Nachweis für Existenz Testament wenn nur Kopie besteht – Bayerisches Oberstes Landesgericht 1Z BR 126/00

November 29, 2020

Nachweis für Existenz Testament wenn nur Kopie besteht – Bayerisches Oberstes Landesgericht 1Z BR 126/00

Zusammenfassung RA und Notar Krau:

Das Bayerische Oberste Landesgericht (BayObLG) hat im Fall 1Z BR 126/00 über die Anerkennung eines Testaments entschieden, das nur in Kopie vorlag.

Die Erblasserin hatte mit ihrem 1989 verstorbenen Ehemann 1951 einen notariellen Ehe- und Erbvertrag geschlossen, in dem sie sich gegenseitig als Erben einsetzten.

1984 erstellten sie ein gemeinschaftliches handschriftliches Testament, das nur in Fotokopie vorhanden war und den Neffen und dessen Ehefrau als Schlusserben benannte.

Nach dem Tod der Erblasserin 1999 beantragten die Neffen die Erteilung eines Erbscheins.

Das Amtsgericht stellte die Erteilung eines Erbscheins in Aussicht, woraufhin mehrere Neffen Beschwerde einlegten, die vom Landgericht München II zurückgewiesen wurde.

Die Beschwerde gegen diesen Beschluss wurde ebenfalls vom BayObLG zurückgewiesen.

Das Gericht befand, dass die Kopie des Testaments ausreicht, wenn die Originalurkunde unauffindbar ist, und andere Beweismittel die Echtheit und den Inhalt des Testaments belegen können.

Zeugenaussagen bestätigten, dass das Originaltestament bei Tod des Ehemanns vorhanden war und nicht in Widerrufsabsicht vernichtet wurde.

Es gab keine Hinweise auf einen Widerruf durch die Erblasserin nach dem Tod ihres Ehemanns.

Das Gericht stellte fest, dass die gegenseitige Erbeinsetzung der Eheleute und die Bestimmung der Schlusserben im Testament vom 5. Juli 1984 wechselbezüglich erfolgt sind, sodass ein Widerruf nach dem Tod des Ehegatten unwirksam gewesen wäre.

Die gegenseitigen Verfügungen seien mit Rücksicht auf die andere getroffen worden.

Zeugenaussagen und die Erwähnung der jahrelangen Dienstleistungen der Neffen und deren Frau unterstützten diese Wechselbezüglichkeit.

Die Entscheidung des Landgerichts wurde als rechtlich korrekt und frei von Rechtsfehlern bestätigt.

Das BayObLG stützte sich auf die ständige Rechtsprechung, wonach die Vorlage einer Testamentskopie und ergänzende Beweismittel ausreichen, um die Errichtung und den Inhalt eines Testaments nachzuweisen.

Es wies die weitere Beschwerde zurück und entschied, dass die Beteiligten zu 3 bis 5 die Kosten des Verfahrens zu tragen haben.

Nachweis für Existenz Testament wenn nur Kopie besteht – Bayerisches Oberstes Landesgericht 1Z BR 126/00 – Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung
  2. Sachverhalt
    • A. Erblasserin und Beteiligte
    • B. Notarieller Ehe- und Erbvertrag vom 2. Mai 1951
    • C. Gemeinschaftliches Testament vom 5. Juli 1984
  3. Verfahren
    • A. Vorbescheid des Amtsgerichts vom 27. März 2000
    • B. Beschluss des Landgerichts München II vom 14. Juli 2000
    • C. Weitere Beschwerde der Beteiligten zu 3 bis 5
  4. Entscheidungsgründe des Bayerischen Obersten Landesgerichts
    • A. Formgültigkeit der Testamentskopie
    • B. Nachweis der Echtheit und des Inhalts des Testaments
    • C. Kein wirksamer Widerruf des Testaments
  5. Rechtliche Beurteilung
    • A. Gesetzliche Grundlagen
      • I. §§ 2355, 2356 BGB
      • II. § 2271 Abs. 2 BGB i.V.m. § 2270 BGB
    • B. Wechselbezüglichkeit der Verfügungen
    • C. Schlussfolgerungen des Landgerichts
  6. Beweiswürdigung
    • A. Zeugenaussagen
    • B. Motiv für Schlusserbeneinsetzung
    • C. Bedeutung des Begriffs „Nacherben“
  7. Kostenentscheidung
  8. Schlussbemerkung

Zum Entscheidungstext:

Zur Frage des Nachweises, dass ein Testament existiert, wenn nur eine Kopie besteht. Der 1. Zivilsenat des Bayerischen Obersten Landesgerichts hat unter Mitwirkung des Präsidenten Gummer sowie der Richter Seifried und Zwirlein

am 19. Januar 2001

in der Nachlaßsache

beschlossen:

Tenor:

Die weitere Beschwerde der Beteiligten zu 3 bis 5 gegen den Beschluss des Landgerichts München II vom 14. Juli 2000 wird zurückgewiesen.

II. Die Beteiligten zu 3 bis 5 haben die den Beteiligten zu 1 und 2 im Verfahren der weiteren Beschwerde entstandenen Kosten zu erstatten.

Nachweis für Existenz Testament wenn nur Kopie besteht – Bayerisches Oberstes Landesgericht 1Z BR 126/00 – Gründe:

I.

Die 1999 verstorbene Erblasserin war verwitwet und hatte keine Kinder. Die Beteiligten zu 1, 3, 4, 5 und 6 sind Neffen und Nichten der Erblasserin. Die Beteiligte zu 2 ist die Ehefrau des Beteiligten zu 1.

Die Erblasserin hatte mit ihrem 1989 vorverstorbenen Ehemann am 2.5.1951 einen notariellen Ehe- und Erbvertrag geschlossen und darin folgende erbvertragliche Bestimmung getroffen:

Der künftigen Sterbefälle wegen schliessen die Ehegatten folgenden

Erbvertrag:

Sie setzen sich hiermit zu alleinigen und ausschließlichen Erben ein.

Auf die pflichtteilsrechtlichen Bestimmungen des BGB wurde hingewiesen.

Dem überlebenden Eheteil steht es frei gesondert über sein Vermögen zu verfügen.

Vorstehender Erbvertrag gilt auch im Falle einer Ehescheidung.

Ein gemeinschaftliches Testament der Erblasserin und ihres vorverstorbenen Ehemanns vom 5.7.1984 liegt lediglich in Fotokopie vor. Diese Verfügung ist handschriftlich verfaßt, von beiden Ehegatten unterschrieben und hat folgenden Wortlaut:

Nach unserem gegenseitigen Beerben setzen wir wegen der jahrelangen Dienstleistungen meinen Neffen (Beteiligter zu 1) und seine Frau (Beteiligte zu 2) zu Nacherben unseres gesamten Besitzes ein.

Mit Vorbescheid vom 27.3.2000 stellte das Amtsgericht die Erteilung eines Erbscheins in Aussicht, der die Beteiligten zu 1 und 2 entsprechend ihrem Antrag als Miterben je zur Hälfte ausweisen sollte.

Gegen diesen Vorbescheid haben die Beteiligten zu 3 bis 5 Beschwerde eingelegt, die das Landgericht mit Beschluss vom 14.7.2000 zurückgewiesen hat. Hiergegen richtet sich die weitere Beschwerde der Beteiligten zu 3 bis 5.

II.

Die zulässige weitere Beschwerde ist nicht begründet.

1. Das Landgericht hat im wesentlichen ausgeführt, das in Fotokopie vorliegende gemeinschaftliche Testament vom 5.7.1984 sei mit dem aus der Kopie ersichtlichen Inhalt formgültig errichtet worden. Zwar sei gemäß §§ 2355, 2356 Abs. 1 Satz 1 BGB zum Nachweis eines testamentarischen Erbrechts grundsätzlich die Urschrift der Urkunde vorzulegen, auf die das Erbrecht gestützt wird.

Sei diese jedoch nicht auffindbar (vgl. § 2356 Abs. 1 Satz 2 BGB), so könnten die Errichtung und der Inhalt des Testaments auch mit Hilfe anderer Beweismittel dargetan werden, insbesondere durch Vorlage einer Ablichtung des Testaments. Die Beweisaufnahme habe ergeben, dass die vorliegende Testamentskopie echt sei und mit dem nicht mehr auffindbaren Originaltestament übereinstimme.

Nachweis für Existenz Testament wenn nur Kopie besteht – Bayerisches Oberstes Landesgericht 1Z BR 126/00

Das formgültige gemeinschaftliche Testament vom 5.7.1984 sei auch nicht wirksam widerrufen worden. Die Tatsache der Unauffindbarkeit der Originalurkunde begründe keine Vermutung dafür, dass sie die Erblasserin in Widerrufsabsicht vernichtet habe.

Aufgrund der Beweisaufnahme stehe fest, dass das Originaltestament im Zeitpunkt des Todes des Ehemanns der Erblasserin vorhanden gewesen und von den Testierenden nicht in Widerrufsabsicht vernichtet worden sei. Für einen Widerruf des gemeinschaftlichen Testaments durch die Erblasserin nach dem Tode ihres Ehemanns bestünden keine Anhaltspunkte.

Die gegenteiligen Behauptungen der Beteiligten zu 3 bis 5 gäben keinen Anlaß zu weiteren Ermittlungen; ein entsprechender Widerruf sei nämlich jedenfalls gemäß § 2271 Abs. 2 BGB i.V.m. § 2270 BGB unwirksam.

Die gegenseitigen Erbeinsetzungen und die Bestimmung der Beteiligten zu 1 und 2 als Schlußerben seien wechselbezüglich erfolgt, so dass ein Widerruf der Erbeinsetzung der Beteiligten zu 1 und 2 nach dem Tode des Ehegatten der Erblasserin rechtlich nicht mehr möglich gewesen sei.

2. Die Entscheidung des Landgerichts hält der rechtlichen Nachprüfung stand (§ 27 Abs. 1 FGG, § 550 ZPO).

a) Die Ausführungen des Landgerichts, der Erteilung eines Erbscheins zugunsten der Beteiligten zu 1 und 2 stehe nicht entgegen, dass die letztwillige Verfügung vom 24.1.1983 nur in Fotokopie vorliege, stehen in Einklang mit der ständigen Rechtsprechung, wonach die Errichtung und der Inhalt eines Testaments nicht nur mit der Originalurkunde, sondern auch durch Vorlage einer Kopie dargetan werden kann (vgl. BayObLGZ 1993, 241 f. m. w. N.).

Das Landgericht ist aufgrund der vorliegenden Kopie und der weiteren von ihm erhobenen Beweise daher zu der Überzeugung gelangt, dass ein Originaltestament mit dem aus der Fotokopie ersichtlichen Inhalt formgültig errichtet worden und von den Testierenden bis zum Zeitpunkt des Todes des Ehemanns der Erblasserin nicht widerrufen worden ist. Die entsprechenden Feststellungen des Landgerichts liegen auf tatsächlichem Gebiet.

Die Tatsachenfeststellung und die ihr zugrundeliegende Beweiswürdigung sind durch das Rechtsbeschwerdegericht nur darauf zu überprüfen, ob das Landgericht den maßgeblichen Sachverhalt genügend erforscht und alle wesentlichen Gesichtspunkte berücksichtigt hat, nicht gegen gesetzliche Beweisregeln, gegen Denkgesetze und feststehende Erfahrungssätze verstoßen hat und ob es die Beweisanforderungen zu hoch oder zu niedrig angesetzt hat (§ 27 Abs. 1 Satz 2 FGG i.V.m. § 550 ZPO; ständige Rechtsprechung, z.B. BayObLGZ 1999, 1/4). Derartige Rechtsfehler liegen nicht vor.

Die Überzeugung des Landgerichts gründet sich im wesentlichen auf die Aussagen der vernommenen Zeugen.

Diese haben von wiederholten Äußerungen der Erblasserin berichtet, wonach von den Ehegatten gemeinsam eine schriftliche Nachlassregelung getroffen worden sei; soweit die Zeugen Angaben zum Inhalt der letztwilligen Verfügung machen konnten, haben sie bekundet, dass den Äußerungen der Erblasserin zufolge die Beteiligten zu 1 und 2 alles erben sollten.

Das Landgericht hat seiner Beweiswürdigung insbesondere auch die Aussage der mit der Erblasserin und ihrem Ehemann seit 38 Jahren bekannten Zeugin T. zugrundegelegt.

Diese hat bekundet, die Eheleute hätten immer wieder geäußert, dass nach der von ihnen gemeinsam getroffenen Verfügung sie sich gegenseitig als Erben eingesetzt hätten und nach dem Letztversterbenden die Beteiligten zu 1 und 2 alles bekommen sollten; noch Ende 1998 habe die Erblasserin bestätigt, an dieser Regelung festhalten zu wollen.

Nachweis für Existenz Testament wenn nur Kopie besteht – Bayerisches Oberstes Landesgericht 1Z BR 126/00

Schließlich hat das Landgericht bei der Würdigung der erhobenen Beweise auch berücksichtigt, dass der Zeuge W. ausgesagt hat, die Erblasserin und ihr Ehemann hätten ihm gegenüber zum Ausdruck gebracht, dem Beteiligten zu 1 den Nachlass als Dank für dessen jahrelange Dienstleistungen zukommen lassen zu wollen, und dass dieses vom Zeugen W. genannte Motiv auch in dem Testament vom 5.7.1984 seinen Niederschlag gefunden hat.

Im Hinblick auf die aus der Beweisaufnahme rechtsfehlerfrei gewonnenen Erkenntnisse zur Frage der Echtheit des Testaments mußte das Landgericht den von den Beschwerdeführern ohne Konkretisierung im tatsächlichen Bereich geäußerten Zweifeln daran, dass die aus der Testamentskopie ersichtlichen Handschriften von der Erblasserin und ihrem Ehemann stammen, nicht weiter nachgehen.

b) In materiell-rechtlicher Hinsicht ist das Landgericht zutreffend zu dem Ergebnis gelangt, dass die Erblasserin aufgrund letztwilliger Verfügung vom 5.7.1984 von den Beteiligten zu 1 und 2 je zur Hälfte beerbt worden ist.

aa) Bei der letztwilligen Verfügung der Ehegatten vom 5.7.1984 handelt es sich um ein gemäß §§ 2265, 2267 BGB formgerecht errichtetes gemeinschaftliches Testament. Durch das spätere gemeinschaftliche Testament konnten die Eheleute den früher geschlossenen Erbvertrag vom 2.5.1951 nicht nur aufheben (§ 2292 BGB), sondern auch abändern und ergänzen (ständige Rechtsprechung; vgl. BayObLG FamRZ 1986, 392/393 m. w. N.).

bb) Zutreffend ist das Landgericht davon ausgegangen, dass eine abweichende letztwillige Verfügung der Erblaserin nach dem Tode ihres Ehegatten unwirksam gewesen wäre (§ 2271 Abs. 1 Satz 2 BGB), weil die Ehegatten wechselbezüglich i.S. von § 2270 Abs. 1 BGB verfügt haben.

Gemäß § 2270 Abs. 1 BGB sind letztwillige Verfügungen, die Ehegatten in einem gemeinschaftlichen Testament getroffen haben, dann wechselbezüglich, wenn anzunehmen ist, dass die Verfügung des einen Ehegatten nicht ohne die Verfügung des anderen getroffen worden wäre, wenn also jede der beiden Verfügungen mit Rücksicht auf eine andere getroffen ist und nach dem Willen der Ehegatten mit ihr stehen oder fallen soll

(BayObLGZ 1983, 213/216 f.; 1987, 23/26; BayObLG FamRZ 1999, 1388/1389).

Eine Wechselbezüglichkeit in diesem Sinne kann auch dann vorliegen, wenn Eheleute sich zunächst in einem Erbvertrag gegenseitig zu Erben und in einem diesen Erbvertrag ergänzenden gemeinschaftlichen Testament einen Dritten als Schlußerben eingesetzt haben (BayObLGZ 1987, 23/26 f. m.w.N.).

Ob zwischen Verfügungen von Ehegatten in einem gemeinschaftlichen Testament der in § 2270 BGB bezeichnete Zusammenhang der Wechselbezüglichkeit besteht, ist eine Auslegungsfrage. Die Auslegung selbst ist auch hinsichtlich der Wechselbezüglichkeit grundsätzlich Sache des Tatrichters (BayObLG FamRZ 1999, 1388/1389 m. w. N.).

Das Rechtsbeschwerdegericht kann nur überprüfen, ob die Auslegung alle wesentlichen Umstände berücksichtigt, nach den Denkgesetzen und der Erfahrung möglich ist, mit den gesetzlichen Auslegungsregeln in Einklang steht und dem klaren Sinn und Wortlaut des Testaments nicht widerspricht (ständige Rechtsprechung; vgl. BayObLG FamRZ 1999, 1388/1389).

Nachweis für Existenz Testament wenn nur Kopie besteht – Bayerisches Oberstes Landesgericht 1Z BR 126/00

Die Schlußfolgerungen des Tatrichters müssen hierbei nicht zwingend sein; es genügt und ist mit der weiteren Beschwerde nicht mit Erfolg angreifbar, wenn der vom Tatrichter gezogene Schluß möglich ist (vgl. BayObLG aaO).

Das Landgericht hat auf die Wechselbezüglichkeit zwischen der gegenseitigen Erbeinsetzung der Ehegatten und der Einsetzung der Beteiligten zu 1 und 2 als Schlußerben daraus geschlossen, dass die Eheleute im Testament als Motiv für die Schlußerbeneinsetzung die jahrelangen von den Beteiligten zu 1 und 2 erbrachten Dienstleistungen genannt haben.

Der Umstand, dass die Eheleute bei der Schlußerbeneinsetzung der Beteiligten zu 1 und 2 offenkundig bestrebt waren, diesen im materieller weise für empfangene Wohltaten zu danken, stützt die Annahme, dass nach dem Willen der Testierenden mit der Abfassung des Testaments vom 5.7.1984 einerseits dem Erbvertrag entsprechend sichergestellt werden sollte, dass beim Tod des einen Ehegatten der andere Ehegatte Alleinerbe wird, andererseits aber auch, dass die Beteiligten zu 1 und 2 später an dem von ihm hinterlassenen Vermögen teilhaben.

Die Schlußfolgerung des Landgerichts, dass die Verfügung des einen Ehegatten nicht ohne die entsprechende Verfügung des anderen getroffen worden wäre, ist daher nicht zu beanstanden.

Da ein Widerruf des gemeinschaftlichen Testaments durch die Erblasserin gemäß § 2271 Abs. 2 BGB i.V.m. § 2270 BGB unwirksam gewesen wäre, bedarf es im Rechtsbeschwerdeverfahren keiner Auseinandersetzung mit der Feststellung des Landgerichts, für einen Widerruf bestünden keine tatsächlichen Anhaltspunkte, und mit der Mutmaßung der Beschwerdeführer, die zweite vom 6.7.1998 datierende Unterschrift der Erblasserin auf dem Testament vom 5.7.1984 stehe möglicherweise im Zusammenhang mit einer auf dem Original angebrachten jedoch auf der Kopie nicht erkennbaren dieses Testaments abändernden oder widerrufenden Verfügung.

cc) Das Landgericht war auch unter Berücksichtigung dessen, dass im Testament der Begriff “Nacherben” enthalten ist, nicht an der Annahme gehindert, dass eine Schlußerbeneinsetzung der Beteiligten zu 1 und 2 gewollt war.

Allein die Verwendung dieses Begriffs macht das Testament nicht eindeutig, weil nicht feststeht, dass die Ehegatten ihn im Sinne des rechtlichen Begriffsinhalts gebraucht haben (BayObLG FamRZ 1992, 1476; Palandt/Edenhofer BGB 60. Aufl. § 2269 Rn. 7).

Für die Annahme einer Schlußerbeneinsetzung spricht insbesondere, dass im Zusammenhang mit der gegenseitigen Erbeinsetzung der Ehegatten im Erbvertrag von einer Vorerbschaft nicht die Rede ist. Im Zweifel wäre die Auslegungsregel des § 2269 BGB anzuwenden; mit dieser steht das vom Landgericht gefundene Ergebnis in Einklang.

3. Im Hinblick auf die sich aus dem Gesetz ergebende Kostenfolge bedarf es keiner Entscheidung über die Gerichtskosten im Verfahren der weiteren Beschwerde. Die Erstattungsanordnung beruht auf § 13a Abs. 1 Satz 2 FGG.

Von der Festsetzung des Wertes der weiteren Beschwerde (§ 131 Abs. 2, § 30 KostO), für den es zunächst auf den Wert des Nachlasses nach Abzug der Nachlaßverbindlichkeiten im Zeitpunkt des Erbfalls ankommt (§ 107 Abs. 2 KostO), sieht der Senat derzeit ab, da sich den Akten bisher keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine Bestimmung des Nachlasswerts entnehmen lassen.

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Die auf dieser Homepage wiedergegebenen Gerichtsentscheidungen bilden einen kleinen Ausschnitt der Rechtsentwicklung über mehrere Jahrzehnte ab. Nicht jedes Urteil muss daher zwangsläufig die aktuelle Rechtslage wiedergeben.

Einige Entscheidungen stellen Mindermeinungen dar oder sind später im Instanzenweg abgeändert oder durch neue obergerichtliche Entscheidungen oder Gesetzesänderungen überholt worden.

Das Recht entwickelt sich ständig weiter. Stetige Aktualität kann daher nicht gewährleistet werden.

Die schlichte Wiedergabe dieser Entscheidungen vermag daher eine fundierte juristische Beratung keinesfalls zu ersetzen.

Für den fehlerhaften juristischen Gebrauch, der hier wiedergegebenen Entscheidungen durch Dritte außerhalb der Kanzlei Krau kann daher keine Haftung übernommen werden.

Verstehen Sie bitte die Texte auf dieser Homepage als gedankliche Anregung zur vertieften Recherche, keinesfalls jedoch als rechtlichen Rat.

Es soll auch nicht der falsche Anschein erweckt werden, als seien die veröffentlichten Urteile von der Kanzlei Krau erzielt worden. Das ist in aller Regel nicht der Fall. Vielmehr handelt es sich um einen allgemeinen Auszug aus dem deutschen Rechtsleben zur Information der Rechtssuchenden.

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