Was ist der Vertrauensschaden?

November 6, 2025

Was ist der Vertrauensschaden?

Stellen Sie sich vor, Sie verlassen sich auf eine Zusage oder eine Information und treffen daraufhin eine Entscheidung, die Ihnen Kosten verursacht. Wenn die Zusage oder Information dann platzt oder falsch ist, und Sie deshalb finanziell schlechter dastehen, haben Sie möglicherweise einen Vertrauensschaden erlitten.

Der Vertrauensschaden – auch negatives Interesse genannt – ist der Schaden, der dadurch entsteht, dass jemand auf die Gültigkeit oder das Zustandekommen eines Vertrages vertraut hat.

Wie berechnet man den Vertrauensschaden?

Das ist der entscheidende Punkt und der Unterschied zum sogenannten Erfüllungsschaden (positives Interesse):

  1. Ziel beim Vertrauensschaden: Der Geschädigte soll so gestellt werden, als hätte er nie vom Geschäft oder Vertrag gehört.
  2. Was wird ersetzt: Alle Ausgaben und Verluste, die nur deshalb entstanden sind, weil der Geschädigte auf die Richtigkeit einer Sache (z.B. eine Zusage) vertraut hat.
  3. Was NICHT ersetzt wird: Der Gewinn, den man mit dem Geschäft erzielt hätte (das wäre der Erfüllungsschaden).

Vergleich: Vertrauensschaden vs. Erfüllungsschaden

MerkmalVertrauensschaden (Negatives Interesse)Erfüllungsschaden (Positives Interesse)
ZielSo stellen, als hätte man nie gehandelt.So stellen, als wäre der Vertrag erfüllt worden.
Was ersetzt wirdAufwendungen, Kosten für Notar, Reisen, Gutachten etc.Entgangener Gewinn oder Mehrkosten durch Ersatzkauf.
Wann relevantVertrag kommt nicht zustande (z.B. weil ungültig) oder jemand hat vorvertragliche Pflichten verletzt.Vertrag wird nicht oder schlecht erfüllt (klassische Nichterfüllung).

Was ist der Vertrauensschaden?

Typische Fälle im Zivilrecht

Der Vertrauensschaden spielt vor allem in folgenden Konstellationen eine Rolle:

1. Verletzung von vorvertraglichen Pflichten (Verschulden bei Vertragsverhandlungen)

Man spricht hier von der „culpa in contrahendo“ (c.i.c.) (§ 311 Abs. 2 BGB).

  • Beispiel: Sie verhandeln intensiv über den Kauf eines Hauses. Der Verkäufer versichert Ihnen, das Haus sei „tiptop in Schuss“. Sie beauftragen aufgrund dieser Zusage einen teuren Gutachter, der jedoch Mängel feststellt, die der Verkäufer wusste. Daraufhin springen Sie ab.
  • Ihr Schaden: Die Kosten für den Gutachter. Sie haben auf die Richtigkeit der Verkäufer-Aussage vertraut. Hätten Sie nicht vertraut, hätten Sie den Gutachter nicht beauftragt.

2. Unwirksame Verträge

Wenn ein Vertrag von Anfang an nichtig ist (z.B. wegen arglistiger Täuschung, Sittenwidrigkeit oder Formfehler).

  • Beispiel: Sie mieten ein Ladenlokal und planen Umbaumaßnahmen. Es stellt sich heraus, dass der Mietvertrag wegen eines Formfehlers (§ 125 BGB) unwirksam ist. Sie haben aber bereits einen Architekten bezahlt.
  • Ihr Schaden: Die Kosten für den Architekten, da Sie auf die Wirksamkeit des Mietvertrages vertraut haben.

3. Besondere Konstellationen (z.B. bei der Vertretung ohne Vollmacht)

Wenn jemand im Namen eines anderen handelt, aber keine Vollmacht hat (§ 179 Abs. 2 BGB).

  • Beispiel: Person A verkauft Ihnen im Namen von Person B ein Auto. Sie zahlen eine Anzahlung und nehmen Urlaub, um das Auto abzuholen. Später stellt sich heraus: A hatte gar keine Vollmacht von B.
  • Ihr Schaden: Die Anzahlung und die Kosten für den vergeblich genommenen Urlaub. Sie haben auf die Gültigkeit der Vertretung durch A vertraut.

Fazit – Der Witz dahinter

Der Vertrauensschaden ist sozusagen die „Notbremse“ des Zivilrechts: Er stellt sicher, dass niemand aus einer Verhandlung oder einer falschen Annahme über die Gültigkeit eines Geschäfts finanziell schlechter herauskommt, als wenn er nie die Hand geschüttelt hätte. Es geht nicht darum, den großen Gewinn zu machen, sondern nur darum, die verlorenen Aufwendungen erstattet zu bekommen, die man nur im Vertrauen auf das Zustandekommen oder die Richtigkeit eines Geschäfts getätigt hat.


Ihr Vertrauensschaden-Check im Alltag: Fragen Sie sich immer: „Welche Kosten hätte ich mir erspart, wenn ich gewusst hätte, dass das Geschäft platzt oder die Zusage falsch ist?

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