
Was Sie tun können wenn Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zahlt
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (abgekürzt BU) ist eine der wichtigsten Absicherungen für Ihr Leben. Sie soll Sie finanziell schützen, wenn Sie Ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können. Doch leider kommt es immer wieder vor, dass Versicherungen die Zahlung verweigern. Das ist für die Betroffenen oft ein schwerer Schlag. In diesem Text erkläre ich Ihnen in einfacher Sprache, warum Versicherer ablehnen, wie Sie darauf reagieren sollten und welche Alternativen es gibt.
Es gibt verschiedene Gründe, warum ein Versicherer den Antrag auf Leistungen ablehnt. Nicht immer steckt böse Absicht dahinter, oft sind es vertragliche Details oder Fehler bei der Antragstellung.
Der häufigste Grund für eine Ablehnung ist der sogenannte Grad der Berufsunfähigkeit. In den meisten Verträgen steht, dass Sie zu mindestens 50 Prozent berufsunfähig sein müssen. Das bedeutet: Sie können Ihre bisherige Arbeit nur noch zur Hälfte oder weniger erledigen. Wenn ein Gutachter jedoch feststellt, dass Sie noch zu 60 Prozent einsatzfähig sind, liegt Ihre Berufsunfähigkeit nur bei 40 Prozent. In diesem Fall zahlt die Versicherung keinen Cent. Über die Hälfte aller Ablehnungen (etwa 51 Prozent) entfallen auf diesen Punkt.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die sogenannte vorvertragliche Anzeigepflicht. Wenn Sie den Vertrag unterschreiben, müssen Sie Fragen zu Ihrer Gesundheit beantworten. Wenn Sie hier eine Vorerkrankung verschweigen – egal ob absichtlich oder aus Vergesslichkeit –, kann das später böse Folgen haben. Die Versicherung kann den Vertrag anfechten oder davon zurücktreten. Das passiert bei etwa 12 Prozent der abgelehnten Fälle. Der Schutz ist dann rückwirkend weg, und Sie erhalten keine Rente.
Wenn Sie Leistungen beantragen, möchte die Versicherung viele Informationen von Ihnen haben. Sie müssen Arztberichte einreichen und Fragen zu Ihrem Arbeitsalltag beantworten. Wenn Sie diese Dokumente nicht liefern oder nicht auf Briefe reagieren, kann die Versicherung den Antrag wegen fehlender Mitwirkung ablehnen. Dies betrifft etwa 11 Prozent der Ablehnungen.
Wenn der Brief mit der Ablehnung in Ihrem Briefkasten liegt, ist die Verzweiflung oft groß. Doch Sie sollten jetzt besonnen handeln.
Der wichtigste Rat lautet: Schreiben Sie nicht sofort selbst eine wütende Antwort an die Versicherung. Laien machen in der Korrespondenz oft Fehler, die später vor Gericht gegen sie verwendet werden können. Einmal getätigte Aussagen lassen sich nur schwer korrigieren.
Wenden Sie sich an einen Fachanwalt für Versicherungsrecht. Ein Experte weiß genau, worauf es ankommt. Er prüft, ob die Ablehnung der Versicherung rechtlich haltbar ist. Oft fehlen nur bestimmte medizinische Nachweise, die ein Anwalt gemeinsam mit Ihren Ärzten besorgen kann. Die Versicherung merkt zudem, dass Sie Ihre Rechte ernst nehmen, wenn ein Anwalt die Kommunikation übernimmt.
Wenn ein Widerspruch nicht hilft, bleibt oft nur die Klage vor Gericht. Das klingt teuer und langwierig, ist aber manchmal der einzige Weg, um an Ihr Recht zu kommen. Ein spezialisierter Anwalt wird Ihnen helfen, die Erfolgschancen einzuschätzen. Versicherungen haben eigene Rechtsabteilungen, deshalb brauchen Sie auf Ihrer Seite ebenfalls einen Profi.
Auch wenn Sie sich mit der Versicherung streiten, sollten Sie die monatlichen Beiträge unbedingt weiterzahlen. Wenn Sie die Zahlung einstellen, riskieren Sie, dass die Versicherung den Vertrag wegen Zahlungsverzug kündigt. Dann wäre Ihr kompletter Schutz verloren. Wenn Sie am Ende gewinnen, muss die Versicherung Ihnen die in der Zwischenzeit gezahlten Beiträge meistens zurückerstatten.
Geduld ist gefragt, wenn man Leistungen aus der BU-Versicherung fordert. Im Durchschnitt dauert es etwa drei Monate von der Antragstellung bis zur ersten Entscheidung.
Die Versicherung muss Ihren Fall genau prüfen. Sie liest Krankenakten, prüft Gutachten und vergleicht Ihre gesundheitlichen Einschränkungen mit Ihrer letzten Tätigkeit. Dieser Prozess ist sehr aufwendig.
Sobald die Versicherung wirklich alle notwendigen Dokumente vorliegen hat, geht es oft schneller. Ab diesem Moment dauert die Entscheidung im Schnitt nur noch etwa neun Tage. Die größte Verzögerung entsteht also meistens dadurch, dass Unterlagen von Ärzten oder Behörden nachgefordert werden müssen. Auch Feiertage oder Krankheitswellen beim Versicherer können die Wartezeit verlängern.
Nicht jeder bekommt eine BU-Versicherung. Wer schwere Vorerkrankungen hat oder in einem sehr riskanten Beruf arbeitet, wird oft abgelehnt oder müsste extrem hohe Beiträge zahlen. Es gibt jedoch andere Möglichkeiten, sich abzusichern.
Diese Versicherung ist oft günstiger und die Gesundheitsfragen sind weniger streng. Aber Achtung: Sie zahlt erst, wenn Sie gar keinen Beruf mehr ausüben können. Es spielt keine Rolle, ob Sie Bäcker oder Büroangestellter waren. Wenn Sie noch irgendeine Arbeit für ein paar Stunden am Tag machen könnten, zahlt diese Versicherung nicht. Sie ist also ein schwächerer Schutz als die BU.
Der Name stammt aus dem Englischen und bedeutet „Versicherung gegen schwere Krankheiten“. Hier erhalten Sie keine monatliche Rente, sondern eine einmalige hohe Geldsumme. Das Geld wird ausgezahlt, wenn Sie eine Diagnose wie Krebs, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erhalten. Mit diesem Geld können Sie zum Beispiel Ihr Haus umbauen oder Schulden abbezahlen.
Diese Versicherung schützt Sie, wenn Sie bestimmte Grundfähigkeiten verlieren. Dazu gehören zum Beispiel das Gehen, Treppensteigen, das Benutzen der Hände oder das Sehen und Hören. Wenn eine dieser Fähigkeiten wegfällt, zahlt die Versicherung eine Rente. Es ist völlig egal, ob Sie damit noch arbeiten könnten oder nicht.
Bevor Sie eine Alternative abschließen, sollten Sie genau hinschauen. Viele Verträge enthalten komplizierte Klauseln, die den Schutz einschränken können.
Unterschreiben Sie niemals vorschnell einen Vertrag, nur weil die Gesundheitsprüfung einfach erscheint. Lassen Sie den Vertrag von einem unabhängigen Experten prüfen. Er sollte zu Ihrer persönlichen Lebenssituation passen.
Egal welche Versicherung Sie wählen: Seien Sie bei den Gesundheitsfragen immer ehrlich. Geben Sie alles an, auch wenn es Ihnen unwichtig erscheint. Nur so stellen Sie sicher, dass Sie im Ernstfall wirklich Geld bekommen. Eine Versicherung, die im Leistungsfall wegen falscher Angaben kündigt, war weggeworfenes Geld.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist komplex. Wenn es Probleme gibt, ist rechtzeitige Hilfe durch einen Anwalt der beste Weg, um Ihre Ansprüche durchzusetzen. Bleiben Sie geduldig und achten Sie von Anfang an auf vollständige Angaben, damit Sie im Ernstfall gut versorgt sind.
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