Zuständigkeit der Familiengerichte auch für Ansprüche aus Nebenpflichten eines Unterhaltsverhältnisses

Januar 30, 2026

Zuständigkeit der Familiengerichte auch für Ansprüche aus Nebenpflichten eines Unterhaltsverhältnisses

Gericht: OLG Karlsruhe Senat für Familiensachen
Entscheidungsdatum: 14.01.2026
Aktenzeichen: 18 WF 108/23
ECLI: ECLI:DE:OLGKARL:2026:0114.18WF108.23.00
Dokumenttyp: Beschluss

In dieser Zusammenfassung erkläre ich Ihnen eine wichtige Entscheidung des Oberlandesgerichts (OLG) Karlsruhe vom 14. Januar 2026. Es geht um die Frage, welches Gericht zuständig ist, wenn aus einem Streit um Unterhalt ein Schaden entsteht.

Worum geht es in dem Fall?

Ein Vater hatte über viele Jahre hinweg Unterhalt für sein im Jahr 1996 geborenes Kind zu zahlen. Da die Mutter staatliche Leistungen (Sozialhilfe) für das Kind erhielt, gingen die Unterhaltsansprüche auf den Staat über. In diesem Fall war eine Behörde die Gegnerin.

Im Jahr 2019 wollte die Behörde Geld sehen. Sie vollstreckte einen hohen Betrag vom Konto des Vaters. Insgesamt wurden über 15.000 Euro eingezogen. Der Vater wehrte sich jedoch. Er sagte, dass die Forderungen bereits verjährt seien. Er bekam Recht: Das Gericht entschied in einem früheren Verfahren, dass die Behörde das Geld inklusive Zinsen zurückzahlen muss.

Der neue Streit: Schadenersatz für den Betrieb

Der Vater ist Inhaber eines Betriebs für Garten- und Landschaftsbau. Durch die Pfändungen auf seinem Geschäftskonto entstand ihm nach eigenen Angaben ein großer wirtschaftlicher Schaden. Er wollte deshalb, dass die Behörde ihm diesen Schaden ersetzt.

Er reichte seinen Antrag beim Amtsgericht – Familiengericht – Freiburg ein. Doch dort wollte man den Fall nicht bearbeiten. Das Familiengericht meinte, es sei nicht zuständig. Die Richter dort fanden, dass es jetzt nur noch um allgemeinen Schadenersatz geht. Sie wollten den Fall deshalb an ein normales Zivilgericht (das Landgericht Bochum) abgeben.

Der Vater war damit nicht einverstanden. Er legte Beschwerde ein. Er wollte, dass das Familiengericht entscheidet.

Die Entscheidung des Oberlandesgerichts Karlsruhe

Das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe gab dem Vater recht. Die Richter hoben die Entscheidung des Amtsgerichts auf. Das bedeutet: Das Familiengericht Freiburg muss den Fall bearbeiten und darf ihn nicht wegschicken.

Warum ist das Familiengericht zuständig?

Das OLG erklärte das mit einer klaren Regel: Wenn ein Streit seinen Ursprung im Familienrecht hat, bleibt das Familiengericht zuständig. Es spielt keine Rolle, ob man das Kind beim Namen nennt oder ob es rechtlich um „Schadenersatz“ oder „Bereicherung“ geht.

Zuständigkeit der Familiengerichte auch für Ansprüche aus Nebenpflichten eines Unterhaltsverhältnisses

Entscheidend ist, wo der Anspruch „wurzelt“. In diesem Fall war die Wurzel des Streits die Unterhaltspflicht des Vaters gegenüber seinem Kind. Auch wenn die Behörde das Geld eingetrieben hat, ging es ursprünglich um Unterhaltssachen.

Klarheit für die Bürger

Das Gericht betonte, dass es für die Rechtssicherheit wichtig ist. Man soll nicht raten müssen, welches Gericht zuständig ist. Nur weil die Rechtsfragen komplizierter werden oder in den Bereich des allgemeinen Zivilrechts rutschen, ändert das nichts an der Grundzuständigkeit.

Das Familiengericht kennt die Vorgeschichte der Beteiligten am besten. Es ist darauf spezialisiert, die besonderen Pflichten innerhalb einer Familie (oder gegenüber Behörden, die Unterhalt eintreiben) zu bewerten.

Was bedeutet das für die Praxis?

Dieses Urteil ist ein wichtiges Signal für alle, die sich in Unterhaltsstreitigkeiten befinden. Es zeigt:

  • Zuständigkeit: Wenn aus einem Unterhaltsthema ein Schaden entsteht (zum Beispiel durch eine falsche Pfändung), ist das Familiengericht der richtige Ansprechpartner.
  • Kein Hin- und Her-Schieben: Die Gerichte dürfen solche Fälle nicht einfach an allgemeine Zivilgerichte abgeben, nur weil es um Schadenersatz geht.
  • Nebenpflichten: Im Unterhaltsrecht gibt es nicht nur die Pflicht zu zahlen. Es gibt auch die Pflicht, die Belange des anderen zu wahren. Wer dagegen verstößt, muss sich vor dem Familiengericht verantworten.

Zusammenfassung der rechtlichen Grundlagen

Das Gericht stützte sich auf das Gesetz über das Verfahren in Familiensachen (FamFG). In § 231 FamFG steht, dass Unterhaltssachen alle Verfahren sind, die die gesetzliche Unterhaltspflicht „betreffen“. Das Wort „betreffen“ ist sehr weit gefasst. Es schließt eben auch Folgeschäden mit ein.


Wenn Sie rechtliche Fragen zu Unterhaltsansprüchen, Verjährung oder Schadenersatz im Familienrecht haben, ist eine fachkundige Beratung unerlässlich. Die rechtlichen Fristen und Zuständigkeiten sind oft kompliziert.

Wenden Sie sich für eine professionelle Unterstützung gerne an die Experten. Der Leser sollte mit der Anwalts- und Notarkanzlei Krau in Hohenahr Kontakt aufnehmen, um seine Rechte zu wahren.

RA und Notar Krau

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