vorschrift begründet gleichsam eine Vermutung, dass der Steuertatbestand des § 2 Abs. 1 BAS vorliege. Diese Vermutung kann nach dem Willen des Satzungsgebers durch den Nachweis einer beruflichen Veranlassung der Beherbergung lediglich widerlegt werden. § 2 Abs. 3 Satz 4 BAS bringt zum Ausdruck, dass bei Fehlen eines solchen Nachweises die Steuer – zumindest zunächst – zu entrichten ist.

Für diese Umkehr der Feststellungslast fehlt es jedoch an einem hinreichenden Grund. Dieser ergibt sich insbesondere nicht daraus, dass die zur Unterscheidung von privaten und beruflichen Óbernachtungen erforderlichen Angaben den Mitwirkungspflichten des steuerpflichtigen Beherbergungsbetriebs zuzurechnen wären. Allerdings kann die Verletzung abgabenrechtlicher Mitwirkungspflichten bei der Aufklärung des Sachverhalts zu einer Begrenzung der Sachaufklärungspflicht der Finanzbehörde und zu einer Minderung des Beweismaßes führen. Bei der Bestimmung des Ausmaßes einer solchen Reduzierung von Sachaufklärungspflicht und Beweismaß kommt dem Gedanken der Beweisnähe besondere Bedeutung zu: Die Verantwortlichkeit des Steuerpflichtigen für die Aufklärung des Sachverhalts ist umso größer, je mehr Tatsachen oder Beweismittel der von ihm beherrschten Informations- und/oder Tätigkeitssphäre angehören. Betrifft die Verletzung abgabenrechtlicher Mitwirkungspflichten den alleinigen Verantwortungsbereich des Steuerpflichtigen, kann dies sogar dazu führen, dass aus seinem Verhalten für ihn nachteilige Schlüsse gezogen werden.

Vgl. BFH, Urteil vom 15. Februar 1989 – X R 16/86 -, BSBl II 1989, 462; Brockemeyer in: Klein, Abgabenordnung, 10. Aufl. 2009, § 88 Rdnrn.9, 13.

Werden die hinsichtlich des Beherbergungsanlasses von der Beklagten geforderten Angaben und Belege nicht vorgelegt, ist dies jedoch nicht generell dem steuerpflichtigen Hotelier anzulasten und auf eine Verletzung seiner Mitwirkungspflichten zurückzuführen. Aus den obigen Erwägungen zur mangelnden Vorhersehbarkeit der Steuerlast für ihn folgt vielmehr, dass diese Tatsachen und Beweismittel nicht seinem alleinigen Verantwortungsbereich bzw. der von ihm beherrschten Informationssphäre angehören. Wie ausgeführt, verfügt allein der Beherbergungsgast über diese Informationsherrschaft und sind dem Beherbergungsbetreiber die entsprechenden Kenntnisse weder zuzurechnen noch sicher zugänglich.

Die Nichtigkeit des § 2 Abs. 3 BAS führt nicht zur bloßen Teilnichtigkeit der Satzung, sondern hat ihre Gesamtnichtigkeit zur Folge. Voraussetzung für die Teilbarkeit einer Satzung ist, dass die ohne den nichtigen Teil bestehende Restregelung sinnvoll bleibt (§ 139 BGB analog) und darüber hinaus mit Sicherheit anzunehmen ist, dass sie auch ohne den zur Unwirksamkeit führenden Teil erlassen worden wäre.

Vgl. BVerwG, Urteil vom 11. Juli 2012 – 9 CN 1/11 – a.a.O.

Davon ist vorliegend nicht auszugehen. Es kann offen bleiben, ob ohne jegliche Regelung zur Unterscheidung von privaten und sonstigen Óbernachtungen eine sinnvolle Restregelung verbleibt.

Vgl. BVerwG, Urteil vom 11. Juli 2012 – 9 CN 1.11 -, a.a.O., das eine solche Satzungsregelung für erforderlich zu halten scheint.

Jedenfalls kann nicht mit hinreichender Gewissheit davon ausgegangen werden, dass der Satzungsgeber die Satzung ohne jegliche Nachweisregelung gewollt hätte. Vielmehr liegt die Annahme nahe, dass er die Nachweisregelung in § 2 Abs. 3 BAS für unabdingbar gehalten hat, um das Verfahren zur Erhebung der Beherbergungsabgabe überhaupt für die Beklagte praktikabel zu machen. Dass Stadtkasse und Steueramt der Beklagten einen entsprechenden dringenden Bedarf angenommen haben, belegt der in engem zeitlichem Zusammenhang mit dem Satzungsbeschluss erstellte “Handlungsrahmen Beherbergungsabgabe” der sich ausschließlich mit der Nachweisfrage befasst und betont, dass der Anlass der einzelnen Óbernachtung “für das Steueramt prüfbar” sein müsse.

Die Beherbergungsabgabesatzung der Beklagten ist ferner aufgrund eines strukturellen Vollzugsdefizits wegen Verletzung des Gleichheitssatzes des Art. 3 Abs. 1 GG nichtig.

Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts verlangt der Gleichheitssatz des Art. 3 Abs. 1 GG für das Steuerrecht, dass die Steuerpflichtigen durch ein Steuergesetz rechtlich und tatsächlich gleich belastet werden. Wird die Gleichheit im Belastungserfolg durch die rechtliche Gestaltung des Erhebungsverfahrens prinzipiell verfehlt, kann dies die Verfassungswidrigkeit der gesetzlichen Besteuerungsgrundlage nach sich ziehen. Das Verfahrensrecht muss bei einer Steuer so ausgestaltet sein, dass es die gleichmäßige Umsetzung der durch eine materielle Steuernorm bestimmten Belastung in der regulären Besteuerungspraxis gewährleistet. Die Form der Steuererhebung und – in Ergänzung des Deklarationsprinzips – das behördliche Kontrollinstrumentarium haben somit der materiellen Steuernorm regelmäßig so zu entsprechen, dass deren gleichheitsgerechter Vollzug im Massenverfahren der Veranlagung möglich ist, ohne unverhältnismäßige Mitwirkungsbeiträge der Steuerpflichtigen oder übermäßigen Ermittlungsaufwand der Finanzbehörden zu fordern. Eine Steuerbelastung, die nahezu allein auf der Erklärungsbereitschaft des Steuerpflichtigen beruht, weil die Erhebungsregelungen Kontrollen der Steuererhebungen weitgehend ausschließen, trifft nicht mehr alle und verfehlt damit die steuerliche Lastengleichheit. Eine solche Weise der Besteuerung wirkt im Ergebnis so, als hätte die Steuer ihren Belastungsgrund letztlich nur in der Bereitschaft, Steuern zu zahlen. Wird eine Steuer nicht an der Quelle erhoben, hängt ihre Festsetzung vielmehr von der Erklärung des Steuerschuldners ab, werden erhöhte Anforderungen an die Steuerehrlichkeit des Steuerpflichtigen gestellt. Der Gesetzgeber muss die Steuerehrlichkeit deshalb durch hinreichende, die steuerliche Belastungsgleichheit gewährleistende Kontrollmöglichkeiten abstützen. Im Veranlagungsverfahren bedarf das Deklarationsprinzip der Ergänzung durch das Verifikationsprinzip.

Vgl. zum Vorstehenden BVerfG, Urteil vom 27. Juni 1991

– 2 BvR 1493/89 -, BVerfGE 84, 239, und vom 9. März 2004 – 2 BvL 17/02 -, BVerfGE 110, 94.

Diese in Bezug auf die Steuerpflichtigen formulierten Maßgaben sind bei indirekten Steuern wie der strittigen Beherbergungsabgabe auf die Steuerträger zu übertragen. Denn es liegt im Wesen indirekter Steuern, dass sie auf Abwälzbarkeit der Steuerlast durch den Pflichtigen auf den Steuerträger angelegt sind. Bei den indirekten Aufwandsteuern soll letztlich dessen Aufwand besteuert werden. Dementsprechend heißt es auch in der Begründung des Satzungsbeschlusses der Beklagten, die Steuer werde nicht von der effektiv wirtschaftlich belasteten Person, also dem Steuerträger, an die Steuerbehörde abgeführt, sondern stellvertretend von dem Steuerschuldner. Dieser Steuerzweck rechtfertigt es, nach den vorstehenden Maßgaben auch im Verhältnis der Steuerträger untereinander ein Mindestmaß an verfahrensrechtlicher Gewährleistung von Gleichheit im Belastungserfolg zu fordern.

Diesen Anforderungen genügt die verfahrensrechtliche Ausgestaltung der strittigen Beherbergungsabgabe nicht.

Die Beherbergungsabgabesatzung der Beklagten normiert keine Quellenbesteuerung. Die Festsetzung der Beherbergungsabgabe hängt vielmehr von der Erklärung des steuerpflichtigen Beherbergungsbetriebs ab. Dessen Erklärung wiederum basiert hinsichtlich des für die Steuererhebung entscheidenden Beherbergungsanlasses allein auf den Angaben des Gastes. Die Feststellung, ob und in welchem Umfang der Steuertatbestand verwirklicht ist, kann mithin nur bei einer qualifizierten Erklärungsbereitschaft des Steuerträgers zutreffend erfasst werden.

Das vor diesem Hintergrund erforderliche Mindestmaß an Kontrollmöglichkeiten und damit Verifizierbarkeit der vom Steuerträger getätigten Angaben darüber, ob seine Óbernachtung privat oder beruflich veranlasst war, ist nicht gewährleistet.

Die Regelung des Erhebungsverfahrens durch die Beklagte stellt kein hinreichendes Kontrollinstrumentarium zur Abstützung der Steuerehrlichkeit bereit. Sie begründet bei unzutreffenden Angaben des Beherbergungsgastes kein praktisch bedeutsames Entdeckungsrisiko. Die in der Beherbergungsabgabesatzung in § 2 Abs. 3 enthaltene Nachweisregelung ist für sich gesehen schon deswegen defizitär, weil sie lediglich Arbeitnehmer in den Blick nimmt und zumindest mit den Selbständigen einen wesentlichen Anteil der Beherbergungsgäste ausklammert. Die Kammer legt allerdings zugunsten der Beklagten zugrunde, dass ergänzend auf die mit dem “Handlungsrahmen Beherbergungsabgabe” vorgegebenen Nachweismöglichkeiten abzustellen ist. § 2 Abs. 3 Satz 1 BAS dürfte nämlich nicht dahin zu verstehen sein, dass der Nachweis einer nicht privaten Óbernachtung ausschließlich durch eine Arbeitgeberbescheinigung geführt werden kann. Vielmehr bringt § 2 Abs. 3 Satz 4 BAS zum Ausdruck, dass auch ein Selbständiger einen solchen Nachweis erbringen kann. Auch erscheint es nicht zwingend, dass die zwecks Gleichmäßigkeit der Besteuerung zu fordernde Ausgestaltung des Verfahrensrechts in der Steuersatzung selbst vorgenommen werden muss.

Das mit dem besagten “Handlungsrahmen” für den Regelfall der Veranlagung zur Verfügung stehende Instrumentarium stellt jedoch auch nicht sicher, dass der gleichheitsgerechte Vollzug der Steuernorm des § 2 Abs. 1 BAS im Massenverfahren ohne unverhältnismäßige Mitwirkungsbeiträge der Steuerpflichtigen und dritter Personen oder übermäßigen Ermittlungsaufwand der Steuerbehörde möglich ist. Die von der Beklagten vorgegebenen Nachweismöglichkeiten sind nämlich erkennbar zu unsicher und lassen zuverlässige Rückschlüsse auf eine nicht privaten Beherbergungsanlass kaum zu. Zunächst liegt die Möglichkeit auf der Hand, dass Arbeitgeber Beherbergungsgästen die von der Beklagten akzeptierten Bescheinigungen aus Gefälligkeit ausstellen. Dem Arbeitgeber wird mit dem entsprechenden Vordruck der Beklagten im Internet im Downloadbereich lediglich die pauschale Bestätigung eines beruflichen Anlasses des Aufenthalts in Dortmund abverlangt, substantiierte Angaben hierzu muss er nicht machen. Bei der Eigenbescheinigung des Selbständigen drängt sich sogar geradezu auf, dass es aufgrund des eigenen finanziellen Interesses des Beherbergungsgastes zu wahrheitswidrigen Erklärungen kommen kann. Es kommt hinzu, dass die Erklärungsvordrucke absehbar zu Fehlinterpretationen verleiten können. Wie bereits in anderem Zusammenhang ausgeführt, liegt es nahe, dass als “beruflich bedingt” im Sinne der Vordrucke auch private Óbernachtungen angesehen werden, sofern sie nur in irgendeinem Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit stehen. In Bezug auf den Vordruck der Arbeitgeberbescheinigung gilt dies umso mehr, als diese sich bei genauer Betrachtung nicht einmal zum Anlass der Óbernachtung, sondern lediglich dem des Aufenthalts in Dortmund verhält. Die alternativ als Nachweis akzeptierte Rechnungsübernahme durch den Arbeitgeber und weitergehend bloße Angabe der Arbeitgeberanschrift als Rechnungsadresse beinhalten noch nicht einmal die Erklärung, die jeweilige Beherbergung sei beruflich bedingt. Es handelt sich lediglich um Indizien, aus denen die Beklagte auf einen solchen Beherbergungsanlass schließt. Diese Indizien sind jedoch entsprechenden Manipulationen leicht zugänglich und daher von geringer Aussagekraft.

Die mit dem “Handlungsrahmen Beherbergungsabgabe” verbundenen strukturellen Vorgaben für das Erhebungsverfahren schließen zugleich aus, dass die akzeptierten Nachweise ihrerseits praktisch bedeutsamen Kontrollen unterzogen werden. Wie sich aus den vorstehenden Ausführungen ergibt, haben diese Nachweise entweder einen pauschalen und unsubstantiierten oder überhaupt keinen Erklärungsgehalt. Die Mitarbeiter der Beklagten verfügen daher über keinerlei Ansätze, um etwa anhand von Kriterien wie Plausibilität oder Stimmigkeit der Angaben festzustellen, wann Anlass für eine Verifizierung besteht. Dass sie anlasslos bei den Beherbergungsgästen und deren Arbeitgebern nachfragen werden, widerspricht angesichts des damit verbundenen Verwaltungsaufwands und dessen Relation zum voraussehbar geringen Ertrag solcher Nachfragen praxisnaher Betrachtung. Dementsprechend hat die Beklagte in der mündlichen Verhandlung eingeräumt, dass faktisch keine Möglichkeit zur Óberprüfung der von Arbeitgebern und Selbständigen gemachten Angaben bestünde, sie gehe vielmehr grundsätzlich davon aus, dass nicht gelogen werde.

Der Befund eines gleichheitswidrigen Erhebungsdefizits wird auch nicht durch über § 12 Abs. 1 KAG NRW eröffnete Kontrollmöglichkeiten in Frage gestellt. Das hiernach zur Verfügung stehende Instrumentarium wird entscheidend dadurch eingeschränkt, dass weder der Beherbergungsgast noch die Aussteller der im “Handlungsrahmen Beherbergungsabgabe” vorgegebenen Nachweisepflichtige im Sinne von§ 12 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a) KAG NRW i.V.m. § 33 Abs. 1 AO mit den damit einher gehenden Mitwirkungspflichten nach § 12 Abs. 1 Nr. 3 Buchstabe a) KAG NRW i.V.m. § 90 AO und § 12 Abs. 1 Nr. 4 Buchstabe a) KAG NRW i.V.m. den darin genannten Vorschriften sind. Es handelt sich um “andere Personen” im Sinne der AO, von denen die Beklagte lediglich gem. § 12 Abs. 1 Nr. 3 Buchst. a) KAG NRW i.V.m. § 93 AO Auskunft und gegebenenfalls hieran anschließend die Vorlage bestimmter Urkunden nach § 12 Abs. 1 Nr. 3 Buchstabe a) KAG NRW i.V.m. § 97 AO verlangen kann. Diese Óberprüfungsmöglichkeiten laufen jedoch aus den oben genannten Gründen leer.

Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 1 VwGO.

Die Entscheidung zur vorläufigen Vollstreckbarkeit beruht auf § 167 VwGO i.V.m. den §§ 708 Nr. 11, 711 der Zivilprozessordnung.

Die Berufung war wegen grundsätzlicher Bedeutung der Rechtssache gemäß § 124 Abs. 2 Nr. 3, § 124a Abs. 1 Satz 1 VwGO zuzulassen. Grundsätzliche Bedeutung misst die Kammer der Fragestellung bei, ob die rechtsstaatlich gebotene Vorhersehbarkeit der Steuerlast sowie eine Umkehr der Feststellungslast für steuerbegründende Tatbestandsmerkmale in Fällen, in denen nicht der Steuerschuldner, sondern ein Dritter Kenntnis von den insoweit relevanten Tatsachen hat, voraussetzt, dass dem Pflichtigen diese Kenntnis zurechenbar oder sicher zugänglich ist. Darüber hinaus ist von grundsätzlicher Bedeutung, ob die Forderung nach einer Ausgestaltung des bei Erhebung einer Steuer anzuwendenden Verfahrensrechts, die die gleichmäßige Umsetzung der durch eine materielle Steuernorm bestimmten Belastung in der regulären Besteuerungspraxis gegenüber den Steuerpflichtigen gewährleistet, bei indirekten Abgaben dahin zu erweitern ist, dass auch in Bezug auf die Steuerträger Gleichheit im Belastungserfolg sicherzustellen ist.

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