Wiedereinsetzung in den vorigen Stand
Im deutschen Recht gibt es strenge Regeln dafür, bis wann Dokumente bei Gericht eingehen müssen. Wer eine solche Frist verpasst, verliert oft seinen Prozess, ohne dass der Inhalt überhaupt geprüft wird. Es gibt jedoch einen Rettungsweg: die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand. Das bedeutet, dass das Gericht so tut, als wäre die Frist nie abgelaufen. Dafür müssen jedoch sehr strenge Bedingungen erfüllt sein.
Zunächst muss geklärt werden, wann eine Frist überhaupt beginnt. Normalerweise startet sie, wenn ein Urteil offiziell zugestellt wird. Dabei ist es wichtig, dass das Dokument vollständig ist. Der Empfänger muss erkennen können, worum es geht und warum das Gericht so entschieden hat.
Eine Frist ist dann verpasst, wenn das nötige Dokument nicht rechtzeitig oder nicht in der richtigen Form ankommt. Heute müssen Anwälte Dokumente fast immer elektronisch über das besondere elektronische Anwaltspostfach (beA) schicken. Dabei passieren oft Fehler:
Wenn das Internet oder das Computersystem des Anwalts nicht funktioniert, darf er das Dokument ausnahmsweise noch per Post oder Fax schicken. Er muss dem Gericht dann aber sofort beweisen, dass die Technik schuld war. Eine kurze Nachricht am selben Tag reicht meistens aus. Er muss genau erklären, was kaputt war und was er versucht hat, um das Problem zu beheben.
Manche Menschen können sich keinen Anwalt leisten. Wenn sie deshalb eine Frist verpassen, ist das oft entschuldigt. Sie müssen aber rechtzeitig Prozesskostenhilfe beantragen. Das bedeutet, sie bitten den Staat, die Kosten zu übernehmen.
Dabei gibt es wichtige Regeln:
Wenn der Antrag rechtzeitig und korrekt gestellt wurde, darf die Person warten, bis das Gericht über das Geld entscheidet. In dieser Zeit läuft die Frist für sie nicht gefährlich weiter.
Ein Anwalt trägt eine große Verantwortung. Wenn er einen Fehler macht, wird dieser Fehler dem Mandanten zugerechnet. Das bedeutet: Der Mandant hat Pech, weil sein Anwalt unvorsichtig war.
Ein Anwalt darf Aufgaben an sein Personal übertragen, zum Beispiel das Eintragen von Terminen in den Kalender. Er muss aber sicherstellen, dass das Personal gut ausgebildet ist und genau kontrolliert wird. Wichtige Regeln in der Kanzlei sind:
Beim Versand per beA muss der Anwalt prüfen, ob das Dokument wirklich beim Gericht angekommen ist. Er bekommt eine digitale Bestätigung. Steht dort nicht ausdrücklich „erfolgreich“, muss er sofort handeln. Er darf sich nicht darauf verlassen, dass „schon alles geklappt haben wird“.
Wenn ein Anwalt plötzlich krank wird, ist das ein Problem. Er muss trotzdem versuchen, alles Mögliche zu tun. Er kann zum Beispiel einen Kollegen bitten einzuspringen oder das Gericht um mehr Zeit bitten. Nur wenn er so krank ist, dass er gar nicht mehr denken oder handeln kann, ist das Versäumnis entschuldigt.
Auch Gerichte machen Fehler. Schickt ein Anwalt einen Brief versehentlich an das falsche Gericht, muss dieses Gericht den Brief eigentlich weiterleiten. Das gilt aber nur, wenn noch genug Zeit ist. Wenn der Brief erst einen Tag vor Fristende beim falschen Gericht ankommt, ist es oft zu spät. Das Gericht ist nicht verpflichtet, den Brief mit extremer Eile weiterzuschicken.
Hat das Gericht jedoch eine falsche Information gegeben (zum Beispiel eine falsche Rechtsbehelfsbelehrung), dann wird dem Bürger daraus meist kein Strick gedreht. In diesem Fall bekommt er fast immer eine zweite Chance.
Wer eine Frist verpasst hat, muss schnell handeln. Sobald man bemerkt, dass etwas schiefgelaufen ist, hat man meistens nur zwei Wochen Zeit. In dieser Zeit muss man:
Der Bericht muss so genau sein, dass das Gericht lückenlos versteht, wie es zu dem Fehler kam. Bleiben Zweifel offen, ob vielleicht doch der Anwalt geschlampt hat, wird der Antrag abgelehnt.
Die Regeln für Fristen vor Gericht sind extrem streng. Besonders die Technik des elektronischen Rechtsverkehrs sorgt für neue Stolperfallen. Wer sichergehen will, darf Fristen niemals bis zur letzten Minute ausreizen. Eine gute Organisation in der Anwaltskanzlei ist die beste Versicherung gegen den Verlust eines Prozesses aus formalen Gründen.