OLG Köln, Urteil vom 08.09.2017 – 19 U 133/16

OLG Köln, Urteil vom 08.09.2017 – 19 U 133/16

Tenor
Die Berufung der Beklagten gegen das Grund- und Teilurteil der 9. Kammer für Handelssachen des Landgerichts Köln vom 16.09.2016 – 89 O 80/12 – wird mit der Maßgabe zurückgewiesen, dass außerdem festgestellt wird:

Die Beklagte ist verpflichtet, der Klägerin etwaige weitere Schäden zu ersetzen, die der Klägerin dadurch entstehen, dass die Ausführung des Deckenputzes (Mangel Nr. 98 gemäß Gesamtmängelliste vom 02.06.2009 – Anlage K 8-1) – mit Ausnahme der Deckenputzablösung im August 2012 im Treppenhaus 8.1 – am Bauvorhaben „Erweiterung der A-Hauptverwaltung“, B 10-20, C mangelhaft ist.

Die Kosten des Berufungsverfahrens trägt die Beklagte mit Ausnahme der außergerichtlichen Kosten ihrer Streithelferin, die diese selbst trägt.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar. Die Beklagte darf die Zwangsvollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe von 120% des aufgrund des Urteils gegen sie vollstreckbaren Betrages abwenden, wenn nicht die Klägerin vor der Vollstreckung Sicherheit in Höhe von 120% des jeweils zu vollstreckenden Betrages leistet.

Die Revision wird nicht zugelassen.

Gründe
I.

Die Klägerin nimmt die vormals unter D Beraten und Planen GmbH firmierende Beklagte, ein Planungs- und Beratungsunternehmen im Bereich des Bauwesens, auf Schadensersatz wegen mangelhafter Bauüberwachung, unzureichender Planungsleistungen und fehlerhafter Projektsteuerung in Anspruch.

Die ursprünglich als A GmbH & Co. KG, 12. Immobilienbeteiligungs KG firmierende Klägerin beauftragte die Beklagte mit Architektenvertrag vom 20.12.2002 mit den Leistungsphasen 6 bis 9 des § 15 HOAI 2002, also auch der Objektüberwachung (Bauüberwachung), bezüglich der Erweiterung der A-Konzernzentrale in C-E. Dieses Bauvorhaben umfasste den Neubau von fünf mehrgeschossigen Bürohäusern (Häuser 6 bis 11) und eines Konferenz- und Schulungszentrums (Haus 12) mit einer Nettogeschossfläche von ca. 59.120 m². Mit Vertragsergänzung vom 20./27.05.2003 übertrug die Klägerin der Beklagten ferner die Leistungsphasen 8 und 9 der technischen Ausrüstung gemäß § 73 HOAI 2002 u.a. für die Anlagengruppe Wärmeversorgungs-, Brauchwassererwärmungs- und Raumlufttechnik. Mit weiterer Vertragsergänzung vom 22.04./11.05.2004 beauftragte die Klägerin die Beklagte mit der Prüfung der Montagepläne Haustechnik als zusätzliche Leistung zu der Leistungsphase 8 nach § 73 HOAI 2002. Hinsichtlich der Einzelheiten des Vertrags vom 20.12.2002 nebst den beiden Ergänzungen wird auf die Anlage K 2 Bezug genommen.

Mit weiterem Vertrag vom 20.12.2002 beauftragte die Klägerin die Beklagte zudem mit Projektsteuerungsleistungen bezüglich des Neubauvorhabens. Die von der Beklagten hierbei zu erbringenden Leistungen wurden in § 3 des Projektsteuerungsvertrags und der zugehörigen Anlage 1 näher bezeichnet. Bezüglich dieser Regelungen und des sonstigen Vertragsinhalts wird auf die Anlage K 3 verwiesen.

Neben der Beklagten waren an dem Bauprojekt zahlreiche weitere Unternehmen beteiligt. Bauausführende Generalunternehmerin war die F & G AG, über deren Vermögen durch Beschluss des Amtsgerichts Dortmund vom 01.06.2007 das Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Wegen der Einzelheiten des Generalunternehmervertrags wird auf die Anlage K 4 Bezug genommen. Mit Architektenvertrag vom 18.12.2002 (Anlage K 6) beauftragte die Klägerin die H+I J, K und Partner GbR – nunmehr H+I Architekten L M GbR (im Folgenden: klägerische Streitverkündete) – mit den Leistungsphasen 1 bis 8 gemäß § 15 HOAI 2002, wobei in der Leistungsphase 8 lediglich die künstlerische Oberleitung zu erbringen war, während die Grundleistung der Objektüberwachung bei der Beklagten lag. Die Tragwerksplanung gemäß § 64 HOAI oblag gemäß Vertrag vom 20.12.2002 (Anlage K 5) der N und Partner Baukonstruktionen Ingenieurgesellschaft mbH. Laut einem als Anlage B 1 vorgelegten – nicht unterzeichneten – Vertrag beauftragte die Klägerin ferner die O energie + haustechnik Ingenieurgesellschaft mbH (im Folgenden: O GmbH) mit den Leistungsphasen 1 bis 9 der technischen Ausrüstung gemäß § 73 HOAI 2002 u.a. für die Anlagengruppe Wärmeversorgungs-, Brauchwassererwärmungs- und Raumlufttechnik. Ob die Klägerin der O GmbH diese Leistungen tatsächlich übertragen hat, ist zwischen den Parteien streitig. Eine von der O GmbH für das Bauvorhaben erstellte „Entwurfsbeschreibung Raumlufttechnik“ (Anlage B 2) sah für die Häuser 6 bis 11 eine Betonkernaktivierung vor. Diese thermische Bauteilaktivierung basiert darauf, dass Außenluft durch Rohrleitungen in das Gebäudeinnere geführt und in den Betonkernen der Geschossdecken zur Kühlung verwendet wird. Die von der O GmbH vorgeschlagene Betonkernaktivierung wurde in den Häusern 6 bis 11 eingebaut, wobei das System „R-Luft Concretcool“ der Maschinenfabrik Gg. P GmbH zur Anwendung kam. Die zuletzt als Q – Gesellschaft für Consulting, Montage und Bauzubehörleistungen mbH firmierende O GmbH wurde zwischenzeitlich wegen Vermögenslosigkeit im Handelsregister gelöscht. Die A Versicherung AG, die Streithelferin der Beklagten, war die Betriebshaftpflichtversicherin dieser Gesellschaft.

Die Generalunternehmerin brachte auf die betonkernaktivierten Decken eine – teils rot, teils blau gefärbte – Haftbrücke auf. Sodann verputzte sie die Decken.

In Ziffer 6.10 der von der Liegenschaftsverwaltung herausgegebenen „Informationen zum Standort E“ (Anlage B 3) wurden die Nutzer des Neubaus auf die Betonkernaktivierung hingewiesen. Ein Öffnen der Bürofenster wurde nicht untersagt.

Die Abnahme der Bauleistungen der Generalunternehmerin erfolgte am 08.11./26.11.2004.

Ab dem Sommer 2006 zeigten sich im Deckenputz zahlreicher Büroräume der Häuser 6 bis 11 Hohlstellen und es fiel wiederholt Putz herab. Aufgrund der Insolvenz der Generalunternehmerin und der Ablehnung einer Mangelbeseitigung nach § 103 InsO fiel die Klägerin mit ihren Mängelansprüchen weitgehend aus.

Nach Behebung einiger Schäden sowie der Einholung mehrerer Gutachten zur Schadensursache und der geeigneten Sanierungsmethode, hinsichtlich deren Inhalts auf die Anlagen K 13 bis K 20 Bezug genommen wird, ließ die Klägerin im Zeitraum Dezember 2008 bis Dezember 2009 die Schäden schließlich so sanieren, dass die Stellen, an denen der Putz bereits herabgefallen war oder großflächige Hohlstellen vorlagen, unter Aufbringung einer neuen Haftbrücke neu verputzt und die übrigen Deckenflächen prophylaktisch durch die Injektion von Epoxidharz befestigt wurden, um ein zukünftiges Abfallen des Putzes zu verhindern. Insgesamt wurde eine Deckenfläche von ca. 27.000 m² bearbeitet.

Nach den klägerseits vorgelegten Rechnungen (Anlagen K 53 bis K 71) beliefen sich die Kosten für die Beseitigung der Schäden des Deckenputzes auf 4.122.821,08 €, wobei in dieser Summe auch Umzugs-, Reinigungs- und sonstige Nebenarbeiten sowie Gutachterkosten enthalten sind und auf die prophylaktische Injektion ein Betrag von 1.626.297,91 € entfällt. Hinsichtlich der Einzelheiten der geltend gemachten Kosten wird auf die Ausführungen in der Klageschrift (Bl. 60 bis 92 GA) Bezug genommen.

Neben den vorgenannten Mängeln am Deckenputz macht die Klägerin zahlreiche weitere Mängel der Bauleistungen – u.a. eine mit den sonstigen Deckenputzschäden nicht im Zusammenhang stehende Ablösung von Deckenputz im Treppenhaus 8.1 – geltend und beziffert die Kosten für die Behebung dieser Mängel mit 2.068.380,22 €. Hinsichtlich der Einzelheiten wird auf Bl. 93 bis 115 GA Bezug genommen.

Die von der Klägerin gerügten Mängel wurden in zwei Listen – der Gesamtmängelliste vom 02.06.2009/Anlage K 8-1 und der Liste der weiteren Mängel aus der Gewährleistungsbegehung vom 29.10.2009/Anlage K 8-2 – festgehalten. Die Mängel am Deckenputz der Büroräume erscheinen in der Liste vom 02.06.2009 als Mangel Nr. 98.

Die Klägerin hat die Ansicht vertreten, die Beklagte habe ihre Pflichten aus den beiden Verträgen vom 20.12.2002 nebst den Vertragsergänzungen verletzt und sich dadurch schadensersatzpflichtig gemacht. Die Mängel des Deckenputzes indizierten eine fehlerhafte Bauüberwachung durch die Beklagte. Der Beklagten habe aufgrund der beiden Vertragsergänzungen zum Architektenvertrag vom 20.12.2002 die fachplanerische Verantwortung bezüglich der Betonkernaktivierung und ihrer – angeblich – nachteiligen Auswirkungen auf den Deckenputz oblegen. Als Projektsteuerin sei sie zudem verpflichtet gewesen, die Klägerin über die vermeintlichen technischen Risiken der Betonkernaktivierung aufzuklären und gegebenenfalls von einer Entscheidung für diese Bauteilaktivierung abzuraten. Aufgrund des Ausmaßes der Schäden und der Gefahren für Leib und Leben der Nutzer des Objekts sei die Sanierung sämtlicher Decken erforderlich gewesen. Die Klägerin hat behauptet, die Generalunternehmerin habe den Deckenputz flächendeckend bei zu niedrigen Temperaturen auf noch nicht ausreichend getrockneten Beton aufgebracht und zudem die Haftbrücke zu dünn sowie ohne hinreichende Durchmischung ausgeführt. Diese Fehler bei der Bauausführung seien der Grund für die ab dem Sommer 2006 aufgetretenen Hohlstellen und das Abfallen des Putzes. Bei sorgfältiger Bauüberwachung hätte die Beklagte die Mängel erkennen und unterbinden müssen. Bei den Putzarbeiten an den Decken habe es sich vorliegend nicht um handwerkliche Selbstverständlichkeiten gehandelt. Die Betonkernaktivierung sei auf den vorliegenden Schadensfall ohne Einfluss gewesen, insbesondere habe die Betonkerntemperatur niemals weniger als 20° Celsius betragen. Die von der Beklagten behauptete schadensursächliche Kondensatbildung sei daher auszuschließen. Die Parteien hätten sich zudem auf das ausgeführte Sanierungsverfahren verständigt. Nach dem Abschluss der Deckensanierung sei es zu keinen weiteren Hohllagenbildungen und Ablösungen gekommen.

Die Klägerin hat als Klageantrag zu 1. zunächst angekündigt zu beantragen, die Beklagte zur Zahlung von 5.991.201,30 € zu verurteilen, wobei unter Abzug einer von der Gewährleistungsbürgin, der S Versicherung AG, vorprozessual geleisteten Zahlung von 200.000 € auf die Mängel am Deckenputz noch ein Betrag von 3.991.821,08 € entfiel. In dem vor dem Landgericht Köln unter dem Aktenzeichen 91 O 132/09 geführten Rechtsstreit der Klägerin gegen die Gewährleistungsbürgin ist diese durch rechtskräftiges Urteil vom 11.04.2013 (Anlage K 83 = Bl. 541 ff. Beiakte) verurteilt worden, an die Klägerin 3.741.495,21 € abzüglich der bereits durch Teil-Anerkenntnisurteil vom 26.04.2012 zuerkannten 2.070.425,85 € zu zahlen. Die weitere Zahlung der Gewährleistungsbürgin in Höhe des Differenzbetrags von 1.671.069,36 € hat die Klägerin auf die von ihr gegen die Beklagte geltend gemachte Forderung bezüglich des Deckenputzes angerechnet, so dass sie insoweit noch 2.251.751,72 € verlangt hat. In Höhe eines Betrages von 1.671.069,36 € hat die Klägerin daraufhin den Rechtsstreit in der Hauptsache für erledigt erklärt. Die Beklagte hat sich dieser teilweisen Erledigungserklärung nicht angeschlossen.

Die Klägerin hat zuletzt beantragt,

1. die Beklagte zu verurteilen, an sie 4.320.131,94 € nebst Zinsen hieraus in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit zu zahlen;

2. festzustellen, dass die Beklagte ihr darüber hinaus etwaige weitere Schäden zu ersetzen hat, die ihr dadurch entstehen, dass die Bauausführung am Bauvorhaben „Erweiterung der A-Hauptverwaltung“, B 10-20, C, folgende Mängel aufweist:

– Mängel gemäß Gesamtmängelliste vom 02.06.2009 (Anlage K 8-1)

– Mängel gemäß Mängelliste zur Gewährleistungsbegehung vom 29.10.2009 (Anlage K 8-2)

Die klägerische Streithelferin hat sich diesen Anträgen angeschlossen.

Die Beklagte hat beantragt,

die Klage abzuweisen.

Ihre Streithelferin hat keinen Antrag gestellt.

Die Beklagte hat die Auffassung vertreten, ihre vertraglichen Pflichten ordnungsgemäß erfüllt zu haben. Bei den aufgetretenen Hohlstellen und Ablösungen des Deckenputzes habe es sich lediglich um Ausreißer gehandelt, die eine Sanierung aller Deckenflächen – insbesondere die kostenintensive prophylaktische Injektion von Epoxidharz – nicht erforderlich gemacht hätten. Hinsichtlich der Betonkernaktivierung sei sie zu keiner Zeit mit planerischen Leistungen beauftragt worden. Ihre Aufgabe habe lediglich darin bestanden, die Ausführung auf Übereinstimmung mit der von der O GmbH erstellten Fachplanung zu überwachen. Auch in ihrer Funktion als Projektsteuerin habe ihr keine inhaltliche Prüfung der Fachplanung oblegen. Es sei vielmehr Sache der Klägerin gewesen, eine fehlerfreie Planung vorzulegen. Die Risiken der Betonkernaktvierung seien ihr zum damaligen Zeitpunkt nicht bekannt gewesen und hätten ihr auch nicht bekannt sein müssen. Sie hat behauptet, die Ursache der Putzschäden liege in einer Taupunktunterschreitung an den betonkernaktivierten Decken durch die Öffnung der Fenster bei feuchtwarmer Witterung. Die in die Räume einströmende warme Luft habe sich an der kühleren Decke niedergeschlagen und sei über den Putz in die Betondecke diffundiert, was zu einer Auflösung der Gipskristallstruktur des Putzes geführt habe, mit der Folge, dass sich Hohlstellen und Ablösungen gebildet hätten. Das Verputzen der Decken sei nach dem weitgehenden Verschließen der Fassaden bei Temperaturen über 5° Celsius erfolgt. Ihr Bauleiter habe sich durch eigene Prüfungen von der Verputzreife des Betons vergewissert. Es seien ausreichende Winterbaumaßnahmen ergriffen worden, die Gebäude seien allseits abgedichtet und beheizt worden.

Das Landgericht hat im Einvernehmen mit den Parteien die Verhandlung und Entscheidung auf die Frage beschränkt, ob der Klägerin dem Grunde nach ein Schadensersatzanspruch für die Schäden am Deckenputz in den Büroräumen der Häuser 6 bis 11 zusteht. In der mündlichen Verhandlung vom 19.07.2013 (Bl. 437 R GA) hat es darauf hingewiesen, dass bezüglich der Bauüberwachungsmaßnahmen kein ausreichender Vortrag vorliegen dürfte. Mit Beschluss vom 25.04.2014 (Bl. 1070 f. GA) hat es weitere Hinweise erteilt. Im Beweisbeschluss vom 08.12.2014 (Bl. 1175 f. GA) hat das Landgericht gemäß § 411a ZPO die Verwertung des von dem gerichtlich bestellten Sachverständigen Dr.-Ing. T im Rechtsstreit gegen die Gewährleistungsbürgin erstatteten schriftlichen Gutachtens vom 25.07.2012 (Anlage K 27-1) angeordnet, in dem sich der Sachverständige u.a. mit der Ursache für die Hohlstellen und Ablösungen des Deckenputzes befasst hat. Ferner hat es dem Sachverständigen aufgegeben, ergänzend dazu Stellung zu nehmen, ob das gefundene Ergebnis unter Berücksichtigung der sich aus der Anlage K 174 ergebenden Zeiten zwischen der Betonierung und dem Verputzen der jeweiligen Decken, der fehlenden Putzschäden an den Wänden und dem Inhalt der nunmehr vorgelegten Privatgutachten aufrechtzuerhalten ist. Sein unter dem 11.05.2015 (Bl. 1204 ff. GA) erstattetes schriftliches Gutachten hat der Sachverständige im Termin vom 15.07.2016 mündlich erläutert (Bl. 1471 ff. GA).

Sodann hat das Landgericht mit Grund- und Teilurteil vom 16.09.2016 den Anspruch der Klägerin gegen die Beklagte auf Ersatz des Schadens infolge der Deckenputzschäden – mit Ausnahme der Deckenputzablösung im August 2012 im Treppenhaus 8.1 – dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt und gemäß den Entscheidungsgründen die Entscheidung über die Höhe dieses Schadensersatzanspruchs sowie die übrigen geltend gemachten Ansprüche und den Feststellungsantrag dem Schlussurteil vorbehalten. Zur Begründung hat das Landgericht im Wesentlichen ausgeführt:

Die Klägerin habe dem Grunde nach einen Anspruch auf Erstattung der ihr durch den mangelhaften Deckenputz in dem Neubauvorhaben entstandenen Schäden, da die Beklagte die ihr vertraglich obliegenden Objektüberwachungspflichten schuldhaft verletzt und dadurch einen Schaden der Klägerin verursacht habe. Zwar trage grundsätzlich der Auftraggeber die Darlegungs- und Beweislast für eine unzureichende Bauüberwachung. Beim Vorliegen von Baumängeln streite jedoch ein Anscheinsbeweis dafür, dass auch ein Bauüberwachungsfehler des Architekten gegeben sei.

Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme stehe fest, dass die in dem Objekt aufgetretenen Schäden des Deckenputzes auf einer mangelhaften Bauausführung beruhten, da die Verputzarbeiten durchgängig bei zu niedrigen Temperaturen ausgeführt worden seien. Dies folge aus den überzeugenden schriftlichen und mündlichen Ausführungen des Sachverständigen Dr.-Ing. T. Entgegen der Ansicht der Beklagten habe das in dem Rechtsstreit gegen die Gewährleistungsbürgin erstattete Gutachten des Sachverständigen gemäß § 411a ZPO verwertet werden können. Der Sachverständige habe nachvollziehbar dargelegt, dass Putz nach den Regeln der Technik (DIN 18550) nur dann aufgebracht werden dürfe, wenn die Oberflächentemperatur des Betons mindestens 5° Celsius betrage. Diese Mindesttemperatur müsse auch während der zwei- bis dreitägigen Erhärtungszeit durchgehend vorliegen. Werde bei niedrigeren Temperaturen verputzt, könne sich die Verkrallung bei der Aushärtung des Gipsputzes, die zur Haftung an der Betondecke führe, nicht beziehungsweise nicht in der erforderlichen Stärke ausbilden. Nach den Feststellungen des Sachverständigen habe die erforderliche Mindesttemperatur zur Zeit der Verputzarbeiten im Januar und Februar 2004 nicht vorgelegen. Vielmehr habe die Durchschnittstemperatur im Januar 2004 lediglich 2,6° Celsius und im Februar 2004 4,3° Celsius betragen. Zudem hätten nach den sachverständigen Feststellungen im Dezember 2003 62 Prozent der Monatsstunden eine Temperatur von unter 5° Celsius aufgewiesen, im Januar 2004 70 Prozent und im Februar 2004 60 Prozent. Soweit die Beklagte auf abweichende – spätere – Zeitpunkte hinsichtlich des Verputzens der Decken abstelle, könnten diese Zeiten nicht Grundlage der Betrachtung sein, da es sich nach den eigenen Angaben der Beklagten lediglich um spekulative Hochrechnungen anhand der ursprünglichen, indes nicht eingehaltenen Bauzeitplanung handele. Es könne nicht festgestellt werden, dass im Zeitraum der streitbefangenen Putzarbeiten Winterbaumaßnahmen, die zu einer konstanten Oberflächentemperatur der Betondecken von mehr als 5° Celsius geführt hätten, ergriffen worden seien. Der Vortrag der Beklagten bezüglich der angeblichen Winterbaumaßnahmen sei nicht ausreichend substantiiert. Die für die Durchführung der Winterbaumaßnahmen angebotenen Zeugen seien daher nicht zu vernehmen gewesen, da dies eine prozessual unzulässige Ausforschung dargestellt hätte. Die vorgelegten Lichtbilder seien unergiebig. Weiter sei nach den Feststellungen des Sachverständigen davon auszugehen, dass jedenfalls die Betondecken in den oberen Geschossen des streitgegenständlichen Objekts zu einem Zeitpunkt verputzt worden seien, als die aus der Betonage herrührende Feuchtigkeit im Bereich der Deckenoberfläche mehr als die zulässigen 2,5 bis 3 Prozent betragen habe. Zudem sei die Haftbrücke, die ebenfalls nur bei Temperaturen über 5° Celsius habe verarbeitet werden dürfen, zumindest teilweise nicht ordnungsgemäß – sondern zu dünn beziehungsweise nicht ausreichend durchmischt – aufgebracht worden. Diese Umstände hätten die Haftfähigkeit des Putzes gleichfalls beeinträchtigt. In welchem Umfang tatsächlich von nicht ausreichenden Trocknungszeiten oder einer fehlerhaften Haftbrücke auszugehen sei, könne indes offenbleiben, da schon allein das Verputzen bei zu niedriger Temperatur dazu geführt habe, dass sich die Haftung des Gipsputzes nicht richtig habe ausbilden können.

Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme sei auszuschließen, dass die Betonkernaktivierung in Verbindung mit dem Öffnen der Fenster bei sommerlich warmer Witterung die Ursache für die aufgetretenen Putzschäden sei. Zwar könne es grundsätzlich zu Taupunktunterschreitungen und damit zum Ausfall von Feuchtigkeit an der gekühlten Decke kommen. Es stehe indes nicht fest, dass die Betonkernaktivierung hier so betrieben worden sei, dass an der Deckenoberfläche die für eine Taupunktunterschreitung notwendige Temperatur von weniger als 19° Celsius vorgelegen habe. Dies könne aber letztlich ebenso dahinstehen wie die Frage, ob in einer solchen Situation die Nutzer der Räumlichkeiten bei extrem hohen Außentemperaturen die Fenster geöffnet hätten. Denn selbst wenn es zu Taupunktunterschreitungen gekommen sein sollte, seien diese nicht die Ursache für die Putzschäden, weil gemäß den Ausführungen des Sachverständigen der aufgebrachte Gipsputz in erheblichem Umfang Wasser aufnehmen könne und diese Feuchtigkeit nicht zwingend in den Beton weiterwandere, weil dieser kühler sei. Die Feuchtigkeit orientiere sich vielmehr an dem Wasserdampfpartialdruckgefälle. Anhaltspunkte für einen nachträglichen Feuchteeintrag in den Betonkern gebe es nicht. Zudem hätte sich ein massiver Anfall von Feuchtigkeit zunächst an der Oberfläche des Putzes durch feuchte Stellen oder Tropfenbildung bemerkbar machen müssen, bevor sich aufgrund des Feuchteeintrages Putzstücke lösten und abfielen. Schließlich sei auszuschließen, dass es aufgrund von Wärme- und Feuchtigkeitseinwirkungen auf den Putz zu Veränderungen im Spannungsverhältnis zwischen Putz und Betondecke gekommen sei, die zu einem Abfallen des Putzes geführt hätten. Der Putz sei darauf ausgelegt, solche Belastungen auszuhalten. Aus dem Umstand, dass bei den in denselben Zeiträumen verputzten Wänden keine Putzschäden aufgetreten seien, könne die Beklagte nichts für sie Günstiges herleiten, da sich eine fehlende Haftfähigkeit aufgrund einer temperaturbedingt nicht oder nicht vollständig eingetretenen Verkrallung bei Decken und Wänden unterschiedlich auswirke. Dass die Schäden am Deckenputz insbesondere im Sommer und auch erst nach einigen Jahren aufgetreten seien, sei damit zu erklären, dass die Schwindvorgänge des Betons nach drei bis fünf Jahren abgeschlossen gewesen seien, so dass erst dann die maximale Spannung zwischen der durch Schwindvorgänge verringerten Betonausdehnung und dem Gipsputz vorgelegen habe. In den Sommermonaten sei die Spannung durch die höheren Temperaturen dann besonders stark gewesen. Die beklagtenseits beantragte bauphysikalische Berechnung sei nicht einzuholen gewesen, weil es bereits an den erforderlichen Anknüpfungstatsachen fehle.

Der Beklagten sei es schließlich nicht gelungen, den damit gegen sie streitenden Anscheinsbeweis einer mangelhaften Bauüberwachung auszuräumen, da sie ausreichende Überwachungsmaßnahmen weder dargelegt noch bewiesen habe. Die hier durchgeführten Deckenputzarbeiten hätten der Bauüberwachung durch die Beklagte bedurft. Soweit die Ansicht vertreten werde, Putzarbeiten im Innenbereich müssten als handwerkliche Selbstverständlichkeiten nicht von dem Architekten überwacht werden, gelte dies nicht uneingeschränkt. Die vorliegenden, umfangreichen Putzarbeiten seien nach dem Eintritt einer Bauzeitverzögerung in den Wintermonaten bei zu niedrigen Temperaturen durchgeführt worden. Angesichts dieser besonderen, risikoerhöhenden Umstände hätte die Beklagte zumindest stichprobenartig die mangelfreie Auftragung des Putzes kontrollieren müssen. Der Vortrag der Beklagten bezüglich ihrer Bauüberwachungsmaßnahmen sei unsubstantiiert, den angebotenen Beweisen daher aufgrund des Ausforschungsverbots nicht nachzugehen. Es sei trotz Hinweises in der mündlichen Verhandlung vom 19.07.2013 weiterhin nicht ersichtlich, welche Tätigkeiten die Mitarbeiter der Beklagten insoweit konkret entfaltet hätten. Die bloße Wiedergabe von Bauüberwachungsaufgaben und die Behauptung, diese wahrgenommen zu haben, seien kein ausreichender Vortrag. Die Beklagte habe nicht konkretisiert, wann, an welchem Gebäudeteil und durch wen sie die fraglichen Überwachungsmaßnahmen ausgeführt habe. Auch lege sie hierzu keinerlei Unterlagen vor. Da bereits die Klägerin auf diese Umstände hingewiesen habe, habe es eines gerichtlichen Hinweises nicht bedurft. Zudem ergebe sich schon aus den vorgelegten Bautagebüchern in Verbindung mit den Temperaturdaten, dass der weitere Vortrag der Beklagten, sie habe sichergestellt, dass Decken erst nach 70 frostfreien Tage seit dem Ausschalen verputzt worden seien, unzutreffend sei.

Wegen der weiteren Einzelheiten des erstinstanzlichen Sachvortrags der Parteien sowie der tatsächlichen Feststellungen und der Begründung des Landgerichts wird gemäß § 540 Abs. 1 Nr. 1 ZPO auf die Ausführungen in dem angefochtenen Urteil verwiesen.

Dagegen richtet sich die form- und fristgemäß eingelegte und begründete Berufung der Beklagten, mit der sie unter Wiederholung und Vertiefung ihres erstinstanzlichen Vortrags ihren Klageabweisungsantrag weiterverfolgt.

Sie äußert Zweifel an der Zulässigkeit des Grundurteils. Ein solches Urteil dürfe nur ergehen, wenn feststehe, dass alle in der Klage zusammengefassten Teilansprüche dem Grunde nach gerechtfertigt seien; anderenfalls müsse eine teilweise Klageabweisung erfolgen. Aus dem Urteil müsse hervorgehen, ob über jede Einzelposition dem Grunde nach entschieden worden sei. Vorliegend stehe hingegen nicht fest, dass die Mängel der Bauausführung alle Decken betroffen hätten. Ein Verputzen sämtlicher Decken bei zu niedrigen Temperaturen sei nicht belegt, da hinsichtlich zahlreicher Flächen – insbesondere der Häuser 6 und 7 – unklar geblieben sei, wann der Putz tatsächlich aufgetragen worden sei. Zudem habe das Landgericht offen gelassen, ob und in welchem Umfang die Schäden des Deckenputzes auf nicht ausreichenden Trocknungszeiten beziehungsweise einer fehlerhaften Haftbrücke beruhten. Insoweit lasse das Urteil nicht erkennen, ob solche Ansprüche verneint oder hierzu im Betragsverfahren noch Feststellungen getroffen werden sollten. Das angegriffene Urteil behandele zudem fälschlicherweise nicht alle zum Anspruchsgrund gehörenden Fragen. Dies betreffe die beklagtenseits vorgetragene Mitursächlichkeit von der Klägerin zu vertretender Umstände wie die Vorschädigung des Haftverbundes infolge Tauwasseranfalls und die schadensauslösenden temperatur- und feuchtigkeitsbedingten Faktoren, die Schadenserhöhung durch die nicht erforderliche prophylaktische Injektion und die unbrauchbaren – weil von unzutreffenden Anknüpfungstatsachen ausgehenden – Privatgutachten der Klägerin, die klägerseitige Unterlassung gebotener Aufklärungsmaßnahmen, die Vorteilsausgleichung und schließlich die Verjährung. Diese Aspekte seien auch nicht dem Betragsverfahren vorbehalten worden.

Das Landgericht habe das im Rechtsstreit gegen die Gewährleistungsbürgin von dem Sachverständigen Dr.-Ing. T erstattete Gutachten ermessensfehlerhaft nach § 411a ZPO verwertet.

Soweit das Landgericht in der Sache angenommen habe, die Decken des streitgegenständlichen Objekts seien bei Temperaturen unter 5° Celsius verputzt worden, sei es verfahrensfehlerhaft zu diesem Ergebnis gelangt. Entgegen der landgerichtlichen Auffassung liege die Darlegungs- und Beweislast für eine fehlerhafte Bauausführung – und damit auch für das Fehlen von (ausreichenden) Winterbaumaßnahmen – bei der Klägerin. Aber selbst wenn man insoweit die Beklagte für darlegungs- und beweisbelastet erachte, habe das Landgericht den beklagtenseitigen Vortrag hinsichtlich der Winterbaumaßnahmen zu Unrecht als unsubstantiiert angesehen und damit ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Ihr diesbezügliches Vorbringen sei hinreichend eindeutig, die von dem Landgericht vermissten Einzelheiten zu den genauen Umständen der Winterbaumaßnahmen hätten nicht vorgetragen werden müssen. Entgegen seiner aus § 139 ZPO folgenden Verpflichtung zur Erteilung rechtzeitiger Hinweise habe das Landgericht erstmals im Termin vom 15.07.2016 auf seine Bedenken hinsichtlich einer ausreichenden Substantiierung bezüglich der Winterbaumaßnahmen hingewiesen und keine Frist zu einer schriftlichen Stellungnahme gewährt. In diesem Fall hätte die Beklagte – wie nunmehr unter Vorlage der Anlagen B 81 bis B 83 geschehen – bereits erstinstanzlich vorgetragen, dass bei der Generalunternehmerin eine Nachunternehmerliste für das streitbefangene Bauvorhaben existiere, in der die Firma U für das Gewerk „Heiz- und Austrocknung“ aufgeführt werde. Ferner sei zu bedenken, dass nicht jede Unterschreitung der Mindesttemperatur von 5° Celsius zur Zeit des Verputzens zu einer Beschädigung des Putzes führe. Das Schadensbild an dem streitgegenständlichen Objekt sei mit der von dem Landgericht angenommenen Schadensursache eines Verputzens bei zu niedrigen Temperaturen, die ohnehin nicht bezüglich sämtlicher Decken habe festgestellt werden können, nicht vereinbar. Hierzu trägt die Beklagte unter Verweis auf die Anlage K 137 im Rechtsstreit Landgericht Köln 91 O 132/09 erstmals vor, die Putzschäden befänden sich durchweg in Bereichen, die in besonderem Maße der Einwirkung durch die Betonkernaktvierung beziehungsweise die geöffneten Fenster ausgesetzt gewesen seien. Zudem seien die Schäden nicht flächendeckend, sondern gehäuft lediglich in einzelnen Etagen beziehungsweise Bauabschnitten aufgetreten. Dem Vortrag der Beklagten, die Kondensatbildung an der Decke sei für die Schäden des Putzes zumindest mitursächlich gewesen, sei das Landgericht verfahrensfehlerhaft nicht in dem gebotenen Umfang nachgegangen. Soweit das Landgericht den Ausführungen des Sachverständigen, Feuchtigkeit folge dem Wasserdampfpartialdruckgefälle und habe sich deshalb nicht zwingend in Richtung des gekühlten Betonkerns bewegt, gefolgt sei, sei diese Ansicht wissenschaftlich nicht haltbar. Bei gleicher relativer Feuchtigkeit, wie sie hier vorgelegen habe, sei der Druck in dem Bereich mit höherer Temperatur größer als in der kälteren Zone, so dass eine Diffusion in Richtung der Kältequelle – hier des gekühlten Betonkerns – erfolge. Dem Sachverständigen fehle insgesamt die erforderliche Sachkunde, insbesondere Kenntnisse auf dem Gebiet der Bauphysik und der Materialkunde. Entgegen dem angefochtenen Urteil seien hinreichende Anhaltspunkte gegeben, dass die Betonkernaktivierung so betrieben worden sei, dass an der Deckenoberfläche die für eine Taupunktunterschreitung notwendige geringe Temperatur aufgetreten sei. Die Annahme, an der Oberfläche der Decke hätten sich, bevor es zu einem Ablösen des Putzes gekommen sei, Feuchtigkeitsflecken und Wassertropfen zeigen müssen, sei unzutreffend. Zu Unrecht gehe das Landgericht ferner davon aus, die Umgebungsbedingungen für die Zeit bis zum Auftreten der Putzschäden seien nicht mehr rekonstruierbar. Vielmehr ließen sich aus der angebotenen und fälschlicherweise nicht eingeholten bauphysikalischen Simulationsberechnung entsprechende Erkenntnisse gewinnen. Des Weiteren sei davon auszugehen, dass auch ohne eine Kondensatbildung bereits eine hohe Wasserdampfkonzentration den Haftverbund des Gipsputzes geschädigt habe. Ein geschwächter Haftverbund infolge mangelhafter Bauausführung könne jedenfalls nicht die alleinige Ursache für die streitgegenständlichen Schäden gewesen sein. Aufgrund der Betonkernaktivierung in Verbindung mit dem Nutzerverhalten sei es zu erhöhten Spannungen zwischen Beton und Putz gekommen, die zumindest als Auslöser die fraglichen Schäden verursacht hätten. Diese Ursache sei von der Klägerin zu vertreten. Diese müsse sich das Verschulden der O GmbH als ihrer Fachplanerin zurechnen lassen. Auch habe die Klägerin die Betonkernaktivierung mit zu niedrigen Temperaturen unter gleichzeitiger Öffnung der Fenster bei feuchtwarmen Temperaturen selbst nach dem Auftreten der ersten Putzschäden nicht unterbunden. Insgesamt sei daher von einem zumindest hälftigen Mitverschulden der Klägerin auszugehen.

Die Beklagte beantragt,

unter Abänderung des angefochtenen Urteils die Klage abzuweisen,

hilfsweise,

den Rechtsstreit an das Landgericht Köln zurückzuverweisen.

Die Streithelferin der Beklagten stellt keinen Antrag.

Die Klägerin beantragt,

die Berufung zurückzuweisen.

Diesem Antrag hat sich die klägerische Streithelferin angeschlossen.

Die Klägerin verteidigt unter Wiederholung und Vertiefung ihres erstinstanzlichen Vorbringens das angefochtene Urteil.

Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes im Berufungsverfahren wird auf den Inhalt der zwischen den Parteien gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen Bezug genommen.

II.

Die zulässige Berufung ist unbegründet.

1. Ohne Erfolg wendet sich die Beklagte zunächst gegen den Erlass eines Grundurteils. Das Landgericht hat in der angegriffenen Entscheidung rechtsfehlerfrei die Voraussetzungen für den Erlass eines Grundurteils gemäß § 304 ZPO bejaht.

a) Die Klägerin macht einen Schadensersatzanspruch in Form eines Zahlungsanspruchs geltend, wobei Grund und Höhe dieses Anspruchs streitig sind. In einem solchen Fall ist eine Aufspaltung in Grund- und Betragsverfahren grundsätzlich möglich und in der Regel auch sinnvoll, wenn sowohl zum Grund als auch zur Höhe des Anspruchs umfangreich Beweis zu erheben ist und sich eine zeit- und kostenintensive Beweisaufnahme zur Höhe als entbehrlich erweisen könnte, wenn schon eine Haftung der Beklagtenseite dem Grunde nach mangels schuldhafter Pflichtverletzung nicht festgestellt werden könnte (Senat, Urteil vom 22.03.2013 , 19 U 111/12, juris Rn. 50).

b) Die Zulässigkeitsvoraussetzungen für den Erlass eines Grundurteils sind gegeben. Die Zulässigkeit eines Grundurteils nach § 304 ZPO setzt voraus (OLG Hamm, Urteil vom 14.10.2005, 30 U 216/04, juris Rn. 99 m.w.N.), dass

– ein bezifferter (mengenmäßig bestimmter) Anspruch geltend gemacht wird, was hier unproblematisch der Fall ist;

– der Anspruch nach Grund und Höhe streitig ist, was hier ebenfalls vorliegt;

– der Streit über den Grund entscheidungsreif ist, und zwar im bejahenden Sinn, anderenfalls muss eine Klageabweisung, gegebenenfalls durch (Teil-) Endurteil, erfolgen;

– und der geltend gemachte Anspruch auch unter Berücksichtigung der Einwendungen gegen ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit in irgendeiner Höhe besteht.

aa) Der die Entscheidungsreife über den Grund betreffende Einwand der Beklagten (Bl. 1689 GA), das Grundurteil lasse „die Aufteilung der Ansprüche“ vermissen, da „nicht für alle Teilansprüche gleiche Feststellungen“ vorlägen, ist unzutreffend.

Richtig ist allerdings, dass ein einheitliches Grundurteil über einen „Gesamtanspruch“ nicht ergehen darf, solange nicht feststeht, welche von mehreren in der Klage zusammengefassten Teilansprüchen dem Grunde nach gerechtfertigt sind (Zöller/Vollkommer, ZPO, 31. Aufl., § 304 Rn. 12 m.w.N., auch zum Folgenden). Auch bei der Geltendmachung eines einheitlichen, aus einer Mehrheit von Einzelposten zusammengesetzten Anspruchs muss hinsichtlich jedes Einzelpostens zweifelsfrei feststehen, ob er abschließend beschieden oder der Zwischenentscheidung über den Grund zugeordnet ist. Auch muss ein Grundurteil regelmäßig alle Anspruchsgrundlagen abhandeln (vgl. hierzu und zum Folgenden: BGH, Urteil vom 13.06.1978, VI ZR 39/77, juris Rn. 13 m.w.N.). Etwas anderes gilt nur, wenn feststeht, dass der festgestellte Klagegrund für die Höhe des gesamten eingeklagten Betrags ausreicht und der andere Klagegrund daneben ohne eigene Bedeutung bleibt.

Diesen Anforderungen wird die angefochtene Entscheidung gerecht.

Das Landgericht hat – in nicht zu beanstandender Weise – angenommen, dass ein Baumangel bezüglich des Deckenputzes vorlag, da der Putz bei zu niedrigen Temperaturen aufgetragen wurde und er sich deshalb bei der Aushärtung nicht beziehungsweise nicht mit der erforderlichen Stärke in der Betondecke verkrallen konnte. Die entsprechenden landgerichtlichen Ausführungen können – anders als die Beklagte offenbar meint – dabei nur so verstanden werden, dass dieser Fehler bei der Bauausführung durchweg und hinsichtlich aller Decken in den Büroräumen gegeben war. Dies folgt schon daraus, dass das Landgericht es im Hinblick auf das Verputzen bei zu niedriger Temperatur hat ausdrücklich dahinstehen lassen, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang über diese Schadensursache hinaus von nicht ausreichenden Trocknungszeiten oder einer fehlerhaften Haftbrücke auszugehen ist. Da somit bereits einer der nach dem klägerischen Vortrag in Betracht kommenden Mängel (Verputzen bei zu niedriger Temperatur) kausal für sämtliche Schäden des Deckenputzes war, bedurfte die Frage, ob kumulativ weitere Ursachen (zu hohe Restfeuchte des Betons, fehlerhaft ausgeführte Haftbrücke), für welche die Beklagte ebenfalls verantwortlich wäre, dieselben Schäden (mit-) verursacht hatten, richtigerweise keiner abschließenden Klärung mehr.

Aus vergleichbaren Erwägungen ist das Grundurteil auch nicht deshalb unzulässig, weil das Landgericht lediglich eine Verletzung der der Beklagten aufgrund des Architektenvertrags vom 20.12.2002 obliegenden Objektüberwachungspflicht (Leistungsphase 8 gemäß § 15 HOAI 2002) thematisiert hat, nicht aber die nach dem Vorbringen der Klägerin ebenfalls in Betracht kommenden Verletzungen der Pflichten aus den der Beklagten durch die Vertragsergänzungen vom 20./27.05.2003 und 22.04./11.05.2004 übertragenen Leistungsphasen 8 und 9 der technischen Ausrüstung gemäß § 73 HOAI 2002 sowie des Projektsteuerungsvertrags vom 20.12.2002. Da das Landgericht bereits einen alle klägerseits geltend gemachten Schäden am Deckenputz umfassenden Schadensersatzanspruch wegen mangelhafter Bauüberwachung nach §§ 631, 633, 634 Nr. 4, 280 Abs. 1 BGB bejaht hatte, musste es nicht mehr prüfen, ob andere Tatsachen diese Anspruchsgrundlage ebenfalls ausfüllten oder sich ein Anspruch auf Ersatz der fraglichen Schäden auch noch aus sonstigen Anspruchsgrundlagen ergab.

bb) Soweit die Beklagte weiter rügt, das Grundurteil sei auch deshalb fehlerhaft, weil die angefochtene Entscheidung nicht alle zum Grund des Anspruchs gehörenden Fragen abhandele, greift auch dieser Einwand nicht durch.

§ 304 ZPO erfordert grundsätzlich eine vollständige Entscheidung über den Grund des Anspruchs und erlaubt deshalb keine Entscheidung nur über einzelne Elemente der Begründetheit einer Klage (BGH, Urteil vom 12.07.1989, VIII ZR 286/88, juris Rn. 11). Ferner gehören alle den Anspruchsgrund in vollem (wesentlichen) Umfang leugnenden Einwendungen und Einreden in das Verfahren über den Grund (Zöller/Vollkommer, ZPO, 31. Aufl., § 304 ZPO Rn. 8 f. m.w.N.).

(1) Zu Unrecht vermisst die Beklagte zunächst Ausführungen zu „von der Klägerin zu vertretender Umstände wie Vorschädigung des Haftverbundes an der Grenzfläche infolge Tauwasserausfall“ und einer angeblichen „Mitursächlichkeit der die Hohllagen auslösend bewirkenden temperatur- und feuchtigkeitsbedingten Faktoren“ (Bl. 1691 GA). Diese Einwände beziehen sich auf den von der Beklagten als (mit-) ursächlich für die Schäden am Deckenputz erachteten Einfluss der Betonkernaktivierung. Mit diesem Aspekt hat sich das Landgericht jedoch auf S. 15 bis 18 seines Urteils ausführlich auseinandergesetzt und, gestützt auf die Ausführungen des gerichtlich bestellten Sachverständigen, eine Schadensbeeinflussung durch die Betonkernaktivierung jedenfalls deshalb verneint, weil Deckenputz eine große Menge Wasser aufnehmen könne und diese Feuchtigkeit aufgrund des Wasserdampfpartialdruckgefälles sich nicht zwingend in Richtung des kühleren Betonkerns bewege. Ferner hat es ausgeschlossen, dass es aufgrund von Wärme- und Feuchtigkeitseinwirkungen auf den Putz zu schadensauslösenden Veränderungen im Spannungsverhältnis zwischen Putz und Betondecke gekommen ist (S. 17 des Urteils).

(2) Soweit die Beklagte meint, die klägerseits vorgelegten Privatgutachten seien fehlerhaft und die für sie angefallenen Kosten daher nicht ersatzfähig, greift dieser Einwand, selbst wenn die Gutachten inhaltlich falsch seien sollten, nicht durch. Grundsätzlich sind die Kosten für die Erstellung eines Sachverständigengutachtens auch dann zu ersetzen, wenn sich das Gutachten objektiv als ungeeignet herausstellt (vgl. OLG Düsseldorf, Urteil vom 11.09.2006, 1 U 61/06, juris Rn. 35 m.w.N., auch zum Folgenden). Die sachverständige Schadensfeststellung ist prinzipiell Teil der vom Schädiger gemäß § 249 BGB geschuldeten Herstellung. Das Risiko des Fehlschlags oder einer inhaltlichen Unrichtigkeit der Begutachtung muss daher der Schädiger tragen, solange den Geschädigten hinsichtlich der sorgfältigen Auswahl und zutreffenden Information des Gutachters kein Verschulden trifft. Derartige Umstände sind hier nicht ersichtlich. Bei den Privatgutachtern der Klägerin handelte es sich offenkundig um Fachleute. Da die Begutachtung komplexe bautechnische und physikalische Probleme betraf, wäre es auch nicht ungewöhnlich, wenn die fraglichen Gutachten die aufgeworfenen Fragen nicht beziehungsweise nicht vollständig zutreffend beantwortet hätten. Dass die klägerseitigen Privatgutachten zumindest nicht völlig unbrauchbar waren, folgt im Übrigen schon daraus, dass die Privatgutachter der Beklagten sich mit ihnen umfänglich inhaltlich auseinandergesetzt haben. In Anbetracht der Schwierigkeit der Materie ist es auch nicht zu beanstanden, dass die Klägerin mehrere Privatgutachten eingeholt hat.

(3) Es kann dahinstehen, ob die Vorteilsausgleichung ein Gesichtspunkt ist, der beim Erlass eines Grundurteils zu erledigen ist. Dieser Einwand der Beklagten zielt auf den sogenannten „Abzug neu für alt“, da die Decken bei der Sanierung in den Jahren 2008/2009 bereits mehrere Jahre alt waren. Ein solcher Abzug kommt hier aber schon deshalb nicht in Betracht, weil der Deckenputz bereits zum Zeitpunkt seiner Erstellung aufgrund des Verputzens bei durchgängig zu niedrigen Temperaturen mangelhaft war. Ersichtlich handelte es bei der prophylaktischen Befestigung des Deckenputzes auch nicht um Sowiesokosten, da diese Kosten nicht angefallen wären, wenn die Beklagte ihre Pflicht zur Bauüberwachung erfüllt und so die Anbringung eines mangelhaften Deckenputzes verhindert hätte.

(4) Der klägerische Anspruch ist auch nicht verjährt. Nach Auffassung der Beklagten soll die Klage infolge der teilweisen Erledigungserklärung der Klägerin, mit der diese auf die Zahlung der 1.671.069,36 € durch die Gewährleistungsbürgin prozessual reagiert hat, ihre verjährungshemmende Wirkung verloren haben, weil nunmehr unklar sei, auf welche der verschiedenen Einzelpositionen, aus denen sich der Schaden am Deckenputz zusammensetze, die zuvor in voller Höhe erhobene Klage noch gestützt werde (Bl. 676 GA). Wie die Leistung der S Versicherung AG verrechnet wurde, hat die Klägerin indes bereits mit Schriftsatz vom 08.11.2013 (Bl. 458 GA) im Einzelnen dargelegt. Was an diesen Ausführungen unzutreffend oder unklar sein soll, ist nicht ersichtlich und wird beklagtenseits auch nicht weiter dargelegt.

(5) Soweit die Beklagte der Klägerin die „Unterlassung gebotener Aufklärungsmaßnahmen hinsichtlich der sich aus dem Schadensbild aufbringenden Mitursächlichkeit der Deckenkühlung in Verbindung mit geöffneten Fenstern“ (Bl. 1692 GA) vorwirft, hat dieser Einwand gleichfalls keinen Erfolg. Falls er sich auf die vermeintliche Mitursächlichkeit der Betonkernaktvierung für die Putzschäden bezieht, so hat sich das Landgericht damit – wie oben dargelegt – sehr wohl auseinandergesetzt und einen derartigen Einfluss der gekühlten Decke gerade verneint. Sollte der beklagtenseitige Vortrag hingegen auf den klägerseits unstreitig nicht erfolgten Hinweis an die Mieterin bzw. die Nutzer des Objekts, die Fenster der Büros bei feuchtwarmer Witterung nicht zu öffnen, abzielen, so betrifft dieser Aspekt ein mögliches Mitverschulden der Klägerin gemäß § 254 Abs. 1 BGB an der Schadensentstehung. Dieser Einwand würde indes voraussetzen, dass die Betonkernaktivierung überhaupt (mit-) ursächlich für die Schäden des Deckenputzes war. Ebendies hat das Landgericht richtigerweise verneint.

(6) Schließlich geht der beklagtenseitige Einwand, zumindest die prophylaktischen Injektionen in die (noch) nicht von Hohlstellen und Putzablösungen betroffenen Deckenflächen seien nicht notwendig gewesen, ins Leere. Dieses Vorbringen zielt auf ein Mitverschulden nach § 254 Abs. 2 Satz 1 BGB, da nach Ansicht der Beklagten diese Arbeiten zur Schadensbeseitigung nicht erforderlich waren. Insoweit ist unstreitig, dass nicht in allen der 1.197 überprüften Räume des Objekts Putzschäden vorlagen, sondern lediglich in rund 200 Räumen, wobei diese Schäden nur einzelne Bereiche der Decken betrafen. Das für die Mängel ursächliche Verputzen bei zu niedrigen Temperaturen betraf indes sämtliche Decken, so dass zukünftig mit weiteren Hohlstellen und Abplatzungen zu rechnen war. Es gab daher keine praktikable Alternative zur vorbeugenden Behandlung auch der noch nicht von derartigen Beeinträchtigungen betroffenen Deckenflächen. Zwar hätte man sich bezüglich dieser Bereiche theoretisch etwa auf eine regelmäßige Kontrolle der Decken oder eine prophylaktische Behandlung nur der Flächen oberhalb der Arbeitsplätze beschränken können. Es liegt auf der Hand, dass eine Gefahr durch herabfallende Putzteile indes nicht nur im Bereich der Arbeitsplätze, sondern überall dort bestand, wo die Decken mangelhaft ausgeführt worden waren. Folglich war der Deckenputz in sämtlichen Büroräumen des Neubauvorhabens zu sanieren.

2. Allerdings haben – was die Berufung zwar nicht rügt, durch den Senat indes von Amts wegen zu prüfen ist – die Voraussetzungen für den Erlass eines Teilurteils nach § 301 ZPO nicht vorgelegen.

Das Landgericht hat nur über den Klageantrag zu 1., soweit er die bezifferten Schäden am Deckenputz betraf, dem Grunde nach entschieden, ausweislich S. 23 des Urteils über den Feststellungsantrag indes ausdrücklich keine Entscheidung getroffen, sondern diese dem Schlussurteil vorbehalten. Der Feststellungsantrag bezieht sich indes – uneingeschränkt – auf die „Mängel gemäß Gesamtmängelliste vom 2.6.2009 (Anlage K 8-1)“, in der als Mangel Nr. 98 auch der Deckenputz der Büroräume aufgeführt ist.

Ein Teilurteil darf – auch in Verbindung mit einem Grundurteil – aber nur ergehen, wenn der weitere Verlauf des Prozesses die Entscheidung unter keinen Umständen mehr berühren kann (Senat, Urteil vom 26.11.2010, 19 U 70/10, juris Rn. 3 ff.; OLG Düsseldorf, Urteil vom 26.01.2016, 24 U 58/15, juris Rn. 36 m.w.N., auch zum Folgenden). Ein Teilurteil ist daher unzulässig, wenn es eine Frage entscheidet, die sich im weiteren Verfahren über die anderen Ansprüche noch einmal stellt. Dabei ist Widersprüchlichkeit in einem weiteren Sinne zu verstehen. In die Beurteilung der Widerspruchsfreiheit ist die Möglichkeit einer abweichenden Entscheidung im Instanzenzug mit einzubeziehen. Weiter ist zu berücksichtigen, dass die Begründung, mit der der Leistungsantrag dem Grunde nach für gerechtfertigt gehalten wird, als bloßes Urteilselement weder in Rechtskraft erwächst, noch das Gericht nach § 318 ZPO für das weitere Verfahren über die mit dem Feststellungsantrag geltend gemachten Schäden bindet. Folglich besteht deshalb die prozessuale Möglichkeit, dass das Gericht bei einer späteren Entscheidung über den Feststellungsantrag aufgrund neuen Vorbringens oder aufgrund geänderter Rechtsauffassung zu einer anderen Einschätzung gelangt. Im Falle einer objektiven Klagehäufung aus Zahlungs- und Feststellungsansprüchen, die aus demselben tatsächlichen Geschehen hergeleitet werden, darf daher nicht durch Teilurteil gesondert über einen der Ansprüche entschieden werden.

Die Gefahr widersprechender Entscheidungen besteht auch im vorliegenden Fall. Denn über die Voraussetzungen des Zahlungsanspruchs, der Gegenstand des angefochtenen Urteils ist, ist bei der Entscheidung über den Feststellungsantrag noch einmal zu befinden.

Der Erlass eines unzulässigen Teilurteils stellt zwar einen regelmäßig die Zurückverweisung gemäß § 538 Abs. 2 Nr. 7 ZPO rechtfertigenden Verfahrensfehler dar (BGH, Urteil vom 12.01.1994, XII ZR 167/92, juris Rn. 25; OLG Hamm, Urteil vom 03.07.1995, 13 U 47/95, juris Rn. 14; OLG Düsseldorf, Urteil vom 26.01.2016, 24 U 58/15, juris Rn. 38).

Der Senat macht jedoch von seiner Befugnis Gebrauch, zur Beseitigung dieses Verfahrensfehlers den im ersten Rechtszug anhängig gebliebenen Feststellungsantrag, soweit er sich auf den Deckenputz der Büroräume bezieht, an sich zu ziehen und darüber mitzuentscheiden (vgl. hierzu und zum Folgenden: BGH, Urteil vom 12.01.1994, XII ZR 167/92, juris Rn. 25 und OLG Hamm, Urteil vom 03.07.1995, 13 U 47/95, juris Rn. 14). Denn eine – notwendigerweise das gesamte erstinstanzliche Verfahren betreffende – Aufhebung und Zurückverweisung wegen dieses Fehlers ist vorliegend nicht sachdienlich. Zwar kommt eine Entscheidung des Berufungsgerichts nicht in Betracht, wenn sie zur Folge hätte, dass ohne sachlich gerechtfertigten Grund praktisch der gesamte nach dem ersten Teilurteil anhängig gebliebene Prozess erst in zweiter Instanz beginnen würde. Hiervon kann hier indes keine Rede sein. Dem Feststellungsantrag kommt für die Parteien lediglich eine untergeordnete wirtschaftliche Bedeutung zu, was schon daraus folgt, dass die Klägerin den Streitwert für den – neben dem Deckenputz der Büroräumen zahlreiche weitere Mängel umfassenden – Feststellungsantrag in der Klageschrift mit lediglich 100.000,00 € beziffert hat (Bl. 117 GA). Der Feststellungsantrag ist, soweit er sich auf die Mängel am Deckenputz bezieht, zudem entscheidungsreif, weil alle Deckenflächen mangelbehaftet und zukünftige Schäden nicht mit Gewissheit auszuschließen sind.

3. Das Grund- und Teilurteil ist auch in der Sache zu Recht ergangen. Mit zutreffender Begründung ist das Landgericht zu dem Ergebnis gelangt, dass der Klägerin gegen die Beklagte – mit Ausnahme der Deckenputzabplatzung im Treppenhaus 8.1 im August 2012 – wegen mangelhafter Bauüberwachung dem Grunde nach ein Anspruch auf Ersatz der Schäden, die ihr durch den fehlerhaft ausgeführten Deckenputz in den im Zuge der Erweiterung der A-Konzernzentrale in C-E neu errichteten Gebäuden entstanden ist, zusteht, §§ 631, 633, 634 Nr. 4, 280 Abs. 1 BGB. Das Berufungsvorbringen begründet keine Zweifel an der Richtigkeit oder Vollständigkeit der entscheidungserheblichen Feststellungen im Sinne des § 529 Abs. 1 Nr. 1 ZPO.

a) Die Beklagte war aufgrund des Architektenvertrags vom 20.12.2002 unstreitig zur Bauüberwachung gemäß der Leistungsphase 8 des § 15 HOAI 2002 verpflichtet. Mit der Bauüberwachung übernimmt der Architekt die Verpflichtung, das Bauwerk frei von Mängeln entstehen zu lassen und dazu das ihm Zumutbare beizutragen (OLG Köln, Urteil vom 13.03.2013, 16 U 123/12, juris Rn. 45 m.w.N., auch zum Folgenden). Ein Mangel der Objektüberwachung liegt vor, wenn der Architekt seine Bauüberwachungsaufgaben nicht vollständig erfüllt und das Bauwerk infolgedessen Mängel aufweist. Diese Voraussetzungen sind hier erfüllt.

b) Richtigerweise hat das Landgericht angenommen, dass es sich bei dem Verputzen der Decken jedenfalls vorliegend nicht um eine handwerkliche Selbstverständlichkeit handelte, die keiner Überwachung durch den die Bauaufsicht führenden Architekten bedurfte. An den Architekten sind bei der Erfüllung des Leistungsbilds Bauüberwachung strenge Anforderungen zu stellen, wobei er zu erhöhter Aufmerksamkeit und einer intensiveren Bauaufsicht bei kritischen Baumaßnahmen, die erfahrungsgemäß ein höheres Mängelrisiko aufweisen, verpflichtet ist (OLG Köln, Urteil vom 13.03.2013, 16 U 123/12, juris Rn. 49). Soweit in der Rechtsprechung das Auftragen von Innenputz teilweise als einfache, nicht überwachungsbedürftige Arbeit angesehen wird (etwa KG Berlin, Urteil vom 15.02.2006, 24 U 29/05, juris Rn. 28 f.; LG Köln, VersR 1981, 1191), wird auch in diesen Entscheidungen darauf hingewiesen, dass dies lediglich in der Regel beziehungsweise nur dann gilt, solange sich im Verlauf der Bauausführung keine Anhaltspunkte für Mängel ergeben. Bereits der Umstand, dass die Generalunternehmerin die Putzarbeiten hier zumindest zu großen Teilen abweichend von der ursprünglichen Bauablaufplanung im Winter (Januar/Februar 2004) ausgeführt hat, obwohl solche Arbeiten gemäß der DIN 18550 (Anlage B 7/ALH I) und den Merkblättern der Berufsverbände (Anlagen B 6 und B 8/ALH I) bei Luft- und Bauteiltemperaturen unter 5° Celsius unstreitig nicht vorgenommen werden dürfen, hätte der Beklagten Anlass zu einer zumindest stichprobenartigen Überprüfung geben müssen, ob tatsächlich bei zulässigen Temperaturen verputzt wurde. Dass auch der Generalunternehmerin beziehungsweise deren Subunternehmern der Inhalt der DIN und der Merkblätter bekannt sein musste, befreite die Beklagte nicht von ihrer Überwachungspflicht. Denn jedenfalls bei einem verzögerten Bauablauf bestand die Gefahr, dass – um entstandene Rückstände aufzuholen – Putzarbeiten unter ungeeigneten äußeren Bedingungen ausgeführt wurden.

c) Ohne Rechtsfehler ist das Landgericht zu dem Ergebnis gelangt, dass die als solche unstreitigen Mängel am Deckenputz – Hohlstellen und Ablösungen – ihre Ursache darin haben, dass die Generalunternehmerin beziehungsweise deren Subunternehmer den Putz flächendeckend bei zu niedrigen Temperaturen aufgebracht haben. Unschädlich ist in diesem Zusammenhang, dass – wie dargelegt – die Mängel am Deckenputz nicht in sämtlichen der 1.197 bearbeiteten Räume, sondern lediglich in circa 200 Räumen zu Tage getreten sind. Denn benennt der Auftraggeber die Symptome des Mangels, so sind von dieser Rüge nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs immer alle Ursachen für die bezeichneten Symptome erfasst (vgl. nur BGH, Beschluss vom 24.08.2016, VII ZR 41/14, juris Rn. 22 m.w.N., auch zum Folgenden). Das gilt auch, wenn die angegebenen Symptome des Mangels nur an einigen Stellen aufgetreten sind, während die Ursache und damit der Mangel des Werks in Wahrheit das ganze Objekt erfasst.

aa) Die sich aus der Anlage K 174 ergebenden Zeiten für die Verputzarbeiten belegen ein Verputzen bei Temperaturen von weniger als 5 ° Celsius. Das Landgericht hat im Beweisbeschluss vom 08.12.2014 ausdrücklich und von den Parteien unwidersprochen darauf hingewiesen, dass es den Inhalt dieser Anlage als unstreitig ansieht. Nach der Anlage K 174 wurden die Putzarbeiten vom 12. bis 16. und vom 19. bis 31. Januar und an allen Februartagen 2004 ausgeführt. Vergleicht man diese Daten mit den Messwerten der Wetterstation C/V Flughafen (Anlage K 176), so ist festzustellen, dass die Tiefsttemperaturen an sämtlichen Putztagen mit Ausnahme des 13.01.2004, der Zeitspanne 01. bis 07.02.2004 und des 14.02.2004 niedriger als 5° Celsius lagen. Teilweise – insbesondere in der zweiten Februarhälfte – lagen sie deutlich im Minusbereich. Der beklagtenseitige Einwand, die Messdaten der Station C/V Flughafen seien für das Bauvorhaben nicht aussagekräftig, da in der Cer Innenstadt höhere Temperaturen als im Umland herrschten, ist schon deshalb nicht zutreffend, da sich der Neubau nicht in der Innenstadt, sondern im Vorort E befindet. Zudem ist nicht zu erkennen, welche Temperaturen im fraglichen Zeitraum in der Cer Innenstadt geherrscht haben sollen. Soweit die Temperaturen in den ersten sieben Februartagen durchweg mehr als 5° Celsius betrugen, folgt daraus nicht, dass bei ausreichenden Temperaturen verputzt wurde. Denn aus der Anlage K 174 ergibt sich, dass die vom 01. bis 07.02.2004 bearbeiteten Decken jedenfalls teilweise noch vor beziehungsweise nach diesem Zeitraum verputzt wurden. Wenn die Beklagte weiter darauf verweist, ein Verputzen der Häuser 6 und 7 habe – gemäß dem eigenen Vortrag der Klägerin (Bl. 1108 GA) – frühestens im März 2004 stattgefunden, belegt dies nicht, dass zumindest die Decken in diesen Teilen des Objekts bei ausreichend hohen Temperaturen verputzt wurden. Denn nach der Anlage K 176 lagen die Temperaturen auch im März 2004 an zahlreichen Tagen unter 5° Celsius. Soweit sich die Beklagte unter Vorlage der Anlagen B64a bis B64e (ALH XII) erstinstanzlich auf insgesamt deutlich spätere Zeitpunkte für das Aufbringung des Deckenputzes berufen hat, handelt es sich hierbei lediglich um spekulative Hochrechnungen anhand der nicht eingehaltenen Bauzeitplanung. Wenn die Beklagte schließlich darauf verweist, hinsichtlich verschiedener Decken stehe nicht fest, wann und bei welchen Temperaturen sie verputzt wurden, geht dies im Ergebnis zu ihren Lasten, da sie insoweit eine sekundäre Darlegungslast trifft. Gemäß § 3.3 des Architektenvertrags vom 20.12.2002 hatte die Beklagte in der Leistungsphase 8 u.a. die Ausführung des Objekts auf Übereinstimmung mit den allgemein anerkannten Regeln der Technik zu überwachen und das Bautagebuch der Generalunternehmerin zu kontrollieren. Damit muss die Beklagte – und nicht die Klägerin – Kenntnis über den genauen Bauablauf und die Zeitpunkte der streitbefangenen Putzarbeiten haben. Demgemäß hat die Beklagte selbst vorgetragen (Bl. 523 GA), dass sie regelmäßig als Objektüberwacherin die Originaldokumente behält und diese solange verwahrt, bis sie der Auftraggeber zur Vernichtung freigibt. Etwas anderes folgt hier auch nicht daraus, dass die Beklagte die von der Generalunternehmerin erhaltenen Bautagebücher vereinbarungsgemäß an die Klägerin herausgegeben hat, da die bei der Klägerin vorhandenen Bautagebücher unstreitig unvollständig sind, ohne dass substantiiert vorgetragen worden oder sonst ersichtlich wäre, dass der Klägerin eine lückenlose Dokumentation überlassen worden wäre oder die Generalunternehmerin eine solche überhaupt erstellt hätte. Zudem war die Beklagte noch im Rechtsstreit in der Lage, mit den Anlagen B 49 bis B 51 zahlreiche Bautagesberichte vorzulegen.

bb) Wenn die Beklagte die Kausalität des Verputzens bei zu niedrigen Temperaturen für die Schäden bestreitet, da nicht jede Temperaturunterschreitung zwingend bereits zu Putzschäden führe (Bl. 1701 GA), geht dieses Argument fehl. Nach den vorgelegten Merkblättern und der DIN 18550 ist bei Temperaturen unter 5° Celsius nicht zu verputzen, da sich der Putz dann nicht (ordnungsgemäß) im Putzuntergrund verkrallen kann. Wenn die Beklagte meint, im vorliegenden Fall sei dies ausnahmsweise anders gewesen, hätte sie die Gründe hierfür konkret darlegen müssen, was sie indes nicht getan hat.

cc) Der Vortrag der Beklagten, die auch insoweit die sekundäre Darlegungslast trifft, zu den Winterbaumaßnahmen ist – im Ergebnis wie das Landgericht gemeint hat – unsubstantiiert.

Nach der von der Beklagten zutreffend zitierten Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (Beschlüsse vom 06.02.2014, VII ZR 160/12, juris Rn. 12 und vom 31.07.2013, VII ZR 59/12, juris Rn. 11) genügt zwar eine Partei ihrer Darlegungslast bereits dann, wenn sie Tatsachen vorträgt, die in Verbindung mit einem Rechtssatz geeignet sind, das geltend gemachte Recht als in ihrer Person entstanden erscheinen zu lassen. Erfüllt das Parteivorbringen diese Anforderungen, so kann der Vortrag weiterer Einzelheiten nicht verlangt werden. Auch nach dieser Maßgabe ist das Vorbringen der Beklagten indes nicht hinreichend substantiiert.

Dass in Anbetracht der Außentemperaturen zu den (bekannten) Putzzeitpunkten Winterbaumaßnahmen erforderlich waren, ist offenkundig. Auf S. 12 der Berufungsbegründung (Bl. 1695 GA) verweist die Beklagte auf ihren – nicht nachgelassenen – Schriftsatz vom 08.09.2016, in dem sie den aus ihrer Sicht maßgeblichen Vortrag zu den Winterbaumaßnahmen zusammengefasst hat (Bl. 1569 bis 1572 GA). Es kommt vorliegend indes nicht entscheidend darauf an, welche Winterbaumaßnahmen im Einzelnen ergriffen wurden beziehungsweise wann in welchem Gebäude auf welcher Etage Fenster eingebaut bzw. Folien angebracht gewesen sein sollen (S. 12 des Urteils). Maßgeblich für ein den technischen Regelwerken entsprechendes Verputzen ist vielmehr, ob durch Winterbaumaßnahmen sichergestellt wurde, dass die Temperatur der jeweils zu bearbeitenden Flächen im Putzzeitraum konstant bei mindestens 5° Celsius lag. Das Anbringen von Folien oder das Aufstellen eines Heizgeräts allein belegt bei winterlichen Außentemperaturen aber nicht, dass aufgrund derartiger Maßnahmen die Temperatur des zu verputzenden Bauteils tatsächlich bei zumindest 5° Celsius lag. Darüber konnte sich die Beklagte als bauaufsichtsführende Architektin nur durch Temperaturmessungen an den zu verputzenden Decken vergewissern. Vortrag hierzu findet sich lediglich auf S. 2 des Schriftsatzes vom 17.01.2014 (Bl. 667 GA), wo die Beklagte pauschal auf ihr Vorbringen im Schriftsatz vom 13.11.2013 – vorgelegt als Anlage B 48 (ALH VII) – im Prozess gegen die Gewährleistungsbürgin Bezug nimmt.

Auf S. 5 dieses Schriftsatzes behauptet die Beklagte unter Beweisantritt (Zeugnis W und X), dass „die geschlossenen Bauten in den Wintermonaten vor den und während der Putzarbeiten auf allen Ebenen beheizt wurden und dass diese erst ausgeführt wurden, wenn die vorgeschriebene Temperatur des Betons, der Luft im Gebäude und der verwendeten Materialen erreicht und gemessen worden war“. Die Bezugnahme auf den Schriftsatz mag zulässig sein, da von seiner wörtlichen Wiederholung kein Erkenntnisgewinn ausgegangen wäre. Der zitierte Vortrag ist indes offenkundig ebenfalls allzu vage, da kein einziges Datum der angeblich durchgeführten Temperaturmessungen (von wem? wo konkret?) angegeben und keine der dabei vermeintlich festgestellten Temperaturen mitgeteilt wird, weshalb er den Anforderungen an einen hinreichend substantiierten Sachvortrag nicht genügt. Selbst wenn man annimmt, dass der Vortrag im Kern den maßgeblichen Umstand – ein Verputzen aller Decken („auf allen Ebenen“) bei festgestellten Luft- und Bauteiltemperaturen über 5° Celsius – anspricht, bleibt es dabei, dass eine pauschale Behauptung der vorliegenden Art bezüglich eines Verputzvorgangs (noch) zulässig sein mag, nicht aber, wenn sich wie hier Arbeiten an einem komplexen Bauvorhaben über Monate erstreckten. Eine Vernehmung der benannten Zeugen liefe unter diesen Umständen auf eine unzulässige Ausforschung hinaus, da die Zeugen eine unüberschaubare Fülle maßgeblicher Daten (Welche Temperaturen wurden von wem, wann, wo gemessen?) erst mitteilen müssten, da Vortrag zu den Einzelheiten der behaupteten Temperaturmessungen fehlt.

Damit geht auch die Rüge der Beklagten, das Landgericht habe hinsichtlich der von ihm für unsubstantiiert gehaltenen Angaben zu den Winterbaumaßnahmen seine Hinweispflicht nach § 139 ZPO verletzt, ins Leere. Die Berechtigung dieses Einwands kann im Übrigen auch deshalb dahinstehen, da ein eventueller Verstoß jedenfalls nicht entscheidungserheblich war. Die in der Berufung vorgelegten Anlagen B 81 bis B 83 (Bl. 1740 bis 1747 GA) und der diesen zu Grunde liegende Vortrag (Bl. 1700 f. GA) geben weder für eine ausreichende Beheizung noch für das letztlich maßgebliche Erreichen der Mindesttemperatur von 5° Celsius etwas her. Allenfalls belegen sie, dass eine Firma U zu einem nicht erkennbaren Zeitpunkt an dem Bauvorhaben als Subunternehmerin für das Gewerk „Heiz- und Austrocknung“ beteiligt war.

d) Da somit mit dem Auftragen des Deckenputzes bei Temperaturen unter 5° Celsius ein flächendeckender Mangel bei der Bauausführung feststeht, konnte das Landgericht es zu Recht offenlassen, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang daneben noch weitere Mängel aufgrund eines Verputzens auf noch nicht ausreichend getrocknetem Beton beziehungsweise der Aufbringung einer zu dünnen und nicht hinreichend durchmischten Haftbrücke vorlagen.

e) Der Einwand der Beklagten, das Landgericht habe eine (Mit-) Ursächlichkeit der Betonkernaktivierung für die Schäden am Deckenputz verkannt und verfahrensfehlerhaft die hierzu angebotenen Beweise nicht erhoben, ist unzutreffend.

aa) Eine (Mit-) Ursächlichkeit der Betonkernaktivierung ist schon deshalb nicht zu bejahen, weil hinsichtlich keines einzigen Schadens am Deckenputz feststeht – und entsprechendes von der Beklagten auch nicht substantiiert behauptet wird -, dass er im Zusammenhang mit dem Einströmen feuchter Luft bei hohen Temperaturen entstanden ist. Nach dem beklagtenseitigen Vortrag liegt die beziehungsweise eine Ursache der Putzschäden in einer Taupunktunterschreitung an der betonkernaktivierten Decke durch die Öffnung der Fenster bei feuchtwarmer Witterung. Dass sich an einer kühlen Decke – oder einem sonstigen Bauteil – beim Kontakt mit feuchtwarmer Luft grundsätzlich Kondensat bilden kann, ist zwischen den Parteien unstreitig und im Übrigen offenkundig. Die Überlegungen der Beklagten sind indes bereits dann hinfällig, wenn bei den für eine Taupunktunterschreitung erforderlichen äußeren Bedingungen die Fenster geschlossen gehalten wurden. Ein (längeres) Öffnen von Fenstern bei sommerlichschwülen Außentemperaturen ist nicht selbstverständlich, da hierdurch regelmäßig keine Reduzierung der Temperatur im Gebäudeinneren eintritt. Erst recht gilt dies beim Vorhandensein einer betonkernaktvierten Decke, weil durch ein Öffnen der Fenster der Kühleffekt zunichte gemacht würde. Wenn die Beklagte nunmehr als Anlage B 85a (Bl. 1761 ff. GA) eine Fotodokumentation vorlegt, die belegen soll, dass an einem Sommertag wie dem 26.07.2016 in dem Objekt zahlreiche offene Fenster zu erkennen waren, sagt dies nichts darüber aus, ob und in welchen Räumen in den Jahren 2006 bis 2008 Fenster geöffnet waren. Es bedarf daher auch nicht der beklagtenseits wiederholt beantragten bauphysikalischen Simulationsberechnung. Welche belastbaren Erkenntnisse zu den bei den Schadenseintritten tatsächlich herrschenden Rahmenbedingungen eine solche Simulation vermitteln soll, ist den Ausführungen der Beklagten (unverändert) nicht zu entnehmen. Dass sich theoretisch beliebige Parameter hinsichtlich der Temperatur von Decke und Luft sowie der Luftfeuchtigkeit erzeugen lassen, die in unterschiedlichster Kombination zu einer Taupunktunterschreitung führen, ist offenkundig. Für die konkreten Bedingungen zum Zeitpunkt des jeweiligen Schadenseintritts geben derartige Spekulationen indes nichts her.

bb) Wenn das Landgericht unter Berufung auf die Ausführungen des Sachverständigen Dr.-Ing. T eventuelle Taupunktunterschreitungen schon deshalb nicht als schadensursächlich angesehen hat, weil der aufgebrachte Gipsputz in erheblichem Umfang Wasser aufnehmen könne und diese Feuchtigkeit nicht zwingend in den kühleren Betonkern diffundiere, können die Richtigkeit dieser Aussagen und die Einwendungen der Beklagten gegen die Kompetenz des Sachverständigen dahinstehen. Denn aus der Anlage K 163 (CD in ALH X), den mehrere tausend Seiten umfassenden Messergebnissen der Temperaturfühler im Betonkern, ergibt sich bei stichprobenartiger Überprüfung keine einzige Unterschreitung einer – im Hinblick auf eine Taupunktunterschreitung kritischen – Betonkerntemperatur von 20° Celsius. An der Deckenoberfläche muss die Temperatur folglich noch höher gelegen haben. Die Position der Betonkerntemperaturfühler wird beispielhaft in der Anlage K 103 (ALH III) zeichnerisch dargestellt. Soweit die Beklagte die Richtigkeit dieser Messergebnisse in Abrede stellt, geht dieses Bestreiten ins Leere. Für eine unrichtige Erfassung oder eine sonstige Fehlfunktion bei der Aufzeichnung dieser Daten gibt es keine Anhaltspunkte. Es bedarf daher auch die zwischen den Parteien streitige Frage keiner Klärung, ob es technisch überhaupt möglich ist, die Betonkernaktivierung so zu betreiben, dass Temperaturen an der Deckenoberfläche von weniger als 20° Celsius erzielt werden. Selbst wenn man dies unterstellt, ist angesichts der vorgelegten Messergebnisse nicht ersichtlich – und steht erst recht nicht fest -, dass ein solcher Betrieb im streitrelevanten Zeitraum stattgefunden hat. Etwas anderes folgt auch nicht aus der Angabe des klägerischen Privatgutachters Prof. Dr. Y auf S. 1 seines Gutachtens vom 15.08.2008 (Anlage K 15), wonach in den Betondecken „Kühlschlangen mit einer Vorlauftemperatur von etwa 13 °C installiert“ sind. Selbst wenn eine solche Vorlauftemperatur vorgelegen haben sollte, besagt dies nicht, dass die Luft zum Zeitpunkt des Einströmens in die Decke noch diese Temperatur gehabt hätte. Die Messergebnisse gemäß der Anlage K 163 belegen jedenfalls das Gegenteil. Soweit sich die Beklagte zur Stützung ihrer Theorie von der Mitursächlichkeit der Betonkernaktivierung für die Putzschäden unter Verweis auf die Anlage K 137/Bl. 431 des Verfahrens 91 O 132/09 erstmals auf das Schadensbild im jeweiligen Raum stützt, kann offenbleiben, ob dieser streitige Vortrag – wie die Klägerin meint – bereits gemäß § 531 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 ZPO nicht zuzulassen ist. Es kann ferner dahinstehen, ob das Landgericht – was indes zu verneinen sein dürfte – dazu verpflichtet war, ohne konkreten Vortrag einer Partei die zahlreichen Anlagen des Prozesses gegen die Gewährleistungsbürgin daraufhin zu durchforschen, ob sich aus ihnen etwas für das jeweilige Vorbringen einer Partei Günstiges ergab. Denn die Schadensverteilung im Raum gibt für eine (Mit-) Ursächlichkeit der Betonkernkühlung nichts her. Die fragliche Anlage, eine CD, enthält mehrere tausend Lichtbilder. In der Anlage B 84 (Bl. 1748 ff. GA) hat die Beklagte indes lediglich einzelne Lichtbilder beziehungsweise Dateien markiert. Wieso aus diesen Schadstellen folgen soll, dass sich die sanierten Schäden sämtlich in Bereichen, die angeblich in besonderem Maße durch die Kühlung und/oder die offenen Fenster beeinflusst wurden, befanden, ist nicht nachvollziehbar. Die übrigen Lichtbilder zeigen bei stichprobenartiger Prüfung Schäden auch außerhalb der beklagtenseits bezeichneten Bereiche.

cc) Der erstmalige Vortrag der Beklagten zu einer angeblichen Vorschädigung des Haftverbundes ohne Kondensatbildung erfolgt, wie die Klägerin zu Recht einwendet, offenkundig ins Blaue hinein. Ihm ist daher – ungeachtet des Greifens von § 531 Abs. 2 ZPO – auch schon deshalb nicht weiter nachzugehen.

dd) Die weitere Behauptung der Beklagten, aufgrund der Betonkernaktivierung in Verbindung mit dem Nutzerverhalten sei es zu erhöhten Spannungen zwischen Beton und Putz gekommen, die zumindest als Auslöser die fraglichen Schäden verursacht hätten, ist gleichfalls ersichtlich spekulativ und im Übrigen nicht nachvollziehbar. Die Beklagte trägt selbst vor, dass es zwischen Beton und Gipsputz aufgrund ihres unterschiedlichen Verhaltens bei der Austrocknung zu unvermeidbaren Spannungen gekommen ist. Für eine abrupte Spannungszunahme durch „schockartige Erhitzung des Gipsputzes mit gleichzeitiger Wasserdampfaufnahme bei feuchtwarmer Sommertemperatur, die beim Öffnen der Fenster auf die gekühlte Decke trifft“, gibt es keine belastbaren Anhaltspunkte. Insoweit gelten die obigen Erwägungen: Das Nutzerverhalten vor dem Eintritt der jeweiligen Schäden ist – wie das Landgericht richtigerweise festgestellt hat – heute nicht mehr rekonstruierbar, insbesondere ist nicht mehr festzustellen, in welchem Umfang bei was für konkreten äußeren Bedingungen Fenster geöffnet wurden. Auch die beklagtenseitigen Ausführungen zu den angeblich unterschiedlichen Materialtemperaturen sind nicht überzeugend, da die Betonkernaktivierung auch zu einer Kühlung des Gipsputzes führen muss.

ee) Soweit die Beklagte rügt, das Landgericht habe verfahrensfehlerhaft die Verwertung des von dem gerichtlich bestellten Sachverständigen Dr.-Ing. T im Rechtsstreit gegen die Gewährleistungsbürgin erstatteten schriftlichen Gutachtens vom 25.07.2012 nach § 411a ZPO angeordnet, kann die Berechtigung dieses Einwands offenbleiben, weil es jedenfalls an einem Beruhen der angefochtenen Entscheidung auf diesem Fehler fehlt. Denn das Landgericht hat seine Feststellungen ersichtlich auf die Ausführungen des Sachverständigen in seinem unter dem 11.05.2015 erstatteten Ergänzungsgutachten und insbesondere im Termin vom 15.07.2016 gestützt. Hierbei hat sich der Sachverständige ausführlich mit den von der Beklagten gemachten Einwendungen gegen sein Erstgutachten auseinandergesetzt und ist zu dem (neuen) Ergebnis gelangt, dass der maßgebliche Fehler bei der Bauausführung in einem Verputzen bei zu niedrigen Temperaturen lag. Diesbezüglich ist die ursprüngliche Begutachtung nicht (mehr) im Sinne des § 411a ZPO verwertet worden, sondern es ist eine eigenständige Begutachtung durch den mit Beweisbeschluss vom 08.12.2014 (Bl. 1175 f. GA) vom Gericht ernannten Sachverständigen erfolgt (vgl. OLG Frankfurt, Urteil vom 04.03.2014, 15 U 144/12, juris Rn. 18).

Im Übrigen war das Landgericht auch nicht gehindert, gemäß § 411a ZPO die Verwertung des von dem gerichtlich bestellten Sachverständigen im Rechtsstreit gegen die Gewährleistungsbürgin erstatteten schriftlichen Gutachtens vom 25.07.2012 anzuordnen. Ein solches Vorgehen bedarf nicht der Zustimmung der Parteien. Tragfähige Gründe, warum die Verwertung hier unzulässig gewesen sein sollte, sind nicht ersichtlich.

f) Richtigerweise ist das Landgericht ferner davon ausgegangen, dass der Klägerin hier angesichts des feststehenden Mangels bei der Bauausführung der Nachweis der Verletzung der Bauaufsichtspflicht der Beklagten durch einen – nicht widerlegten – Anscheinsbeweis erleichtert ist.

aa) Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (etwa Urteil vom 08.05.2003, VII ZR 407/01, juris Rn. 9 f.; Urteil vom 16.05.2002, VII ZR 81/00, juris Rn. 11; Urteil vom 18.09.1997, VII ZR 300/96, juris Rn. 13 f.) braucht der Bauherr im baurechtlichen Mängelprozess nur die Symptome vorzutragen, aus denen er die Mangelhaftigkeit des Werks herleitet. Über ihre Ursachen (die Mängel selbst), also die Abweichung von der vertraglich geschuldeten Beschaffenheit, braucht er sich hingegen nicht zu äußern. Der Besteller ist auch nicht gehalten, die geltend gemachten Mangelerscheinungen als Planungs- oder Überwachungsfehler einzuordnen. Es genügt vielmehr, wenn er die Mangelerscheinung, die er dem Architekten zum Vorwurf machen will, hinreichend genau bezeichnet und gegebenenfalls beweist. Sodann ist es Sache des Architekten, den Beweis des ersten Anscheins dadurch auszuräumen, dass er seinerseits darlegt, was er oder sein Erfüllungsgehilfe an Überwachungsmaßnahmen geleistet haben. Dazu genügt jedenfalls nicht die bloße Behauptung, er habe die fraglichen Arbeiten selbst überwacht oder durch seinen Bauleiter überwachen lassen.

bb) Der Beklagten ist es nicht gelungen, diesen Anscheinsbeweis auszuräumen. Ihr Vorbringen zu den von ihr angeblich durchgeführten Überwachungsmaßnahmen ist – unverändert – nicht substantiiert. Vortrag zu diesen Maßnahmen findet sich lediglich auf Seite 2 des Schriftsatzes vom 17.01.2014 (Bl. 667 GA), wo die Beklagte zulässigerweise auf ihr Vorbringen im Schriftsatz vom 13.11.2013 – vorgelegt als Anlage B 48 (ALH VII) – im Prozess gegen die Gewährleistungsbürgin Bezug nimmt. Auf Seite 5 des Schriftsatzes vom 13.11.2013 behauptet die Beklagte ohne Darlegung weiterer Einzelheiten, dass „die geschlossenen Bauten in den Wintermonaten vor den und während der Putzarbeiten auf allen Ebenen beheizt wurden und dass diese erst ausgeführt wurden, wenn die vorgeschriebene Temperatur des Betons, der Luft im Gebäude und der verwendeten Materialen erreicht und gemessen worden war“. Als Zeugen hierfür benennt sie ihre Bauleiter W und X. Diese sind indes nicht zu vernehmen, da der Vortrag der Beklagten zur angeblichen Temperaturmessung unsubstantiiert ist. Eine pauschale Behauptung der vorliegenden Art ist möglicherweise bezüglich eines Verputzvorgangs zulässig, nicht aber, wenn sich – wie hier – Arbeiten an einem komplexen Bauvorhaben über Monate erstreckten. Eine Vernehmung der Zeugen liefe unter diesen Umständen auf eine unzulässige Ausforschung hinaus, da die Zeugen eine unüberschaubare Fülle maßgeblicher Daten (Welche Temperaturen wurden von wem, wann, wo gemessen?) erst mitteilen müssten. Es wäre jedoch zunächst Sache der Beklagten, diese Tatsachen vorzutragen, um sodann die Zeugen nach der Richtigkeit dieser Angaben befragen zu können.

cc) Eine Verletzung der Bauaufsichtspflicht der Beklagten ist indes auch dann zu bejahen, wenn man in der vorliegenden Konstellation einen Anscheinsbeweis verneinte. Denn dann wäre die Beklagte im Rahmen der sekundären Darlegungslast verpflichtet, im Einzelnen vorzutragen, welche Arbeiten wann, wie oft, durch wen, in welchem Umfang kontrolliert wurden sowie was dabei festzustellen war und inwieweit sich die Generalunternehmerin überhaupt als zuverlässig erwies (OLG Naumburg, Urteil vom 26.11.2002, 11 U 234/01, juris Rn. 27 m.w.N.). Diesen Anforderungen wird der beklagtenseitige Vortrag (gleichfalls) nicht gerecht.

4. Da die Beklagte somit ihre Bauüberwachungspflicht verletzt hat und sich dieser Mangel auf sämtliche geschädigten Deckenflächen bezog, konnte das Landgericht berechtigterweise davon absehen, Feststellungen dazu zu treffen, ob die Beklagte daneben auch ihre Pflichten aus den ihr durch die Vertragsergänzungen vom 20./27.05.05.2003 und 22.04./11.05.2004 übertragenen Leistungsphasen 8 und 9 der technischen Ausrüstung gemäß § 73 HOAI 2002 beziehungsweise dem Projektsteuerungsvertrag vom 20.12.2002 verletzt hat.

5. Die Kostenentscheidung für das Berufungsverfahren folgt aus §§ 97 Abs. 1, 101 Abs. 1 Halbsatz 2 ZPO. Eine Entscheidung über die Kosten erster Instanz war nicht veranlasst, da das angefochtene Urteil – zu Recht – keine Kostenentscheidung enthält. Der Ausspruch zur vorläufigen Vollstreckbarkeit ergibt sich aus §§ 708 Nr. 10, 711 ZPO.

6. Die Revision ist nicht zuzulassen, da die Rechtssache keine grundsätzliche Bedeutung hat und die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts nicht erfordert (§§ 542 Abs. 1, 543 Abs. 1, Abs. 2 ZPO).

7. Streitwert für das Berufungsverfahren: 2.301.751,72 €

Dieser Wert setzt sich zusammen aus dem von der Klägerin bezüglich des Deckenputzes der Büroräume mit dem Klageantrag zu 1. noch verlangten Betrag von 2.251.751,72 € und dem auf diesen Mangel entfallenden Anteil des Feststellungantrags. Den Streitwert des sämtliche Mängel umfassenden Feststellungsantrags hat die Klägerin in der Klageschrift mit 100.000,00 € beziffert. Angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung der Mängel am Deckenputz der Büroräume ist es sachgerecht, hierfür die Hälfte dieses Betrags in Ansatz zu bringen.

Diesen Beitrag teilen