Was ist die Vorzugsaktie ohne Stimmrecht?

Juni 6, 2026

1. Was ist die Vorzugsaktie ohne Stimmrecht?

2. Definition und Grundlagen

Eine Vorzugsaktie ohne Stimmrecht ist eine besondere Art von Aktie. Sie gehört zu einer Aktiengesellschaft. Bei dieser Aktie entfällt das Stimmrecht. Das bedeutet: Der Inhaber darf nicht mitabstimmen. Dafür erhält er einen Vorteil bei der Gewinnausschüttung. Dieser Vorteil wird Vorzug genannt. Das Gesetz erlaubt diese Aktienform in Paragraph 139 des Aktiengesetzes.

Die Vorzugsaktie ohne Stimmrecht ist eine eigene Aktiengattung. Sie unterscheidet sich von den normalen Stammaktien. Stammaktien haben ein Stimmrecht. Vorzugsaktien ohne Stimmrecht haben dieses Recht nicht. Dafür bekommen sie mehr Geld bei der Dividendenzahlung.

3. Gesetzliche Regelungen

Das Aktiengesetz regelt diese Aktienform genau. Paragraph 12 Absatz 1 Satz 2 erlaubt Aktien ohne Stimmrecht. Paragraph 139 beschreibt die Voraussetzungen. Paragraph 140 erklärt die Rechte der Vorzugsaktionäre.

Wichtig ist die Begrenzung. Es dürfen nur bis zur Hälfte des Grundkapitals als stimmrechtslose Vorzugsaktien ausgegeben werden. Diese Regel ist zwingend. Die Satzung kann sie nicht ändern.

4. Arten des Vorzugs

Es gibt zwei Hauptarten des Vorzugs. Die erste Art ist die Vorabdividende. Dabei erhalten die Vorzugsaktionäre zuerst ihren Gewinnanteil. Erst danach bekommen die Stammaktionäre etwas. Die zweite Art ist die Mehrdividende. Hier erhalten die Vorzugsaktionäre einen höheren Anteil als die Stammaktionäre.

Früher war nur die Vorabdividende mit Nachzahlungspflicht erlaubt. Seit dem Jahr 2016 hat sich das geändert. Die Aktienrechtsnovelle brachte neue Freiheiten. Nun kann die Satzung wählen. Der Vorzug kann nachzahlbar sein. Er kann aber auch ohne Nachzahlungspflicht gewährt werden.

5. Nachzahlung des Vorzugs

Die Nachzahlung ist ein wichtiges Thema. Bei der Vorabdividende gilt eine Grundregel. Wenn die Satzung nichts anderes bestimmt, ist die Vorabdividende nachzahlbar. Das bedeutet: Fehlt das Geld in einem Jahr, muss es später nachgezahlt werden.

Bei der Mehrdividende ist es anders. Sie ist grundsätzlich nicht nachzahlbar. Die Satzung kann aber eine Nachzahlung vorsehen. Das ist jedoch selten.

6. Wiederaufleben des Stimmrechts

Das Stimmrecht kann wieder entstehen. Das passiert, wenn der Vorzug nicht gezahlt wird. Die Regeln sind unterschiedlich. Sie hängen davon ab, ob der Vorzug nachzahlbar ist oder nicht.

Bei nachzahlbarem Vorzug lebt das Stimmrecht auf. Das geschieht, wenn der Vorzug in einem Jahr nicht gezahlt wird. Und er wird im nächsten Jahr auch nicht nachgezahlt. Das Stimmrecht bleibt bis zur vollständigen Nachzahlung bestehen.

Bei nicht nachzahlbarem Vorzug ist es einfacher. Das Stimmrecht entsteht, wenn der Vorzug in einem Jahr nicht vollständig gezahlt wird. Es erlischt wieder, sobald der Vorzug in einem Jahr vollständig gezahlt ist .

7. Rechte der Vorzugsaktionäre

Die Vorzugsaktionäre haben fast alle Rechte der anderen Aktionäre. Nur das Stimmrecht fehlt. Sie dürfen an der Hauptversammlung teilnehmen. Sie können Fragen stellen. Sie haben Informationsrechte. Sie erhalten Dividenden. Sie bekommen auch Anteile bei einer Liquidation .

Das Gesetz schützt die Vorzugsaktionäre gut. Beschlüsse, die ihre Rechte beeinträchtigen, benötigen ihre Zustimmung. Diese Zustimmung muss mit einer Mehrheit von drei Vierteln gegeben werden .

8. Vorteile für die Gesellschaft

Die Gesellschaft profitiert von Vorzugsaktien ohne Stimmrecht. Sie kann Eigenkapital aufnehmen. Die Stimmrechtsverhältnisse bleiben gleich. Die alten Aktionäre behalten ihre Macht. Das ist besonders für Familienunternehmen wichtig .

Auch bei börsennotierten Unternehmen ist das nützlich. Die Gesellschaft kann Geld bekommen. Die Kontrolle bleibt bei den Stammaktionären. Das ist ein großer Vorteil .

9. Vorteile für die Anleger

Auch für Anleger haben diese Aktien Vorteile. Viele Anleger wollen kein Stimmrecht. Sie interessieren sich nur für die Rendite. Die Vorzugsaktie bietet eine höhere Dividende. Das ist attraktiv für viele Investoren .

Kleine Aktionäre haben oft ohnehin kaum Einfluss. Für sie ist die höhere Dividende wichtiger. Sie verzichten gerne auf das Stimmrecht .

10. Kombinationen und Gestaltungsmöglichkeiten

Die Satzung kann viel frei gestalten. Es gibt viele Möglichkeiten. Die Vorzugsaktie kann mit einer Vorabdividende ausgestattet sein. Sie kann auch eine Mehrdividende erhalten. Beides ist auch möglich .

Die Satzung kann weitere Rechte gewähren. Es kann einen Liquidationsvorteil geben. Es können Sonderrechte vereinbart werden. Die Gestaltung ist sehr flexibel .

11. Juristische Meinungen und Diskussionen

In der Juristerei gibt es unterschiedliche Meinungen. Einige Experten sehen die Vorzugsaktie kritisch. Sie fürchten eine Machtkonzentration. Wenige Stammaktionäre könnten zu viel Macht bekommen .

Andere Experten betonen die Vorteile. Sie sehen die Vorzugsaktie als wichtiges Finanzierungsinstrument. Besonders für den Mittelstand ist sie wertvoll .

Die Aktienrechtsnovelle 2016 wurde unterschiedlich bewertet. Viele begrüßten die Flexibilisierung. Andere sahen Risiken für den Anlegerschutz. Die Diskussion hält an .

12. Häufige Fragen und Antworten

Frage 1: Warum sollte jemand eine Vorzugsaktie ohne Stimmrecht kaufen?

Die Antwort ist einfach. Die höhere Dividende ist der Hauptgrund. Viele Anleger wollen nur Geld verdienen. Sie haben kein Interesse an der Unternehmensleitung. Die Vorzugsaktie bietet genau das .

Frage 2: Kann eine Vorzugsaktie später ein Stimmrecht bekommen?

Ja, das ist möglich. Das Stimmrecht lebt wieder auf. Das passiert, wenn der Vorzug nicht gezahlt wird. Dann werden die Vorzugsaktionäre den Stammaktionären gleichgestellt.

Frage 3: Was passiert bei einer Insolvenz?

Die Vorzugsaktionäre sind wie andere Aktionäre. Sie bekommen Anteile am Liquidationserlös. Die Satzung kann einen Vorzug vorsehen. Das ist aber nicht häufig.

Frage 4: Dürfen alle Unternehmen Vorzugsaktien ausgeben?

Nein, nicht alle Unternehmen. Die Aktiengesellschaft kann das. Die GmbH kann das nicht. Bei REIT-AGs ist es auch verboten. Das steht im REIT-Gesetz.

Frage 5: Wie viele Vorzugsaktien darf eine Gesellschaft ausgeben?

Die Grenze liegt bei der Hälfte des Grundkapitals. Mehr ist nicht erlaubt. Diese Regel ist zwingend. Sie dient dem Schutz der Stammaktionäre.

Frage 6: Was ist der Unterschied zwischen Vorab- und Mehrdividende?

Die Vorabdividende wird zuerst gezahlt. Die Stammaktionäre warten. Die Mehrdividende ist höher als die normale Dividende. Beide Arten sind seit 2016 erlaubt .

Frage 7: Braucht es für Vorzugsaktien eine Satzungsänderung?

Ja, das ist nötig. Die Satzung muss die Vorzugsaktien regeln. Bei neuen Aktien reicht ein Hauptversammlungsbeschluss. Bei Umwandlung von Stammaktien brauchen die betroffenen Aktionäre zuzustimmen.

13. Fallbeispiele

Fallbeispiel 1: Die Familien-AG

Die Müller-AG ist ein Familienunternehmen. Die Familie Müller besitzt alle Stammaktien. Sie will neues Geld für Investitionen. Sie gibt Vorzugsaktien ohne Stimmrecht aus. Die Familie behält die Kontrolle. Die neuen Anleger bekommen eine höhere Dividende. Alle sind zufrieden.

Fallbeispiel 2: Der börsennotierte Konzern

Die Tech-AG ist an der Börse notiert. Sie braucht Kapital für eine Übernahme. Sie entscheidet sich für Vorzugsaktien. Die Stammaktionäre wollen ihre Macht nicht teilen. Die Vorzugsaktien bringen das Geld. Die Stimmrechte bleiben bei den Stammaktionären. Die Übernahme gelingt .

Fallbeispiel 3: Das Start-up

Ein junges Unternehmen braucht Geld. Die Gründer wollen die Kontrolle behalten. Sie gründen eine AG. Sie geben Vorzugsaktien an Investoren aus. Die Investoren bekommen eine gute Rendite. Die Gründer bleiben Herr im Haus. Das Unternehmen wächst.

14. Besondere Situationen und Probleme

Es gibt besondere Situationen. Eine davon ist das Bezugsrecht. Bei Kapitalerhöhungen müssen alle Aktionäre bezugsberechtigt sein. Die Vorzugsaktionäre können ausgeschlossen werden. Das ist aber nur unter bestimmten Bedingungen möglich.

Ein anderes Problem ist die Kapitalmarktrecht. Wenn das Stimmrecht auflebt, ändert sich vieles. Die Meldepflichten nach dem WpHG werden wichtig. Vorzugsaktionäre müssen ihre Anteile melden.

15. Steuerliche Aspekte

Die Steuer behandelt Vorzugsaktien wie normale Aktien. Die Dividende ist steuerpflichtig. Es gelten die normalen Regeln. Es gibt keine besonderen Steuervorteile.

16. Was bedeutet das für den rechtssuchenden Bürger beim Notar in Mittelhessen, Raum Wetzlar, Giessen, Marburg?

Für Bürger in Mittelhessen ist die Vorzugsaktie ohne Stimmrecht ein wichtiges Thema. Viele Unternehmen in der Region sind Familienunternehmen. Diese nutzen oft Vorzugsaktien zur Finanzierung. Beim Notar in Wetzlar, Giessen oder Marburg werden solche Aktien oft beurkundet.

Wer eine Aktiengesellschaft gründen will, sollte über Vorzugsaktien nachdenken. Sie sind ein gutes Instrument zur Kapitalbeschaffung. Die Kontrolle bleibt bei den Gründern. Das ist für viele Familienunternehmen wichtig.

Auch Anleger sollten Vorzugsaktien kennen. Sie bieten oft eine höhere Rendite. Das ist attraktiv für Investoren. Aber man muss die Nachteile kennen. Das Stimmrecht fehlt. Bei Problemen kann das wichtig sein.

Die rechtliche Gestaltung ist komplex. Die Satzung muss sorgfältig formuliert sein. Fehler können teuer werden. Ein Fachmann ist daher sehr wichtig.

Die Anwalts- und Notarkanzlei Krau in Hohenahr bietet gerne ihre fachliche Hilfe an. Sie unterstützt bei der Gründung von Aktiengesellschaften. Sie berät zu Vorzugsaktien ohne Stimmrecht. Sie hilft bei der Gestaltung der Satzung. Sie steht Ihnen in Mittelhessen zur Verfügung.

RA und Notar Krau

Dieser Beitrag wurde von Anwalts- und Notarkanzlei Krau aus Hohenahr im Lahn-Dill-Kreis erstellt. Die Kanzlei berät Mandantinnen und Mandanten in Mittelhessen, insbesondere in der Region Wetzlar, Gießen und Marburg.

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