Wie entdecke ich verdeckte negative Hinweise im Arbeitszeugnis?

April 5, 2026

Wie entdecke ich verdeckte negative Hinweise im Arbeitszeugnis?

Was ist ein Arbeitszeugnis?

Ein Arbeitszeugnis ist ein schriftlicher Bericht, den Sie nach dem Ende Ihres Arbeitsverhältnisses vom Arbeitgeber bekommen. Es beschreibt, wie Sie gearbeitet haben und wie Sie sich verhalten haben. Das Zeugnis ist wichtig für Ihre nächste Bewerbung. Es soll Ihnen helfen, einen neuen Job zu finden. Das Zeugnis muss klar und verständlich sein. Es darf keine versteckten Hinweise enthalten, die Sie schlechter machen, als Sie wirklich waren. Das steht in Paragraf 109 der Gewerbeordnung (GewO) .

Was sind verdeckte negative Hinweise?

Verdeckte negative Hinweise sind versteckte Botschaften im Zeugnis. Sie werden auch „Geheimcodes“ genannt. Sie sollen dem Leser, also dem neuen Arbeitgeber, etwas Negatives über Sie sagen, ohne dass es direkt ausgesprochen wird. Das kann zum Beispiel durch bestimmte Wörter, Auslassungen oder Zeichen passieren.

Beispiele für verdeckte Hinweise

  • Geheimcode: Ein Geheimcode ist eine Formulierung, die auf den ersten Blick neutral oder sogar positiv klingt, aber in Wirklichkeit etwas Negatives meint. Beispiel: „Er bemühte sich, die ihm übertragenen Aufgaben zu erfüllen.“ Das klingt nett, bedeutet aber oft: Sie haben Ihre Aufgaben nicht gut gemacht.
  • Beredtes Schweigen: Das bedeutet, dass etwas Wichtiges im Zeugnis einfach weggelassen wird. Zum Beispiel wird normalerweise erwähnt, ob Sie ehrlich waren. Fehlt diese Information, kann das ein Hinweis darauf sein, dass es Probleme mit Ihrer Ehrlichkeit gab.
  • Doppelte Verneinung: Wenn im Zeugnis steht: „Er erzielte nicht unbedeutende Erfolge“, klingt das positiv. Es heißt aber nur, dass Ihre Erfolge nicht ganz unwichtig waren – also nicht wirklich gut.
  • Besondere Zeichen: Auch Unterstreichungen, Anführungszeichen, Fettdruck oder ungewöhnliche Unterschriften können als Geheimzeichen gelten. Sie sollen dem Leser etwas Bestimmtes sagen, was nicht im Text steht. Das ist verboten.

Wie erkenne ich verdeckte negative Hinweise?

Schritt 1: Lesen Sie das Zeugnis genau

Achten Sie auf die Formulierungen. Lesen Sie jeden Satz langsam und überlegen Sie, was wirklich gemeint ist. Fragen Sie sich: Wird meine Leistung wirklich gelobt? Oder klingt es nur so?

Schritt 2: Achten Sie auf typische Codewörter

Es gibt bestimmte Wörter, die oft als versteckte Kritik verwendet werden. Hier einige Beispiele:

  • Bemühen: Wenn nur steht, dass Sie sich bemüht haben, aber kein Erfolg erwähnt wird, ist das ein schlechtes Zeichen 2.
  • Zur Zufriedenheit: Die Formulierung „zur vollen Zufriedenheit“ ist gut. Steht aber nur „zur Zufriedenheit“, ist das eine schwache Bewertung.
  • Pünktlich: Wenn nur Ihre Pünktlichkeit gelobt wird, aber nichts über Ihre Arbeit steht, kann das heißen, dass Sie sonst nichts Positives getan haben.
  • Gesellig: Wenn im Zeugnis steht, Sie seien „gesellig“, kann das bedeuten, dass Sie zu viel mit Kollegen geredet haben und nicht genug gearbeitet haben.

Schritt 3: Prüfen Sie, ob wichtige Informationen fehlen

Fehlen im Zeugnis Angaben zu wichtigen Eigenschaften oder Leistungen, kann das ein Hinweis auf Schwächen sein. Zum Beispiel: In manchen Berufen ist es üblich, die Belastbarkeit zu erwähnen. Fehlt das, kann das negativ gemeint sein.

Schritt 4: Schauen Sie auf die äußere Form

Auch die äußere Form des Zeugnisses kann Hinweise geben:

  • Unterstreichungen, Fettdruck oder Anführungszeichen: Diese Zeichen sind verboten, weil sie als Geheimzeichen gelten können.
  • Ungewöhnliche Unterschrift: Eine schräge oder auffällige Unterschrift kann ein Zeichen für einen versteckten Hinweis sein.
  • Papier oder Stempel: Auch die Verwendung von besonderem Papier oder Stempeln kann als Geheimcode verstanden werden.

Schritt 5: Vergleichen Sie mit anderen Zeugnissen

Fragen Sie Freunde oder Kollegen nach ihren Zeugnissen. Vergleichen Sie die Formulierungen. Gibt es Unterschiede? Werden bei Ihnen wichtige Eigenschaften nicht erwähnt, die bei anderen genannt werden?

Schritt 6: Nutzen Sie Listen mit Zeugnisformulierungen

Im Internet gibt es Listen mit typischen Zeugnisformulierungen und ihrer Bedeutung. Diese können Ihnen helfen, versteckte Hinweise zu erkennen. Aber Vorsicht: Nicht jede Liste ist richtig. Verlassen Sie sich nicht nur darauf.

Was sagt das Gesetz?

Das Gesetz (Paragraf 109 GewO) schreibt vor, dass das Zeugnis klar und verständlich sein muss. Es darf keine versteckten Hinweise oder Geheimzeichen enthalten. Das Zeugnis muss der Wahrheit entsprechen, aber auch wohlwollend formuliert sein. Das heißt: Es soll Ihnen nicht unnötig schaden.

Was tun, wenn Sie einen verdeckten negativen Hinweis entdecken?

Wenn Sie glauben, dass Ihr Zeugnis einen verdeckten negativen Hinweis enthält, können Sie eine Korrektur verlangen. Sie haben das Recht auf ein Zeugnis ohne Geheimcodes und negative Andeutungen. Der Arbeitgeber muss das Zeugnis dann ändern.

Zusammenfassung: So erkennen Sie verdeckte negative Hinweise

  • Lesen Sie das Zeugnis aufmerksam und hinterfragen Sie jede Formulierung.
  • Achten Sie auf typische Codewörter wie „bemüht“, „gesellig“ oder „zur Zufriedenheit“.
  • Prüfen Sie, ob wichtige Informationen fehlen.
  • Schauen Sie auf die äußere Form: Unterstreichungen, Anführungszeichen, ungewöhnliche Unterschriften sind verdächtig.
  • Vergleichen Sie Ihr Zeugnis mit anderen.
  • Nutzen Sie Listen mit Zeugnisformulierungen, aber verlassen Sie sich nicht nur darauf.
  • Wissen Sie: Sie haben ein Recht auf ein klares, verständliches und wohlwollendes Zeugnis ohne Geheimcodes.

Was bedeutet das für Sie?

Verdeckte negative Hinweise im Arbeitszeugnis können Ihre Chancen auf einen neuen Job verschlechtern. Es ist wichtig, dass Sie Ihr Zeugnis genau prüfen. Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie Ihr Zeugnis von einem Experten überprüfen.

Kontaktieren Sie die Anwalts- und Notarkanzlei Krau, wenn Sie Hilfe bei Ihrem Arbeitszeugnis brauchen.

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