Was regelt Paragraf 651e BGB?

Juli 5, 2026

Was regelt Paragraf 651e BGB? Ihr Recht zur Vertragsübertragung bei Reisen

Sie haben eine Pauschalreise gebucht, können aber doch nicht antreten? Vielleicht sind Sie erkrankt, ein beruflicher Termin dazwischengekommen oder private Gründe machen die Reise unmöglich. In solchen Momenten fragen Sie sich sicher: Kann ich die Reise einfach auf eine andere Person übertragen, um den gesamten Reisepreis nicht zu verlieren? Die gute Nachricht: Das Gesetz gibt Ihnen genau dafür eine klare Lösung.

Paragraf 651e BGB regelt die Vertragsübertragung bei Pauschalreisen. Diese Vorschrift schützt Sie als Reisenden davor, den kompletten Reisepreis zu verlieren, wenn Sie Ihre Reise nicht antreten können. Statt teuer zurückzutreten, dürfen Sie eine andere Person in den Vertrag eintreten lassen. Das Gesetz räumt Ihnen damit ein wichtiges Gestaltungsrecht ein, das Sie flexibel macht, wenn sich Ihre Lebensumstände ändern12.

Zusammenfassung für den eiligen Leser

  • Recht zur Vertragsübertragung: Sie können bis spätestens sieben Tage vor Reisebeginn eine andere Person in Ihren Reisevertrag eintreten lassen1.
  • Formvorschrift: Die Erklärung muss auf einem dauerhaften Datenträger erfolgen, also schriftlich, per E-Mail oder Fax3.
  • Widerspruchsrecht: Der Reiseveranstalter kann nur widersprechen, wenn der Ersatzreisende besondere vertragliche Reiseerfordernisse nicht erfüllt1.
  • Kosten: Sie und der Ersatzreisende haften gemeinsam als Gesamtschuldner für den Reisepreis und tatsächlich entstandene Mehrkosten1.
  • Nachweispflicht: Der Veranstalter muss die Mehrkosten konkret nachweisen, Pauschalen sind unzulässig4.

Die rechtlichen Hintergründe der Vertragsübertragung

Paragraf 651e BGB gibt Ihnen als Reisenden ein Gestaltungsrecht. Das bedeutet: Sie können durch eine einseitige Erklärung bewirken, dass eine andere Person an Ihrer Stelle in den Pauschalreisevertrag eintritt2. Sie brauchen dafür keine Zustimmung des Reiseveranstalters. Der Veranstalter hat lediglich ein begrenztes Widerspruchsrecht2. Dieser Schutz ist wichtig, weil Pauschalreisen oft lange im Voraus gebucht werden. Bis zum Reisebeginn kann sich viel in Ihrem Leben ändern2.

Die Erklärung zur Vertragsübertragung muss rechtzeitig erfolgen. Das Gesetz stellt klar: Spätestens sieben Tage vor Reisebeginn ist die Erklärung immer rechtzeitig1. Bei kurzfristigen Buchungen kann auch eine kürzere Frist ausreichend sein3. Wichtig ist zudem die Form: Die Erklärung muss auf einem dauerhaften Datenträger erfolgen. Ein einfacher Anruf reicht nicht3. Sie können die Erklärung per E-Mail, Brief oder Computerfax senden. Auch eine Audio-Datei ist möglich3.

Der Reiseveranstalter kann dem Eintritt des Dritten widersprechen, aber nur in engen Grenzen. Ein Widerspruch ist nur zulässig, wenn der Ersatzreisende die vertraglichen Reiseerfordernisse nicht erfüllt1. Das ist zum Beispiel der Fall bei Reisen mit besonderen Anforderungen wie Seniorenreisen, Jugendreisen oder Touren, die spezielle Vorkenntnisse verlangen

Tritt ein Dritter wirksam in den Vertrag ein, werden Sie und der neue Reisende Gesamtschuldner für den Reisepreis und die Mehrkosten1. Der Veranstalter kann sich aussuchen, von wem er die Zahlung verlangt5. Die Mehrkosten müssen tatsächlich entstanden und angemessen sein1. Eine pauschale Berechnung ist nicht zulässig4. Der Veranstalter muss Ihnen die Kosten konkret nachweisen1. Typische Mehrkosten sind Umbuchungsgebühren der Fluggesellschaft oder Gebühren für neue Reisedokumente4.

Beispielsfall 1: Krankheit kurz vor dem Urlaub

Die Familie Müller hat eine zweiwöchige Pauschalreise nach Italien gebucht. Drei Wochen vor Reisebeginn erkrankt der Vater schwer und kann nicht reisen. Die Familie möchte, dass der Onkel an seiner Stelle teilnimmt. Der Reiseveranstalter erklärt sich einverstanden und verlangt lediglich 50 Euro für die Umbuchung des Flugtickets.

Rechtliche Bewertung: Der Vater kann die Vertragsübertragung wirksam erklären, da die Frist von sieben Tagen vor Reisebeginn gewahrt ist1. Die Erklärung sollte per E-Mail erfolgen, um die Formvorschrift zu erfüllen3. Da es sich um eine normale Pauschalreise ohne besondere Anforderungen handelt, hat der Veranstalter keinen Grund zu widersprechen3. Die geforderten 50 Euro sind als tatsächlich entstandene Mehrkosten zulässig, sofern der Veranstalter diese konkret nachweisen kann4.

Beispielsfall 2: Segeltörn mit speziellen Voraussetzungen

Herr Schmidt hat einen zweiwöchigen Segeltörn in der Karibik gebucht. In der Buchungsbestätigung steht, dass Teilnehmer über Segelkenntnisse verfügen und seetauglich sein müssen. Eine Woche vor Abreise bricht sich Herr Schmidt das Bein und möchte seinen Freund als Ersatzreisenden benennen. Der Freund hat jedoch keinerlei Segelerfahrung. Der Reiseveranstalter widerspricht der Vertragsübertragung.

Rechtliche Bewertung: Der Widerspruch des Veranstalters ist hier rechtmäßig. Der Ersatzreisende erfüllt die vertraglichen Reiseerfordernisse nicht, da er die erforderlichen Segelkenntnisse fehlen13. Solche besonderen Voraussetzungen sind Teil des Vertrags und geben dem Veranstalter ein Widerspruchsrecht3. Herr Schmidt kann in diesem Fall nur vom Vertrag zurücktreten, muss aber die Stornokosten nach Paragraf 651h BGB tragen6.

Beispielsfall 3: Namensänderung bei Billigflug

Frau Weber hat eine Last-Minute-Reise nach Mallorca gebucht. Zwei Tage vor Abreise erfährt sie, dass sie doch nicht reisen kann. Sie möchte ihre Freundin als Ersatzperson benennen. Der Reiseveranstalter verlangt jedoch 200 Euro Umbuchungsgebühr und verweist auf die AGB der Billigairline, die einen Namenswechsel ausschließen.

Rechtliche Bewertung: Hier zeigt sich ein praktisches Problem. Zwar besteht grundsätzlich ein Recht zur Vertragsübertragung, aber die Mehrkosten können enorm sein5. Wenn die Fluggesellschaft einen Namenswechsel ausschließt, muss der Veranstalter ein neues Ticket buchen5. Diese Kosten sind tatsächlich entstanden und können verlangt werden4. Allerdings müssen sie angemessen sein und der Veranstalter muss sie nachweisen1. Eine pauschale Gebühr ohne konkreten Nachweis wäre unzulässig4. In solchen Fällen lohnt sich eine rechtliche Prüfung, ob die Kosten wirklich gerechtfertigt sind.

Wann Sie rechtliche Beratung benötigen

Die Vertragsübertragung nach Paragraf 651e BGB klingt einfach, doch die Praxis hält oft Fallstricke bereit. Reiseveranstalter verlangen manchmal überhöhte Umbuchungsgebühren oder widersprechen zu Unrecht. Besonders bei Flugpauschalreisen können die Mehrkosten so hoch sein, dass sich die Vertragsübertragung kaum noch lohnt5. Auch die Frage, ob ein Widerspruch des Veranstalters tatsächlich berechtigt ist, lässt sich nicht immer leicht beurteilen.

Hier hilft Ihnen die Anwalts- und Notarkanzlei Krau in Hohenahr gerne weiter. Unsere Kanzlei ist bundesweit tätig und prüft Ihren Fall individuell. Wir klären, ob die geforderten Mehrkosten rechtmäßig sind und wehren uns gegen unberechtigte Widersprüche des Reiseveranstalters. Kontaktieren Sie uns für eine rechtssichere Lösung Ihres Anliegens – wir stehen Ihnen mit unserer Erfahrung zur Seite.

Häufige Fragen (FAQ)

Bis wann muss ich die Vertragsübertragung erklären?

Die Erklärung muss spätestens sieben Tage vor Reisebeginn beim Reiseveranstalter eingehen1. Bei kurzfristigen Buchungen kann auch eine kürzere Frist ausreichen, wenn dem Veranstalter noch genug Zeit bleibt, die Umbuchung vorzunehmen3.

Kann ich die Vertragsübertragung auch telefonisch erklären?

Nein, die Erklärung muss auf einem dauerhaften Datenträger erfolgen3. Ein Telefonanruf reicht nicht. Sie können die Erklärung per E-Mail, Brief oder Computerfax senden3.

Wann darf der Reiseveranstalter der Vertragsübertragung widersprechen?

Der Veranstalter darf nur widersprechen, wenn der Ersatzreisende die vertraglichen Reiseerfordernisse nicht erfüllt1. Das betrifft Reisen mit besonderen Anforderungen wie Seniorenreisen, Jugendreisen oder Touren, die spezielle Kenntnisse verlangen3.

Welche Mehrkosten darf der Reiseveranstalter verlangen?

Der Veranstalter darf nur tatsächlich entstandene und angemessene Mehrkosten verlangen1. Eine pauschale Berechnung ist unzulässig4. Typische Kosten sind Umbuchungsgebühren der Fluggesellschaft oder Gebühren für neue Reisedokumente4.

Hafte ich noch für den Reisepreis nach der Vertragsübertragung?

Ja, Sie und der Ersatzreisende haften als Gesamtschuldner für den Reisepreis und die Mehrkosten1. Der Veranstalter kann sich aussuchen, von wem er die Zahlung verlangt5. Im Innenverhältnis zwischen Ihnen und dem Ersatzreisenden können Sie jedoch eine andere Vereinbarung treffen.


Zitiernachweise:

1

Paragraf 651e BGB

2

Kern – Jauernig | BGB Paragraf 651e Rn. 1-5

3

Geib – BeckOK BGB | BGB Paragraf 651e Rn. 3-7

4

Geib – BeckOK BGB | BGB Paragraf 651e Rn. 8-13

5

Tonner – MüKoBGB | BGB Paragraf 651e Rn. 14-17

6

Paragraf 651h BGB

RA und Notar Krau

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