Was regelt Paragraf 364 BGB?

Mai 17, 2026

In diesem Text erfahren Sie, was Paragraf 364 BGB bedeutet und wie diese Vorschrift im Alltag wirkt. Sie bekommen eine einfache Erklärung, damit Sie den Paragraphen gut verstehen können. Fachwörter werden erklärt. Am Ende finden Sie einen Hinweis, wie Sie bei weiteren Fragen Unterstützung bekommen.

Worum geht es bei Paragraf 364 BGB?

Die Grundidee

Paragraf 364 BGB regelt, was passiert, wenn jemand eine andere Leistung als die ursprünglich vereinbarte annimmt. Das bedeutet: Sie schulden jemandem etwas, zum Beispiel Geld. Der andere nimmt aber etwas anderes als Ersatz an, etwa ein Fahrrad statt Geld. Dann kann die Schuld erlöschen 

Fachwort: „Leistung an Erfüllungs statt“

Das Gesetz nennt das „Leistung an Erfüllungs statt“. Das heißt: Der Gläubiger (so nennt man den, der etwas bekommt) nimmt eine andere Sache oder Dienstleistung als das, was eigentlich vereinbart war. Wenn beide Seiten einverstanden sind, ist die Schuld damit erledigt 

Beispiel aus dem Alltag

Sie haben einen Freund, dem Sie 100 Euro schulden. Sie sprechen mit ihm und er sagt: „Gib mir stattdessen dein altes Handy, dann sind wir quitt.“ Wenn Sie ihm das Handy geben und er es annimmt, müssen Sie die 100 Euro nicht mehr zahlen. Ihre Schuld ist weg 

Wie funktioniert das genau?

Voraussetzungen

  • Es muss eine andere Leistung als die geschuldete angeboten werden.
  • Der Gläubiger muss diese Leistung ausdrücklich annehmen.
  • Beide müssen sich einig sein, dass die Schuld damit erledigt ist 

Was regelt Paragraf 364 BGB?

Was ist, wenn der Gläubiger nur „zur Sicherheit“ etwas annimmt?

Manchmal übernimmt der Schuldner (so nennt man den, der etwas schuldet) eine neue Verpflichtung, zum Beispiel einen Schuldschein. Dann ist im Zweifel nicht gemeint, dass die alte Schuld erloschen ist. Das steht in Absatz 2 von Paragraf 364 BGB. Es soll klar sein, dass wirklich eine andere Leistung anstelle der alten Schuld angenommen wird, nicht nur zusätzlich 

Wann kann man das vereinbaren?

Vor oder bei der Erfüllung

Sie können schon beim Vertragsschluss vereinbaren, dass Sie statt der eigentlichen Leistung auch etwas anderes geben dürfen. Oder Sie sprechen erst später darüber, wenn die Schuld schon besteht. In beiden Fällen gilt Paragraf 364 BGB 

Beispiel: Inzahlungnahme

Beim Autokauf kann es sein, dass Sie Ihr altes Auto „in Zahlung geben“. Das bedeutet: Sie geben Ihr altes Auto ab, und der Händler rechnet den Wert auf den Kaufpreis an. Das ist ein typisches Beispiel für eine Leistung an Erfüllungs statt 

Was ist der Unterschied zu anderen Vereinbarungen?

Vergleich (Paragraf 779 BGB) und Erlass

Ein Vergleich ist eine Einigung, bei der beide Seiten nachgeben, um einen Streit zu beenden. Paragraf 364 BGB ist keine solche Einigung, sondern nur eine Vereinbarung über die Art der Erfüllung. Auch ein Erlassvertrag ist etwas anderes: Dabei verzichtet der Gläubiger ganz auf die Forderung. Bei Paragraf 364 BGB bekommt er stattdessen eine andere Sache oder Leistung 

Was passiert nach der Annahme?

Wenn der Gläubiger die andere Leistung annimmt, ist die ursprüngliche Schuld weg. Es kann dann nicht mehr auf die alte Leistung geklagt oder vollstreckt werden. Die Schuld ist endgültig erledigt

Was ist, wenn ein Dritter leistet?

Manchmal gibt nicht der Schuldner selbst die Ersatzleistung, sondern ein Dritter. Das ist möglich, wenn der Dritte im Namen des Schuldners handelt. Die Schuld kann auch dann erlöschen, wenn der Gläubiger die Leistung annimmt 

Was sagt die Rechtsprechung?

Gerichte haben entschieden, dass eine Vereinbarung nach Paragraf 364 BGB keine neue Schuld begründet, sondern die alte Schuld durch die Ersatzleistung erlischt. Es muss aber klar sein, dass beide Seiten das so wollten. Sonst bleibt die alte Schuld bestehen 

Zusammenfassung

  • Paragraf 364 BGB regelt, dass eine Schuld erlischt, wenn der Gläubiger eine andere Leistung als Ersatz annimmt.
  • Beide Seiten müssen sich einig sein.
  • Die Ersatzleistung kann schon vorher oder erst später vereinbart werden.
  • Die Schuld ist dann endgültig erledigt.
  • Das ist keine Einigung über einen Streit (Vergleich), sondern nur eine andere Art der Erfüllung.

Was tun bei Fragen?

Wenn Sie unsicher sind oder eine solche Vereinbarung treffen möchten, sollten Sie sich beraten lassen. Wenden Sie sich dazu an die Anwalts- und Notarkanzlei Krau. Dort erhalten Sie Unterstützung bei allen Fragen rund um Verträge und das BGB.

RA und Notar Krau

Dieser Beitrag wurde von Anwalts- und Notarkanzlei Krau aus Hohenahr im Lahn-Dill-Kreis erstellt. Die Kanzlei berät Mandantinnen und Mandanten in Mittelhessen, insbesondere in der Region Wetzlar, Gießen und Marburg.

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