BGH, Urteil vom 18.02.2020 – XI ZR 378/18

BGH, Urteil vom 18.02.2020 – XI ZR 378/18

Tenor

Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des 27. Zivilsenats des Oberlandesgerichts München vom 20. Juni 2018 aufgehoben.

Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Berufungsgericht zurückverwiesen.

Von Rechts wegen.
Gründe

Die Revision der Beklagten hat Erfolg.

I.

Das Berufungsgericht hat zur Begründung seiner Entscheidung – soweit für die Revision der Beklagten von Bedeutung – ausgeführt:

Es sei zugunsten der Klägerin auszusprechen, dass sich der Rechtsstreit in der Hauptsache erledigt habe. Die Feststellungsklage sei im Zeitpunkt des Eintritts des erledigenden Ereignisses, der Erhebung der Widerklage, zulässig und begründet gewesen. Entsprechend sei, weil der Widerruf der Beklagten ins Leere gegangen sei, die Widerklage abzuweisen. Der von der Klägerin eingefügte Zusatz unter der Überschrift “Verpflichtung zur Zahlung von Zinsen und Entgelten bei Vertragsausführung vor Ablauf der Widerrufsfrist” habe aufgrund der konkreten Vertragsgestaltung nicht dazu geführt, dass die (bei Fernabsatzverträgen verpflichtende) Belehrung über die Widerrufsfolgen undeutlich gewesen sei.

II.

Diese Ausführungen halten einer revisionsrechtlichen Überprüfung nicht stand. Die Annahme des Berufungsgerichts, die Klägerin habe die Beklagten bei Vertragsschluss hinreichend deutlich über das ihnen zukommende Widerrufsrecht belehrt, so dass sie ihre auf Abschluss der Darlehensverträge gerichteten Willenserklärungen nicht mehr hätten widerrufen können, ist rechtsfehlerhaft.

Die Widerrufsbelehrung der Klägerin war unzureichend deutlich. Nach ständiger Rechtsprechung des Senats verunklarte die Klägerin durch den Zusatz “Verpflichtung zur Zahlung von Zinsen und Entgelten bei Vertragsausführung vor Ablauf der Widerrufsfrist” die nach § 495 Abs. 1 BGB in Verbindung mit § 355 Abs. 1 und 2 BGB in der hier nach Art. 229 § 9 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, § 22 Abs. 2, §§ 32, 38 Abs. 1 Satz 1 EGBGB maßgeblichen, zwischen dem 1. August 2002 und dem 10. Juni 2010 geltenden Fassung, § 312d Abs. 5 Satz 2, Abs. 2, § 312c BGB in der vom 8. Dezember 2004 bis zum 10. Juni 2010 geltenden Fassung erteilte Widerrufsbelehrung (vgl. Senatsurteile vom 24. Januar 2017 – XI ZR 183/15, WM 2017, 766 Rn. 31, vom 3. Juli 2018 – XI ZR 520/16, WM 2018, 1596 Rn. 11 ff., 17 und – XI ZR 572/16, WM 2018, 1599 Rn. 15 sowie vom 9. April 2019 – XI ZR 119/18, juris Rn. 10; Senatsbeschluss vom 28. November 2017 – XI ZR 167/16, juris). Die übrige Informations- und Vertragsgestaltung der Klägerin führt entgegen der Rechtsmeinung des Berufungsgerichts zu keinem anderen Ergebnis (Senatsurteile vom 21. Februar 2017 – XI ZR 381/16, WM 2017, 806 Rn. 13 ff., 17, vom 21. November 2017 – XI ZR 106/16, WM 2018, 51 Rn. 14, vom 3. Juli 2018 – XI ZR 520/16, aaO, Rn. 21 und vom 9. April 2019, aaO, Rn. 11).

III.

Das Berufungsurteil, das sich auch nicht aus anderen Gründen als richtig darstellt (§ 561 ZPO), unterliegt mithin der Aufhebung (§ 562 ZPO).

Der Senat verweist die Sache zur neuen Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurück (§ 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO), das über die Klage und die Widerklage – soweit noch Gegenstand des Berufungsverfahrens – nach Maßgabe der höchstrichterlich gefestigten Grundsätze (Senatsurteile vom 21. Februar 2017 – XI ZR 467/15, WM 2017, 906 Rn. 23 ff., vom 27. Februar 2018 – XI ZR 224/17, WM 2018, 737 Rn. 33 ff., vom 9. Oktober 2018 – XI ZR 590/16, juris Rn. 20 und vom 27. November 2018 – XI ZR 174/17, BKR 2019, 243 Rn. 13; Senatsbeschluss vom 17. Januar 2017 – XI ZR 170/16, BKR 2017, 152 Rn. 7) zu entscheiden haben wird.

Sollte das Berufungsgericht zu einer Verurteilung der Klägerin zur Abtretung der Grundschuld nach Zahlung gelangen, finden auf die Zwangsvollstreckung § 322 Abs. 3, § 274 Abs. 2 BGB keine Anwendung, weil – anders als in der obergerichtlichen Rechtsprechung teilweise angenommen – schon § 322 Abs. 2 BGB nicht anwendbar ist. Diese Regelung betrifft die beständige Vorleistungspflicht bei einem gegenseitigen Vertrag, um den es sich bei der Sicherungsvereinbarung nicht handelt (vgl. OLG Stuttgart, Urteil vom 26. Juni 2018 – 6 U 76/17, juris Rn. 37; a.A. OLG Frankfurt/Main, Urteil vom 14. Juni 2017 – 23 U 111/16, juris Rn. 91 ff.; OLG Köln, Urteile vom 31. Januar 2019 – 12 U 61/16, juris Rn. 53 und vom 14. Februar 2019 – 12 U 205/17, juris Rn. 34).

Ellenberger Grüneberg Maihold Menges Derstadt

Vorinstanzen:

LG Augsburg, Entscheidung vom 25.10.2017 – 21 O 2419/16 –

OLG München in Augsburg, Entscheidung vom 20.06.2018 – 27 U 3842/17 –

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