Was ist der Vertrauensschaden?
Stellen Sie sich vor, Sie verlassen sich auf eine Zusage oder eine Information und treffen daraufhin eine Entscheidung, die Ihnen Kosten verursacht. Wenn die Zusage oder Information dann platzt oder falsch ist, und Sie deshalb finanziell schlechter dastehen, haben Sie möglicherweise einen Vertrauensschaden erlitten.
Der Vertrauensschaden – auch negatives Interesse genannt – ist der Schaden, der dadurch entsteht, dass jemand auf die Gültigkeit oder das Zustandekommen eines Vertrages vertraut hat.
Das ist der entscheidende Punkt und der Unterschied zum sogenannten Erfüllungsschaden (positives Interesse):
| Merkmal | Vertrauensschaden (Negatives Interesse) | Erfüllungsschaden (Positives Interesse) |
| Ziel | So stellen, als hätte man nie gehandelt. | So stellen, als wäre der Vertrag erfüllt worden. |
| Was ersetzt wird | Aufwendungen, Kosten für Notar, Reisen, Gutachten etc. | Entgangener Gewinn oder Mehrkosten durch Ersatzkauf. |
| Wann relevant | Vertrag kommt nicht zustande (z.B. weil ungültig) oder jemand hat vorvertragliche Pflichten verletzt. | Vertrag wird nicht oder schlecht erfüllt (klassische Nichterfüllung). |
Der Vertrauensschaden spielt vor allem in folgenden Konstellationen eine Rolle:
Man spricht hier von der „culpa in contrahendo“ (c.i.c.) (§ 311 Abs. 2 BGB).
Wenn ein Vertrag von Anfang an nichtig ist (z.B. wegen arglistiger Täuschung, Sittenwidrigkeit oder Formfehler).
Wenn jemand im Namen eines anderen handelt, aber keine Vollmacht hat (§ 179 Abs. 2 BGB).
Der Vertrauensschaden ist sozusagen die „Notbremse“ des Zivilrechts: Er stellt sicher, dass niemand aus einer Verhandlung oder einer falschen Annahme über die Gültigkeit eines Geschäfts finanziell schlechter herauskommt, als wenn er nie die Hand geschüttelt hätte. Es geht nicht darum, den großen Gewinn zu machen, sondern nur darum, die verlorenen Aufwendungen erstattet zu bekommen, die man nur im Vertrauen auf das Zustandekommen oder die Richtigkeit eines Geschäfts getätigt hat.
Ihr Vertrauensschaden-Check im Alltag: Fragen Sie sich immer: „Welche Kosten hätte ich mir erspart, wenn ich gewusst hätte, dass das Geschäft platzt oder die Zusage falsch ist?