Widerruf Bezugsberechtigung aus Lebensversicherung durch Nachlasspfleger
OLG Köln, Beschl. v. 20.5.2025 – 2 W 79/25
(AG Köln – 31 VI 195/24)
In dem vorliegenden Rechtsfall geht es um eine spannende Frage aus dem Erbrecht und dem Versicherungsrecht. Es wurde geklärt, ob ein Nachlasspfleger eine Versicherungssumme für die Erben zurückholen kann, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten eine andere Person als Begünstigte eingetragen hatte.
Hier ist die Zusammenfassung des Urteils des Oberlandesgerichts (OLG) Köln für Sie:
Stellen Sie sich vor, ein Mann hat eine Lebensversicherung. Er trägt seine Lebensgefährtin als Person ein, die im Todesfall das Geld erhalten soll. Man nennt das ein Bezugsrecht. Nun passiert das Tragische: Erst stirbt der Mann, kurz darauf stirbt auch seine Lebensgefährtin.
Da die Frau keine bekannten Verwandten hat, setzt das Gericht einen Nachlasspfleger ein. Dieser soll ihr Erbe verwalten. Die Erben des Mannes (seine Geschwister) wollen das Geld aus der Versicherung jedoch für sich haben. Sie sagen: Es gab gar keinen echten Grund, warum die Frau das Geld behalten darf. Der Nachlasspfleger der Frau möchte nun wissen, ob er das Geld an die Erben des Mannes herausgeben darf. Das Gericht musste entscheiden, wer hier im Recht ist.
Um diesen Fall zu verstehen, müssen Sie wissen, dass Juristen bei einer Lebensversicherung zwei verschiedene Verträge oder „Beziehungen“ prüfen. Man kann sich das wie zwei getrennte Baustellen vorstellen:
Das Gericht sagt: Auch wenn die Versicherung laut Vertrag an die Frau zahlen muss, darf sie (oder ihre Erben) das Geld nur behalten, wenn es dafür einen Rechtsgrund gibt. Meistens ist dieser Grund eine Schenkung.
Wenn Sie jemanden in Ihre Versicherung eintragen, geben Sie der Versicherung eigentlich einen Auftrag. Sie sagen der Versicherung: „Bitte bietet der Frau nach meinem Tod an, ihr das Geld zu schenken.“ Die Versicherung wird also zu Ihrem Boten.
Eine Schenkung ist rechtlich gesehen erst dann gültig, wenn beide Seiten zustimmen: Einer bietet es an, der andere nimmt es an. Da der Mann schon tot ist, wenn die Versicherung das Angebot überbringt, ist das ein besonderer Vorgang.
Hier kommt der entscheidende Punkt für Sie: Ein Auftrag kann normalerweise widerrufen werden. Dieses Recht zum Widerruf geht nach dem Tod auf die Erben über.
In diesem Fall waren die Erben des Mannes schnell. Sie haben der Versicherung gesagt: „Wir nehmen den Auftrag zurück! Überbringt der Frau (oder ihren Erben) bitte kein Schenkungsangebot mehr.“ Da dieser Widerruf ankam, bevor die Versicherung der Frau das Angebot machen konnte, kam kein Schenkungsvertrag mehr zustande. Der „Bote“ wurde gestoppt.
Das Gericht hat geprüft, ob der Mann und die Frau vielleicht schon zu Lebzeiten mündlich vereinbart hatten, dass sie das Geld geschenkt bekommt. Wenn das so wäre, hätten die Erben den Auftrag nicht mehr stoppen können.
Das Problem dabei: Es gab keine Beweise dafür. Die beiden lebten zwar in einer Partnerschaft, aber in getrennten Wohnungen. Das Gericht entschied: Nur weil man zusammen ist, bedeutet das nicht automatisch, dass man sich hohe Summen schenkt. Es gab keine Gespräche oder Zeugen, die einen solchen Schenkungsvertrag bestätigen konnten. Reine Vermutungen reichen vor Gericht nicht aus.
Der Nachlasspfleger der verstorbenen Frau wollte die Interessen der unbekannten Erben schützen. Das Gericht hat ihm nun aber den Rücken gestärkt: Er darf (und muss) der Abtretung des Geldes an die Erben des Mannes zustimmen.
Da kein gültiger Schenkungsvertrag vorliegt, hat die Seite der Frau keinen rechtlichen Grund, das Geld zu behalten. Würde sie es trotzdem bekommen, wäre es eine sogenannte ungerechtfertigte Bereicherung. Das bedeutet, man hat etwas erhalten, das einem rechtlich nicht zusteht.
Das Urteil des OLG Köln zeigt deutlich, wie wichtig schnelles Handeln ist. Wenn Erben verhindern wollen, dass Geld aus einer Lebensversicherung an einen Dritten fließt, müssen sie den Auftrag gegenüber der Versicherung sofort widerrufen.
Haben Sie Fragen zu den Auswirkungen dieses Urteils auf Ihre persönliche Vorsorge oder möchten Sie wissen, wie Sie ein Bezugsrecht rechtssicher gestalten können? Soll ich Ihnen erklären, wie man ein Bezugsrecht so formuliert, dass es für die Erben nicht mehr widerrufbar ist?
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